Die Greenstream im Sommer 2013 erstmals in Köln, auf dem Rhein.

Shell wird 15 LNG-Binnenschiffe auf dem Rhein einsetzen

Erster Kunde am LNG-Break-Bulk-Terminal in Rotterdam.

Aufgrund den seit Januar 2015 in Kraft getretenen Vorschriften zur Emissionssenkung für die Emissionssonderzonen (Emission Control Areas, ECAs) zeigt sich eine steigende Flüssigerdgas-Nachfrage in der Schifffahrt. Somit hat die niederländische Shell Trading Rotterdam BV (Shell) einen Chartervertrag mit der niederländischen Plouvier Transport NV für 15 neue Dual-Fuel-Binnenschiffe geschlossen, die überwiegend mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden sollen. Diese modernen Binnenschiffe, sollen das wachsende Transport- und Handelsgeschäft von Shell mit Mineralölprodukten in der so genannten ARA-Region (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) und auf dem Rhein (Deutschland/Schweiz) unterstützen. Gebaut werden die Schiffe von der niederländischen Veka Shibuilding BV, wobei die Stahlbauarbeiten bei Veka Shipbuilding Centromost im polnischen Plock erfolgen und die Ausrüstung später am niederländischen Hauptsitz in Werkendam bei Rotterdam.

Dr. Grahaeme Henderson, Vice President von Shell Shipping & Maritime erklärte hierzu: “Mit diesen innovativen Schiffen machen wir einen weiteren Schritt, um unsere Binnenflotte noch sicherer und nachhaltiger zu machen. Indem wir diese hochmodernen Schiffe von Eigentümern chartern, die unsere Zielvorstellungen teilen, treiben wir den Fortschritt in der Binnenschifffahrt voran. Wir haben LNG als umweltfreundlichere Kraftstoffalternative für die Schifffahrt entwickelt und sind stolz auf diese Pionierleistung.”

Die Investition von Shell unterstreicht die Zielrichtung, da LNG in Zukunft einen größeren Anteil am Kraftstoffmix des internationalen Transportsektors haben wird. Diese Investition fördert nach Ansicht von Shell die Entstehung einer europäischen LNG-Schiffskraftstoffindustrie für Binnen- und Küstenschiffe. Erwartet wird, dass diese Binnenschiffe mit LNG vom LNG-Break-Bulk-Terminal fahren werden, das derzeit am Gate-Terminal in Rotterdam entsteht und einen wichtigen Baustein für die Transport-LNG-Infrastruktur darstellen wird.

Schon heute fahren im Dienst von Shell Shipping & Maritime mehr als 40 LNG-Tanker – rund 11 % der weltweiten LNG-Flotte, damit zählt Shell heute zu den größten Betreibern von LNG-Tankschiffen. Die jetzt bestellten, 110 Meter langen Binnenschiffe wurden im Hinblick auf maximale Kraftstoffeffizienz, Sicherheit und optimale Ladekapazität bei verschiedenen Wasserpegeln entworfen und sollen sukzessive von Ende 2016 bis Mitte 2018 geliefert werden und die gegenwärtigen und zukünftigen Emissionsvorschriften erfüllen. Dank Dual-Fuel-Motortechnik können die Schiffe sowohl mit LNG als auch mit herkömmlichen, flüssigen Schiffskraftstoffen betrieben werden (Diesel). Zum Einsatz kommen hier 6-Zylinder-20DF-Wärtsilä-Motoren zum Einsatz, die optimaler weise mit 95-98 % LNG-Kraftstoff und einer geringen Dieselmenge für die Pilotzündung fahren. Die Umschaltung zwischen den Kraftstoffen ist im laufenden Betrieb ohne Leistungs- oder Tempoverlust möglich.

Zusätzlich zu den Hauptmotoren liefert Wärtsilä ein Getriebe einen Wärtsilä-Propeller mit einer HR-Düse, das Gasbunker und Tanksystem „LNGPac“, inklusive der dazugehörigen Sicherheits- und Regelungssysteme, das in enger Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Cryonorm Systems BV enwickelt wurde.

  • Projektzeichnung der Shell-Neubauten, die bei VEKA Shipyard gebaut werden sollen.
    Projektzeichnung der Shell-Neubauten, die bei VEKA Shipyard gebaut werden sollen. © Wärtsilä-VEKA Shipyard Centromost

Shell ist nach eigenen Angaben der erste Kunde einer neuen, eigenen Infrastruktur für LNG-Kraftstoff. Für die Kundenbelieferung in der Schifffahrt lässt Shell daher bei STX Offshore & Shipbuilding in Korea ein Spezialtankschiff für die Betankung mit Flüssigerdgas bauen. Das Schiff, das im Jahr 2017 in Fahrt kommen wird, verfügt über ein Tankvolumen von rund 6500 Kubikmetern und soll LNG-betriebene Schiffe betanken und das Flüssigerdgas am LNG Gate-Terminal übernehmen.

Das neue Gate-Terminal, in der Nähe des Hafeneingangs von Rotterdam auf der Maasvlakte, ist für LNG-Tanker äußerst gut zu erreichen. Drei Lagertanks, jeweils mit einer Lagerkapazität von 180.000 m3, ermöglichen das Löschen von großen Mengen an LNG auf einmal. Das flüssige Erdgas wird entweder auf dem Gate-Terminal wiederverdampft, so dass es über eine unterirdische Rohrleitung an das europäische Erdgasvertriebsnetz geleitet werden kann, oder es wird auf Schiffe oder Tankwagen geladen. Das flüssige Erdgas kann so mittels Binnentanker, Küstentanker oder Tankwagen in Gebiete transportiert werden, wo keine Rohrleitungen für die Zufuhr von Erdgas vorhanden sind, oder kann zur Bevorratung von Tankstellen dienen. Die Nachfrage nach LNG wächst, und aus diesem Grunde arbeiten Vopak und Gasunie, die Initiativnehmer von Gate, gemeinsam mit dem Hafenbetrieb Rotterdam, am Bau des angrenzenden LNG-Break Bulk-Terminal. An diesem Terminal werden kleine Mengen flüssigen Erdgases auf Bunkerschiffe oder kleinere Tanker für die Binnenschifffahrt und Küstenschifffahrt umgeladen. Für diese Stückgut-Aktivitäten wird ein neuer Kai mit einer Ladestation für kleinere Tanker und Bunkerschiffe gebaut, wobei Shell der Erstkunde ist. Laut der derzeitigen Planungen soll dieses Terminal Mitte 2016 in Betrieb genommen werden

Shell LNG für die Schifffahrt

Flüssigerdgas ist bereits seit geraumer Zeit auf Binnenschiffen als auch schon auf norwegischen Fjordfähren im Einsatz. Aber verflüssigtes Erdgas hat inzwischen das Potenzial, auch in größerem Umfang als Kraftstoff eingesetzt zu werden: Von Hochsee-Fähren, Lastkähnen, Schleppern bis hin zu Kreuzfahrtschiffen. Aufgrund neuer Umweltauflagen in Europa und Nordamerika mussten Reedereien und Charterer Maßnahmen zur Reduzierung der lokalen Emissionen ihrer Schiffe umsetzen.

Da Shell sehr von dem Erfolg des LNG-Sektors überzeugt ist noch mehr Kunden diesen Treibstoff anbieten möchte, wurde das führende LNG Kraftstoffunternehmen Gasnor aus Norwegen erworben, das die Industrie sowie Reedereien und Charterer beliefert. Weiterhin setzt Shell schon seit drei Jahren zwei Binnenschiffe auf dem Rhein ein, die mit Gasmotoren und zu 100 % mit LNG betrieben werden. Die grünen Binnentanker GREENRHIN und und das Schwesterschiff GREENSTREAM wurden 2012 bzw. 2013 auf der niederländischen Peters Shipyards in Kampen gebaut und werden von dem in den Niederlanden beheimateten Befrachter Interstream Barging (ISB) betrieben. Die Schiffe kommen auf dem Rhein zwischen Rotterdam und Basel zum Einsatz. Dabei wurde de GREENSTREAM mit vielen Innovationen im Bereich Sicherheit und Effizienz ausgestattet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Binnenschiffen wird die GREENSTREAM beispielsweise nicht von einem einzigen großen Motor angetrieben, sondern von vier kleinen Motoren mit hohem Wirkungsgrad. Wenn z. B. flussabwärts weniger Leistung benötigt wird als bei der Flussaufwärtsfahrt, ist hierdurch eine Leistungsanpassung möglich – mit dem entsprechenden Einsparpotenzial beim Treibstoff. Die Motoren werden bei einer niedrigeren Frequenz betrieben als diejenigen herkömmlicher Flussschiffe, wodurch Schwingungen und Lärm reduziert werden, was sich als Vorteil bei der Passage dicht besiedelter Rheinuferabschnitte darstellt.