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Optimierungsbemühungen von Infrastruktur und Flusswelt im österreichischen Donauabschnitt

Zuständiges Managementsystem hat auch ökologische Aufgaben

Europas zweitlängster Strom, die Donau und ihr 350 km langer Abschnitt in Österreich ist eine der bedeutendsten Wasserstraßen Europas für die Personen- und Güterschifffahrt. Dafür bedarf es  eines entsprechenden Managementsystems zur Erhaltung und Optimierung der Wasserstraßeninfrastruktur, die im Interesse der „Zukunftsfitness“ immer auf den neuesten Stand gebracht werden muss – in unserer Zeit durch wissenschaftliche Fundierung und Softwarestützung bei optimalem Ressourceneinsatz.

Diese Aufgabe fällt in Österreich der vom Verkehrsministerium in Wien gegründeten  VIADONAU GmbH zu,  die zu diesem Zweck 2015 nach dreijähriger Entwicklungszeit das wissenschaftlich fundierte und softwaregestützte WATERWAY ASSET MANAGEMENT SYSTEM (WAMS) ins Leben gerufen hat. Einem aktuellen Bericht der EU zufolge soll dieses WAMS auch in anderen Donau-Anrainerstaaten Anwendung finden.

WAMS kann man sich als technisch hoch entwickelten „Pool“ vorstellen, in den alle Informationen über die Donau einfließen und verarbeitet werden: Pegelstände, Verlauf der Schifffahrtsrinne, Lage von Untiefen, Bau- und Bergearbeiten – sowie natürlich der Schiffsverkehr selbst. Letzterer wird mit dem in Österreich entwickelten elektronischen DONAU RIVER INFORMATION SERVICE (DoRIS) erfasst, der sämtliche Schiffsbewegungen dokumentiert. Dank verpflichtender Ausstattung mit sog. Transpondern aller auf dem österreichischen Donauabschnitt verkehrenden Schiffe wissen alle Verkehrsteilnehmer auf der Wasserstraße voneinander. So kann man, wie von Seiten der WAMS betont wird, im Fall von den – eher seltenen – Havarien die Ursachen nachverfolgen. Ebenso selten kommt es vor, dass Schiffe von der Fahrrinne abweichen und auf einer Sandbank aufsetzen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wartet man ab, bis der Wasserstand wieder steigt oder das Schiff wird teilweise entladen, bis es wieder manövrierfähig wird.

Baggerarbeiten auf der Donau im Bereich Hainburg.
Baggerarbeiten auf der Donau im Bereich Hainburg. © www.thomasjantzen.com

Die kritischen Stellen der Donau in Österreich liegen in den beiden Fließstrecken des Stromes – der über 30 km langen Tallandschaft der Wachau und die Strecke vom östlichsten österreichischen Donaukraftwerk Freudenau (auf Wiener Boden) bis zur slowakischen Grenze. In letzterem Abschnitt weist die Donau vier Furten auf, wo sich der Strom zu Lasten der Wassertiefe verbreitert.

Entlang dieses 47 km langen Donauabschnittes östlich von Wien liegt der Nationalpark Donauauen, der sich auch entlang des österreichisch-slowakischen Grenzflusses March (Morava) und eines Abschnittes von dessen größtem Nebenfluss Thaya (Diye) erstreckt. Somit fällt WAMS gleich zwei Aufgaben zu: einerseits bestmögliche Voraussetzungen für die Schifffahrt zu schaffen und andererseits ökologischen Prämissen Rechnung zu tragen.

Die Donauauen bis zur Marchmündung und entlang dieses Nebenflusses, seit 1996 Nationalpark, sind Lebensraum für mehr als 5000 Tier-, etwa 100 Brutvogel – und etwa 60 Fischarten, 13 Amphibien- und acht Reptilienarten. Zu ihnen gehört auch die als „gefährdet“ eingestufte europäische Sumpfschildkröte. Das etwa 9300 ha große Gebiet entlang der Donau ist gegliedert in Auwälder, Wiesen, aufgeschüttete Schotterkörper, Donau-Altarme, Tümpel, Schotter- und Sandbänke, aber auch einige Inseln. Das Ökosystem ist von periodischen Hochwässern, zyklisch steigendem und fallendem Grundwasserspiegel, sowie stetem und ungestörtem Wasseraustausch zwischen Strom und Grundwasserkörper abhängig. Es ist die ausgeprägte Wasserdynamik, die die Üppigkeit der Vegetation im Nationalpark bedingt.

Der Entwicklung des Nationalparks war die Besetzung der Au im Gebiet der Stadt Hainburg Ende 1984 zur Verhinderung der Verwirklichung eines dortigen Kraftwerksprojektes und der darauf folgenden Einsetzung einer „Ökologiekommission“ vorangegangen. Schließlich erklärte ein interdisziplinäres Wissenschaftlerkollegium, dass ein Kraftwerksbau dort mit ökologischen Schutzmaßnahmen unvereinbar sei.

Aufgrund ihrer Fließgeschwindigkeit östlich von Wien (Höhenunterschied 17 m) transportiert die Donau Kies und Steine in Richtung slowakischer Grenze, so dass sie sich jährlich ein bis zwei Zentimeter tiefer eingräbt. Ohne Gegenmaßnahmen würde bald kein Flusswasser die Nationalparkauen erreichen – mit allen daraus resultierenden negativen ökologischen Folgen. So wird der Kies nach Vermessen des Strombettes durch die WAMS regelmäßig von Baggern aus dem Strom herausgehoben, um ein Stück stromaufwärts „verklappt“ zu werden – indem das Material mit Hilfe einer Klappe im Boden der Transportschute wieder in den Strom gelassen wird.

Harald Krachler
Gastautor bei VEUS-Shipping.com.

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