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Otto- oder Dieselverfahren? Eine Betrachtung

Sogar bei Motorenbauern kommt immer wieder die Diskussion auf nach welchem Verbrennungsverfahren arbeitet ein Dual Fuel Motor.

In dieser speziellen Betrachtung geht es um den von der MAN Diesel & Turbo entwickelten Dual Fuel Motor ME-GI.

  1. Die Motoren der MAN Baureihe ME-GI werden in der Hauptsache mit Erdgas als Kraftstoff betrieben.
  2. Das Gas ist grundsätzlich zündunwillig.
  3. Dennoch können selbsttätig Entzündungen (Klopfen!) auftreten, die jedoch wegen der damit verbundenen unkontrollierbar hohen Drücke unerwünscht sind.
  4. Um eine kontrollierte Verbrennung sicherzustellen, wurde eine Maßnahme bei diesen Motoren eingeführt, mit der einerseits eine zuverlässige Zündung zum gewünschten Zeitpunkt stattfindet und andererseits eine einwandfreie Verbrennung sichergestellt wird.
  5. Eine einwandfreie Verbrennung setzt eine gute Gemischaufbereitung von Luft und Kraftstoff voraus. Ob diese innerhalb oder außerhalb des Verbrennungsraumes stattfindet, ist aus heutiger Sicht völlig unerheblich für das jeweilige Verbrennungsverfahren.
  6. Otto- und Dieselverfahren unterscheiden sich heute nur noch hinsichtlich der Zündung: Fremdzündung oder Selbstzündung. Zur Fremdzündung wird einem Motor von außen Energie zugeführt, die den Verbrennungsvorgang einleitet. Das erfolgt bei den Motoren der Baureihe ME-GI mit dem Zündöl (im Originaltext heißt es „pilot oil“!)

Fazit: Es gibt keinen Gas-Dieselmotor im strengen Sinne, also einen Motor der mit Selbstzündung arbeitend Gas verbrennt. Folglich arbeiten die Motoren der MAN Baureihe ME-GI beim Betrieb mit Gas im Ottoverfahren.

Hans-Jürgen Reuß
Der Autor betreibt ein Pressebüro mit den Schwerpunkten Schifffahrt, Schiffbau, Schiffbauzulieferindustrie und Schifffahrtsgeschichte.

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