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Donnerstag, September 24, 2020
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Schwimmende Hotels von C-bed zeitgleich zur Überholung bei German Dry Docks

Durch den Aufbau der Offshore-Windparks in den vergangen Jahren ergibt sich auch für ehemalige Fähr- und Kreuzfahrtschiffe ein neues Einsatzgebiet als schwimmende Hotels für die Unterbringung der Techniker und Arbeiter direkt vor Ort. Neben den notwendigen Schlafplätzen bieten diese Schiffe auch Büroarbeitsplätze, Konferenzräumen, Werkstätten, Restaurants, Fitnessräume sowie TV- und Spielräume. Die ehemaligen Fahrzeugdecks dienen dabei meist als Lagerräume. Die Techniker verlassen dabei über separate Ausstiege die Schiffe und werden dann mit kleinen bis maximal 12 Personen fassenden Booten, den so genannten Crew Tansfer Vessel (CTV), zu den Baustellen der Windkraftanlagen übergesetzt.

Seit ein paar Jahren ist in diesem Segment unter anderem schon SWE Offshore aktiv und bietet dafür die Fährschiffe REGINA BALTICA und PATRIA SEAWAYS als schwimmende Unterkunft an. In der Vergangenheit wurde auch schon die EUROPEAN HIGHWAY von P&O Ferries für Offshore-Einsätze bei Windparkbaustellen verchartert. Seit zwei Jahren bietet zudem Chevalier Floatels die beiden ehemaligen Helsingör-Fährschiffe DP GEZINA und DP GALYNA für derartige Arbeiten ein. Das im Jahr 2008 in den Niederlanden gegründete Unternehmen C-bed Floating Hotels gilt dabei als einer der Pioniere bei der Gestellung von schwimmenden Hotels für Offshore-Baustellen.

Zum Jahresanfang 2016 wurden gleich zwei schwimmende Offshore-Hotels von C-bed in Bremerhaven bei German Dry Docks für reguläre Klasse-, Wartungs- und Überholungsarbeiten gedockt, wobei ältere Schwedenurlauber in den beiden, über 40 Jahre alten Offshore-Hotels WIND AMBITION und WIND SOLUTION ehemalige Fährschiffe wiedererkennen, die vor 30 Jahren im Schwedenverkehr von Deutschland bzw. Dänemark in die schwedische Hafenstadt Göteborg zum Einsatz kamen.

Nach Abschluss der Werftliegezeit stehen die beiden Schiffe wieder für die Beherbergung von Offshore-Monteuren zur Verfügung, derzeit wieder bei Projekten in der Nordsee.

Wind Solution am 28.2.2016 in Bremerhaven.
Wind Solution am 28.2.2016 in Bremerhaven. © C. Eckardt

Im Jahr 2008 erwarb C-bed die WIND SOLUTION, die 1969 in Dänemark für die damalige Sessan Linie erbaute PRINSESSAN CHRISTINA, die über 15 Jahre im Skagerrak zwischen Frederikshavn und Göteborg verkehrte. Auch das ebenfalls noch sehr robuste Schwesterschiff ex PRINSESSEAN DESIRÉE ist noch aktiv, pendelt seit nunmehr 22 Jahren Jahren als Fährschiff BOHUS für Color Line zwischen Strömstad und Sandefjord im Oslofjord.
Nach mehreren Eignerwechseln und Einsätzen im Mittelmeer erwarb C-bed die 123,5 Meter lange WIND SOLUTION und lies das Schiff in Dänemark zum schwimmenden Hotel umbauen. Derzeit verfügt das in London beheimate Schiff über 80 Kabinen mit Bad und Toilette. Im Jahr 2010 kam dann die jetzige WIND AMBITION dazu, ebenfalls ein 152,4 Meter langes Fährschiff der ehemaligen Sessan Line. Erbaut 1974 in Finnland als PRINSESSAN BIRGITTA verkehrte es zunächst zwischen Travemünde und Göteborg bzw. später zwischen Kiel und Travemünde. Nach mehreren Eignerwechseln kam das 13.286 BRZ vermessene Fährschiff dann vor 20 Jahren als KING OF SCANDINAVIA auf der Elbe im DFDS-Fährdienst zwischen Hamburg und Newcastle zum Einsatz. Nach einem Umbau in Frederikshavn verfügt die WIND AMBITION nun unter anderem über 150 Kabinen für die Unterbringung von Offshore-Monteuren.

Bis im letzten Jahr war bei C-bed noch die WIND PERFECTION im Einsatz, die 1982 auf der Bremerhavener Seebeckwerft als OLAU BRITANNIA für die Olau Line erbaut wurde. Bis 1990 verkehrte das Fährschiff zwischen Vlissingen und Sheernes im Ärmelkanal und nach einem Verkauf an die norwegische Reederei Fred. Olsen Lines und einem Umbau bei Blohm + Voss in Hamburg wechselte es unter dem Namen BAYARD auf die Norwegenroute zwischen Hirtshals und Kristiansand. Im Zusammenhang mit der Übernahme durch die Color Line verkehrte es dann 17 weitere Jahre als CHRISTIAN im Norwegenverkehr. Im letzten Jahr konnte C-bed die WIND PFERCTION kurzfristig an die italienische Moby Lines verkaufen. Ab dieser Saison erfolgt ein Einsatz unter dem Namen MOBY ZAZÁ als reguläre PKW- und Personenfähre im Mittelmeer.

Schwimmendes Hotel WIND INNOVATION.
WIND INNOVATION. © C-bed

In den nächsten Wochen kommt für C-bed ein neues Wohnschiff mit einem speziellen „walk-to-work“ Konzept in Fahrt, die 93 Meter lange WIND INNOVATION, die nach einem umfangreichen Umbau auf der Fayard-Werft aus dem ehemaligen Versorgungs- und Forschungsschiff VERIATAS VIKING II entstand. Dabei wird das nach Kundenwünschen konzipierte Schiff aber nicht nur als schwimmendes Hotel sondern auch als direktes Zubringerschiff für Montagearbeiter an den Offshore-Windparks genutzt. Dafür wurde auf dem großen freien Achterdeck eine spezielle, stufenlos verstellbare Gangway installiert, die nach dem Positionierungsstandard „DP2 Walk-to-Work“ einen gefahrlosen Überstieg der Arbeiter direkt auf die Offshore-Anlagen ermöglicht, ohne einen Einsatz von Crew Tranfer Fahrzeugen. Nach diesem Muster werden auch die beiden Hotel- und Arbeitsschiffe von dem niederländischen Anbieter Chevalier Floatels eingesetzt.

Wind Ambition am 28.2.2016 in Bremerhaven.
Wind Ambition am 28.2.2016 in Bremerhaven. © C. Eckardt

Nach derzeitiger Planung soll die WIND INNOVATION, die über 80 Einzelkabinen verfügt, in den nächsten Wochen in Charter von Siemens Offshore beim Aufbau des niederländischen 600 MW-Gemini-Windpark in der Nordsee zum Einsatz kommen.
Sollte sich das neue Hotelschiffs-Konzept mit der WIND INNOVATION bewähren, erübrigt sich die Frage über die weitere Zukunft der beiden ehemaligen und betagten Schwedenfähren. Aktuell ist WIND AMBITION schon bei US-Maklern für 8,5 Millionen $ zum Verkauf ausgeschrieben.

Christian Eckardt
Redaktionsmitglied bei VEUS-Shipping.com mit Schwerpunkt Schifffahrt und Offshoretechnik.

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