Vertragsunterzeichnung zwischen Rolls-Royce Power Systems und die Stadtwerke Konstanz.

Neuer MTU-Gasmotor in Autofähre auf dem Bodensee

Rolls-Royce Power Systems und die Stadtwerke Konstanz erproben auf dem Bodensee ab dem Jahr 2019 mit einem MTU-Gasmotor den Schiffsantrieb der Zukunft.

Das neue Fährschiff der Stadtwerke erhält zwei 8-Zylinder-Gasmotoren der Baureihe 4000 von MTU, welche jeweils eine Leistung von 746 Kilowatt erbringen. Es ist damit das erste Binnenfahrgastschiff Europas, das von schnelllaufenden reinen Gasmotoren angetrieben wird. Als Brennstoff dient Methan welches als verflüssigtes Erdgas (LNG = Liquefied Natural Gas) an Bord in Tanks gespeichert wird.

Kürzlich haben Vertreter von Rolls-Royce Power Systems und Stadtwerke Konstanz einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterschrieben. Dieser umfasst eine zweijährige Erprobung des Antriebs auf der Fähre, in der beide Partner Erfahrungen im Dauereinsatz sammeln werden.

„Unsere mobilen Gasmotoren sind wesentlicher Bestandteil unserer Green- und Hightech-Initiative. Mit dem neuen Vorzeigeprojekt auf der Fährstrecke zwischen Konstanz und Meersburg setzen wir internationale Trends hier am Bodensee und können quasi vor unserer Haustüre zeigen, wie sich unsere Neuentwicklungen bewähren. Wir sind davon überzeugt, dass Gasmotoren als Ergänzung zu den bewährten Dieselmotoren für die Schifffahrt immer bedeutender werden“, betont Andreas Schell, Vorsitzender des Vorstandes von Rolls-Royce Power Systems.

„Zuerst wurden Schiffe mit Dampf angetrieben, dann rund 100 Jahre mit Diesel – und nun wird Gas der Antrieb der Zukunft sein“, so Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz. „Mit dem neuen Fährschiff werden wir die Verbindung zwischen Konstanz und Meersburg, durch die jährlich rund 80 Millionen Kilometer auf der Straße eingespart werden, noch umweltschonender betreiben.“

Der Gasmotor stößt im Vergleich zu einem Dieselmotor ohne Abgasnachbehandlung keinen Ruß und keine Schwefeloxide aus, 90 Prozent weniger Stickoxide und 10 Prozent weniger Treibhausgas. Damit hält er die seit Anfang 2016 geltenden IMO-III-Abgasnormen ohne zusätzliche Abgasnachbehandlung ein. In Dynamik und Performance entspricht er einem Dieselmotor.

„Die Kooperation mit Rolls-Royce Power Systems ist die Fortsetzung einer über 30-jährigen Zusammenarbeit, die sich stets dem Ziel verschrieben hat, Umweltemissionen zu reduzieren und damit die Bodenseeregion zu stärken“, erklärt Norbert Reuter. „Dank dieser Zusammenarbeit nehmen wir eine Vorreiterrolle am Bodensee und darüber hinaus ein, denn ein Binnenfahrgastschiff mit einer Zulassung, wie wir sie anstreben, gibt es in Europa noch nicht.“ Andreas Schell begrüßt die Erneuerung dieser Partnerschaft: „Gemeinsam werden wir am Bodensee neue Maßstäbe setzen, die weltweit in der Binnenschifffahrt Beachtung finden werden“, sagte er bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.

Rolls-Royce Power Systems hatte seine mobilen MTU-Gasmotoren für Schiffsantriebe im Juli 2016 vorgestellt. Mittlerweile hat der Prototyp, ein 16-Zylinder der Baureihe 4000, mehr als 4.000 Stunden erfolgreich auf dem Prüfstand absolviert. Weltweit sind die künftigen mobilen Gasmotoren von MTU auf großes Interesse gestoßen. Die ersten Vorserienmotoren dieses Typs für den Schiffsbetrieb werden voraussichtlich Ende 2017 an die Werft Strategic Marine in Vietnam ausgeliefert, die sie in Katamarane für die niederländische Reederei Doeksen einbauen wird. Die Stadtwerke Konstanz erhalten die ersten Motoren der 8-Zylinder-Version.