Maritime Fachzeitschriften.

Selektive Pressearbeit – ein Kommentar

Die Pressearbeit von Unternehmen, Kammern und Verbänden war in Deutschland schon einmal viel besser als gegenwärtig – das gilt besonders für die maritime Branche.

Die mangelnde Qualität beginnt bereits bei den Presseinformationen. In welcher Presseabteilung werden heute noch die fünf „Ws“ beachtet, die früher den ersten Absatz einer guten Presseinfo kennzeichneten? Welches Unternehmen unterscheidet noch zwischen Informationen für die Wirtschaftspresse und denen für die Fachpresse? Und die zusätzliche Aufbereitung einer Kurzfassung – wie früher üblich bei langen Ausführungen – ist völlig in Vergessenheit geraten.

Die fehlende Differenzierung nach Wirtschaftsnachrichten und produktbezogener technischer Fachinformation geht eindeutig zu Lasten der Fachjournalisten, denen zusätzliche Recherche zugemutet wird. Die Folge: Zahlreiche Beiträge gelangen unredigiert in die Medien.

Was fehlt, ist Professionalität! Die wird nicht auf Akademien gelehrt. Doch das kleine Einmaleins der Pressearbeit sollte dort besser vermittelt werden. Hinzu kommt vielfach fehlende Produkt- und Fachkenntnis.

Ein ganz wichtiger Punkt: Wer Pressearbeit betreiben will, muss seine Partner – die Journalisten – kennen und sollte wissen, welche Wege der Informationsvermittlung ihnen zur Verfügung stehen. Schließlich geht es um den Transport von Informationen auf möglichst vielen Wegen. Um die größtmögliche Reichweite zu erzielen, sollten immer alle Medien (Journalisten) einer Branche gleichzeitig und im selben Umfang informiert werden. Leider sind hierzu fatale Fehler zu beobachten.

Einzelne Medien oder Journalisten zu bevorzugen, also selektive Pressearbeit zu betreiben, zeugt nicht gerade von Klugheit.

Hier eine Nutzen-Kosten-Analyse anzustellen, wie das kürzlich eine bedeutende Gesellschaft der Branche tat, ist absurd. In welchen Einheiten soll der Nutzen gemessen werden? Wenn selektiv nur die Redaktionen einzelner Zeitschriften zu Veranstaltungen eingeladen werden, dann sollte man sich einmal ansehen, wie viele Leser erreicht werden und welchen Berufsgruppen sie zuzuordnen sind. So könnte man zum Beispiel erfahren, wie viele Techniker oder im anderen Fall Kaufleute die jeweilige Zeitschrift noch lesen. Auch hier ist Professionalität gefragt.

In den 1970er und 80er Jahren gab es noch große Vorbilder im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, deren Empfehlungen selbst von Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern gefragt waren, um die Kommunikation ihrer Unternehmen nach innen und nach außen zu verbessern. Schließlich ging und geht es auch heute noch um das gesamte Erscheinungsbild eines Unternehmens.

Betrachtet man die Qualität der Pressearbeit vieler Unternehmen der maritimen Branche von heute und nimmt sie als Maßstab für die Qualität der jeweiligen Produkte, dann müsste es recht schlecht um diese Unternehmen bestellt sein. Geht es den betreffenden Unternehmen aber gut, was bedeutet das dann im Umkehrschluss für die Pressearbeit? Nun, die Unzulänglichkeiten bleiben erhalten. Dann besteht Handlungsbedarf, doch wer sollte den erkennen?