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Megayachten „Made in Germany“

Yachten sorgen für volle Baudocks bei den norddeutschen Werften.

Megayachten, also Yachten mit einer Länge von mehr als 60 Metern, spielen nicht nur bei der den bekannten deutschen Werften Lürssen oder Blohm + Voss eine besondere Rolle stellt sich doch inzwischen eine enorme Nachfrage an diesen exklusiven und hochpreisigen Luxusgütern „Made in Germany“ dar. Von den Werften selbst gibt es nur sehr wenige Details, geschweige Angaben über die Kosten oder die Auftraggeber. Nachfolgend, anhand der zugänglichen Informationen, ein Überblick über die derzeitige Auftragslage in diesem für die deutsche Werft- und Zulieferindustrie sehr lukrativem Segment.

Lürssen Gruppe

Die Lürssen Gruppe gehört mit den beiden Yachtbaustandorten in Bremen-Nord und am Nord-Ostsee-Kanal bei der Lürssen-Kröger Werft mit mehr als 33 Ablieferungen mit einer Länge zwischen 65 bis 180 m zum größten Megayachtproduzenten. Allein fünf der zehn weltweit größten Yachten tragen das Bauschild „Made by Lürssen“. Aufgrund der guten Auftragslage investierte Lürssen am Standort in Lemwerder in die Vergrößerung der Vorfertigungshalle um 87,5 m, mit einer neuen 35 m langen Plasmaschneideanlage im Brennschneidezentrum.

Mitte November wurde bei Lürssen in Bremen-Nord die mehr als 150 m lange OMAR, zu der es kaum Informationen gbit, ausgedockt. Bei der OMAR wird es sich in Bezug auf die Baulänge nach der AZZAM (180 m), ECLIPSE (162,50 m) bzw. DUBAI (162 m) um die viertgrößte Yacht der Welt handeln, wobei die im Jahr 2016 abzuliefernde OMAR aber von der Vermessung her vermutlich die weltweit größte Yacht sein wird. Wie lange dieses Ranking aber Bestand haben wird ist ungewiss, wird doch in Fachkreisen über ein 200 m Yachtprojekt bei Lürssen spekuliert. Auch bei der Lürssen-Kröger-Werft am NOK werden fleißig Yachten bis zu einer Größe von rund 90 m produziert, wie beispielsweise die in diesem Jahr abgelieferte 91 m lange ORCHID.

Blohm + Voss

Bei Blohm + Voss in Hamburg werden neben dem Wartungsgeschäft seit den 1990er Jahren auch Yachtneubauten erstellt. Eine der ersten Yachten war die 105 m LADY MOURA, die einem arabischen Bauunternehmer gehört. Das größte Projekt war die im Jahr 2009 abgelieferte, damals größte Yacht der Welt, die ECLIPSE für den russischen Milliardär Abramowitch, die während der Bauzeit noch zweimal verlängert wurde, um auf jeden Fall die seinerzeit längste Yacht der Welt, die DUBAI, zu übertreffen.
Anfang Oktober 2015 begann bei Bohm + Voss unter der Bau-Nr. 985 die Produktion der ersten Semi-Custom-Yacht BV80. Nach einer Bauzeit von 30 Monaten wird die 80 m lange und 12,8 m breite, bis zu 17 kn schnelle Yacht im April 2018 an den nicht genannten Kunden geliefert. Die in Zusammenarbeit mit Eisgaard Design entwickelte, auf Basis einer Semi-Custom-Yacht soll dem Eigner ein hohes Maß an individueller Gestaltungsfreiheit insbesondere im Eigner- und Gästebereich bieten.

Peters Werft

Seit dem Jahr 2004 werden bei der Peters Werft in Wewelsfleth an der Unterelbe Megayachten erbaut. Im vergangen Jahr lieferte die Werft, die nun mit dem Mehrheitseigner Kusch Yachts kooperiert, den bislang zweitgrößten Yachtneubau IDYNASTY ab. Der vom Studio Massari entworfene Neubau ist 100,8 m lang und 16 m breit. Das 17 kn schnelle Schiff verfügt über einen Pool und natürlich auch über einen Hubschrauberlandeplatz, wie inzwischen fast alle Yachtneubauten. Theoretisch können bei Peters Schiffe bis zu 140 m Länge erbaut werden, das größte war bisher die 135 m AL MIRQAB, die sich im Eigentum des Emir von Katar befindet.
Aktuell verhandelt die 140 Jahre alte Werft, auf der bis heute rund 680 Neubauten vom Stapel liefen, um einen 122 m langen Yachtneubau im Stil der vor 14 Jahren von Nobiskrug abgelieferten 92,4 m langen TATOOSH, die für den Microsoft-Mitbegründer Paul Allen gebaut wurde. Zum Jahresende 2015 wird die TATOOSH für umfangreiche Umbauarbeiten bei der Peters Werft erwartet.

German Naval Yards

An einem einzigartigen 140 m Neubau mit der Baunummer 787 arbeitet seit drei Jahren nach dem Design von Philippe Starcks die Nobiskrug Werft auf dem Gelände der Kieler Schwesterwerft German Naval Yards (ehemals ADM bzw. HDW Gaarden). Unter dem Projektnamen WHITE PEARL entsteht dort nicht nur eine 500 Millionen Euro teure Segelyacht sondern das aktuell weltweit größte Segelschiff für den russischen Auftraggeber Andrej Melnitschenko, der auch Eigner der 119 m langen, 2008 in Kiel erbauten Megayacht A ist.
Der offizielle Name Segelyacht mit seinen drei über 90 Meter hohen Masten, der längsten frei stehenden Karbon Konstruktionen, lautet SAILING YACHT A. Das größte Segel hat eine Fläche von 1.767 m², wobei die Segel automatisch in die Masten eingerollt werden. Bis zu 20 Gäste finden auf den acht Decks Platz, eine 54-köpfige Crew kümmert sich um deren Wohlbefinden. Seit der Gründung 1905 wurden bei der Werft Nobiskrug weit über 750 Schiffe erbaut, dazu gehört auch die Konstruktion und der Bau von individuell angefertigten Megayachten ab einer Länge von 60 m. Zu den jüngst abgelieferten Neubauten zählen unter anderem die beiden preisgekrönten 74 m Yachten MOGAMBO und ODESSA II.

Lloyd Werft Bremerhaven

Auch die Bremerhavener Lloyd Werft ist im Geschäft der Megayachten aktiv, lieferte das traditionsreiche Unternehmen doch im Jahr 2010 die 115 m Yacht LUNA für geschätzte 400 Millionen Euro an den russischen Milliardär Roman Abramowitch ab. Die zweitgrößte Expeditionsyacht der Welt, die auch für Fahrten ins Eis ausgelegt ist, wurde zwischenzeitlich von dem russischen Eigner wieder verkauft, angeblich an den Unternehmer Farkhad Akhmedov aus Aiserbaidschan. Das ganze Jahr 2015 wurde die LUNA im Schwimmdock von German Dry Docks in Bremerhaven für den den neuen Eigentümer umgebaut, die umfangreichen Arbeiten, sollen bis zum Jahresanfang 2016 abgeschlossen sein.

Stahlbau Nord –Rönner-Gruppe

In der Vergangenheit fiel der Name Stahlbau Nord vor allem als Zulieferer für das Anfertigen von Rümpfen, Sektionen und Decksaufbauten aus Aluminium und Stahl, gerade für die an der Unterweser ansässigen Yachtschmieden von Lürssen und Abeking & Rassmussen. Dabei wurden Schiffsrümpfe bis zu 80 m in der Bremerhavener Schiffbauhalle produziert. Vor 15 Jahren lieferte Stahlbau Nord die seinerzeit von Kusch Yachts entworfene 112,8 m LE GRAND BLEU ab, die als letzter Neubau im alten Baudock der Vulkan-Werft in Bremen entstand. Aktuell hat das zur Rönner-Gruppe gehörende Unternehmen ein Yachtprojekt zur Fertigstellung bis zum Anfang des Jahres 2016 an der Ausrüstungspier liegen, das bereits im Sommer aus Norwegen eintraf: Die sehr robuste 107 m Exploration-Yacht ULYSSES. Die Arbeiten beinhalten dabei die Fertigstellung des Außenbereiches aber auch der vollständige Innenausbau, wobei die Abwicklung in Zusammenarbeit mit Dörries Maritime Services, Bremen, erfolgt.
Mittlerweile wurde von dem gleichen Auftraggeber eine weitere, 116 m lange Expeditons-Yacht bei der Kleven Verft in Auftrag gegeben, die im Sommer 2016 ausgeliefert werden soll. Auch diese könnte dann ebenfalls bei Stahlbau Nord abschließend ausgebaut werden.

Fassmer Werft

Die vornehmlich auf den Bau von Behörden- und Spezialschiffen spezialisierte Fassmer Werft aus Berne hat mit dem Vegesacker Unternehmen Beiderbeck Designs eine neue Luxusjacht entworfen, die auf der Grundlage ihres bewährten Patrouillenbootes OPV80 entstand, das seit 2008 in chilenischen Gewässern verkehrt. Auf Basis dieser Plattform, deren langes, freies Vorschiff laut Fassmer „nicht nur besonders seetüchtig ist, sondern auch ästhetisch wirkt“, zeichneten die Designer eine rund 80 Meter lange Motorjacht. Der Landeplatz für einen Hubschrauber kann dank eines hochklappbaren Geländers zu einem offenen Partydeck umgewandelt werden, wobei der Helikopter mittschiffs im Hangar verschwindet. In der gemäßigten Version sorgen zwei Wärtsilä-Motoren mit insgesamt 4.000 kW für eine Höchstgeschwindigkeit von 18 Knoten.

Abeking & Rasmussen

Auch Abeking & Rasmussen (A&R) in Lemwerder steigt immer mehr in den Bereich der großen Megayachten oberhalb der 100 Meter Marke auf, bisher war aufgrund der örtlichen Verhältnisse auf dem Werftbetrieb bei einer Schiffslänge von 82 Metern Schluss. Durch die kürzlich erweiterte Fertigungshalle können dort Yachten bis zu einer Länge von 120 m produziert werden, ein weiterer Meilenstein für das traditionsreiche, 108 Jahre alte Familienunternehmen.
Wir haben die neue Halle ja nicht ohne Grund gebaut“, erklärte kürzlich Dr. Erich Bischoff, Vorstand von A&R. Damit deutet er auf das aktuelle 100 m Yachtprojekt mit der Baunummer 6501 hin, das derzeit in der neuen Halle entsteht. Die FSG-Werft in Flensburg erbaute den Yachtrumpf, der dann nach Lemwerder überführt wurde. „Für unsere kleine Werft ist der neue Auftrag ein Rekord, schließlich haben wir ein so großes Schiff bisher noch nicht gebaut“, betonte Vorstandsmitglied Bischoff weiter. A&R spielt nach eigenen Angaben nicht in der Liga für die ganz großen Schiffe, die Werft hat somit auch nicht den Anspruch, die nächste Rekordyacht zu bauen. Allerdings würden Kunden nach größeren Schiffen fragen. Denn ähnlich wie bei den Autos gibt es auch bei den Yachtwerften eine Markentreue. „Wenn langjährige Kunden sich vor zehn Jahren bei uns ein 80 Meter Schiff gekauft haben und nun ein größeres wünschen, müssen wir das auch bedienen können“, so Bischoff, „der Markt entwickelt sich weiter“.
Weitere Pläne zur Expansion liegen bei A&R vorerst nicht vor. Jedoch werden auch weiterhin kleinere Exemplare gebaut. Für die nächsten zwei Jahre ist die Werft ausgelastet, so arbeitet man an einer 23 m Swath-Yacht und an einer 72 m langen Privatyacht. Seit der MonacoYacht Show im September 2015 liegen weitere Anfragen vor und ein Vertrag für eine weitere 76 m Yacht wurde bereits unterschrieben.

Christian Eckardt
Redaktionsmitglied bei VEUS-Shipping.com mit Schwerpunkt Schifffahrt und Offshoretechnik.

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