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Dienstag, November 24, 2020
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Neue Wege in der nautischen Ausbildung

Nachhaltige Kompetenzvermittlung im Bereich Teammanagement und Schiffsführung

Neue Wege in der nautischen Ausbildung zur Verbesserung der Kompetenzen im Bereich Bridge Team und Bridge Ressource Management geht der Fachbereich Seefahrt der Hochschule Emden/Leer. Erstmals wurde im Rahmen eines 2,5 tägigen Seminars die „Human Element In Shipping Simulation (TOPSIM-HEISS)“ genutzt und dessen Ergebnisse im Rahmen der Übungen am Schiffsführungssimulator im Verlauf des Semesters integriert und weiter vertieft.

Schiffsführungssimulator
Schiffsführungssimulator. © P. Pospiech

Herausforderung

Die stetig steigende Verkehrsdichte auf nationalen und internationalen Wasserstraßen führt zunehmend zu komplexen Situationen an Bord. Heutzutage sind gut funktionierende Brückenteams unverzichtbar und gerade deswegen sind persönliche Fähigkeiten und effektive Ressourcenplanung wichtige Schlüsselelemente eines erfolgreichen Schiffmanagements. Folglich gehörten Kompetenzen in Bereichen wie Arbeiten im Team, Führung und der Einsatz von Ressourcen zu den wesentlichen Ergänzungen bei der letzten Überarbeitung des STCW Übereinkommens.

Dass wir hier bei der Umsetzung erst am Anfang stehen, zeigt eine Vielzahl von Seeunfalluntersuchungsberichten. So wurde z.B. im „MAIB Safety Digest 02/2016“ festgestellt, dass Fehler in den Bereichen Situationsbewusstsein, Kommunikation, Alarmieren von Anderen, Nachlässigkeit und eine nicht ausreichende Sicherheitskultur an Bord noch immer als Ursache für rund 75% der maritimen Unfälle gelten. Ein Schiffsführungssimulator wie am Fachbereich Seefahrt in Leer gibt den Teilnehmern die Möglichkeit ihre Fähigkeiten zu trainieren und weitern zu verbessern. So werden schon in der Ausbildung Wege aufgezeigt, vorhandene Ressourcen effektiver zu nutzen und somit auch die Sicherheit auf See zu erhöhen. Gesucht wurde ein ganzheitlicher Ansatz um den Studenten als zukünftige Offiziere und Kapitäne die Kompetenzen im Bereich Teammanagement und Schiffsführung nachhaltig zu vermitteln.

Im Wintersemester wurde erstmalig als Werkzeug für diesen Bereich wurde die „Human Element In Shipping Simulation (TOPSIM-HEISS)“ im Rahmen eines 2,5 tägigen Seminars genutzt, dessen Ergebnisse im Rahmen der Übungen am Schiffsführungssimulator im Verlauf des Semesters integriert und weiter vertieft wurden.

Umsetzung

Im Rahmen einer einführenden Übung mit Schiffsführungssimulator wurden die Studenten mit der Komplexität der Simulation und mit den Aufgaben für die nächsten Wochen vertraut gemacht. In dem sich anschließenden TOPSIM-HEISS Seminar lernten die Studenten den Umgang mit Einflussfaktoren wie Zeitdruck, Kommunikation, komplexe Entscheidungsfindung, Gruppenprozesse und -dynamik kennen, und wendeten mögliche Lösungsstrategien für die verschiedenen Problemstellungen praktisch an.

Die Konzeption des Seminars ermöglichte es den Studenten ihr Erfahrungswissen aus der Seefahrt, ergänzt durch Forschungsergebnisse und Modelle, in praktische Lösungen umzusetzen, und den Erfolg ihrer Maßnahmen zu bewerten. Da auch die Reaktionen der virtuellen Besatzung auf die durchgeführten Maßnahmen des „HEISS-Kapitäns“ Teil der Simulation sind, werden die Komplexität der Führung an Bord und die Folgen bestimmter Entscheidungen direkt greifbar für die Kursteilnehmer.

Dieses Lernergebnis dient als weitere Basis für die Strukturierung der Entscheidungsprozesse im Rahmen der Schiffsführung in den darauf folgenden Simulatorübungen. Das heißt in den Simulatorübungen werden nun konkrete Anforderungen (Navigation, Manövrieren, Notfälle) und Entscheidungsfindung im Team in einer Weise kombiniert, die dazu dienen einen langfristigen Lernerfolg zu sichern.

Mehrwert

TOPSIM-HEISS beschleunigt den Entwicklungsprozess und das effektive Arbeiten der Teilnehmer in ihren Brückenteams, wie einer der Teilnehmer feststelle: „Wir sind als Team jetzt schon an einem Punkt, den wir wahrscheinlich erst nach 4-5 Simulationstagen erreicht hätten.“

Die Integration von TOPSIM-HEISS am Anfang der Simulatorausbildung, lässt die Studierenden direkt vom gruppen- und aufgabenorientiertem Prozess der Entscheidungsfindung profitieren. Sie erhalten konstruktives Feedback und sammeln erste Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Situationen im Schiffsführungssimulator, welche sie auch in ihrem Berufsalltag an Bord erwarten werden.

Darüber hinaus schafft das Seminar eine solide Grundlage für das spätere wissenschaftliche Arbeiten in Bereichen wie z.B. mehrstufiger Führung, „shared mental models“, komplexe Entscheidungsprozesse oder verhaltensorientiertem Ausbilden.

 

Dipl. -Ing. Peter Pospiech
Redaktionsleitung bei VEUS-Shipping.com mit Schwerpunkt Schiffsbetriebstechnik, Transport, Logistik, Schiffahrt, Hafen und dem weitreichenden Thema Umweltschutz sowie gesetzliche Auflagen für Antriebsmaschinen.

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