Kreuzfahrtschiff steuert den Hafen Koper an.

Neue Rangliste des NABU zur Kreuzfahrt – ein Kommentar

Am Montag, 29. August 2016, stellte der NABU in Hamburg seine neue Kreuzfahrt-Rangliste vor. Diese fünfte Liste ist mit den Vorläufern nicht mehr vergleichbar, da mit ihr nicht mehr in die Zukunft geschaut wird, sondern nur Schiffe betrachtet werden, die im Einsatz sind. Mit der Bewertung auch noch im Bau befindlicher Schiffe sei man „auf die Nase gefallen“, so die offizielle Begründung für die geänderte Struktur der Rangliste. Darüber hinaus ist der NABU nicht mehr bereit, Scrubber als hinreichende Maßnahme zur Abgasnachbehandlung zu akzeptieren und hat sie folglich aus der diesjährigen Bewertung ausgeschlossen.

Und wann reichen dem NABU auch die SCR-Anlagen nicht mehr?

Zweifellos hat eine Rangliste der Kreuzfahrtschiffe, oder besser noch der Kreuzfahrt-Reedereien, ein gewisses Interesse. Doch die Materie ist äußerst komplex und daher sind solche Listen nicht unumstritten. Da lässt sich fragen, nach welchen Kriterien werden die zu bewertenden Parameter ausgewählt und deren Gewichtung bestimmt? Darüber lässt sich dann trefflich streiten und je nach Interessenlage das eine oder andere bevorzugen. So ist das gleich aus mehreren Gründen bei der Rangliste des NABU. Die Organisation verteilt grüne und rote Schiffsschrauben, maximal vier für jedes Schiff. Ohne jede Gewichtung der Parameter! Da werden grüne Schiffsschrauben für Abgasreinigungsanlagen verteilt, zum Beispiel für die AIDAprima, die nach Aussage des NABU nicht zum Einsatz kommen. Was soll das? In der Politik würde man von Populismus sprechen. Peinlich ist bei dieser Aussage noch, dass „Abgassystem“ und „Abgasnachbehandlung“ verwechselt werden.

Ohne Abgassystem kann das Schiff nicht fahren.

Kasten_PartikelfilterWenn der NABU die Diskrepanz zwischen dem Anspruch einzelner Reedereien und der Realität ihrer Schiffe beklagt, so muss man ihm leider vorhalten, dass er im Glashaus sitzt. Sein Anspruch, eine halbwegs tragfähige Rangliste der in europäischen Gewässern fahrenden Kreuzfahrtschiffe zu liefern, ist aus mehreren Gründen nicht gesichert. Vor allem fehlen ganz offenbar kompetente Techniker im Hintergrund. Anders sind die vielfach nicht treffsicheren Antworten auf technische Fragen nicht zu erklären. Vordergründiges Motiv für die Rangliste ist der „Umwelt- und Gesundheitsschutz“, wobei nicht klar gesagt wird, um wen es dabei geht, die Menschen an Land, die Reisenden oder beide Gruppen. Das Fazit des NABU bezieht sich jedenfalls auf die Seereisenden. Wenn es heißt: „Auf keinem der europäischen Kreuzfahrtschiffe ist eine Reise aus Umwelt- und Gesundheitssicht uneingeschränkt empfehlenswert.“ Und dazu lässt sich nur anmerken: Diese Gruppe ist von den Emissionen der Antriebsmaschinen der Schiffe am wenigsten belastet. Aber möglicherweise ist die oben zitierte Aussage auch so zu verstehen, dass man auf Seereisen verzichten solle, damit die Menschen an Land nicht geschädigt werden, was unter anderem vom NABU stark betont wird. An dieser Stelle kann nur wiederholt werden, was schon in einem anderen Kommentar zu Präsentationen des NABU beklagt wurde: Wenn der NABU den Reedereien bescheinigt, dass sie die „gesetzlichen Mindeststandards“ einhalten, dann muss er zur Verbesserung des Umweltschutzes die Politik und die Organisationen angreifen, die diese Standards festsetzen. Aber das dauert ihm ja viel zu lange. So hilft es niemand, die Grünfärberei mancher Reederei zu beklagen.

Am schlechtesten kommt dabei AIDA Cruises weg, obwohl die AIDAprima an erster Stelle in der Rangliste steht. Nach Meinung des NABU hat die Reederei einfach zu viel versprochen und zu wenig gehalten. Die Stellungnahme der Reederei ließ nicht lange auf sich warten und „die Kritik des NABU am Umweltengagement von AIDA Cruises sowie die Vorwürfe des Greenwashings und des Schwindels“ wurden zurückgewiesen. Nachdem die Daten für die diesjährige Rangliste nicht mehr von den einzelnen Reedereien, sondern vom Dachverband Cruise Lines International Association (CLIA) geliefert wurden, geriet dieser Verband in die Kritik des NABU und wurde beschuldigt, bewusst falsche Zahlen geliefert zu haben. Eine Stellungnahme erfolgte ebenfalls noch am selben Tag, verbunden mit der Aufforderung, der NABU möge bei seinen Arbeiten wissenschaftliche Standards und faire Kriterien einhalten. Nicht verschwiegen werden darf, dass es offenbar terminologische Probleme in der Kommunikation zwischen CLIA und NABU gegeben hat. Anders sind die unterschiedlichen Aussagen zum Thema „Partikelfilter“ nicht zu erklären.
Der NABU ist auf dem besten Weg sein Image zu ramponieren, mit anderen Worten: man kann ihn nicht mehr ernst nehmen.

Autor: H.-J. Reuß // PP

Beitragsbild: Thomas Jantzen