Umweltschutz im Fokus der SMM 2018

Leitmesse der maritimen Branche vom 4. bis 7. September wieder in Hamburg

Die Messe SMM in Hamburg ist Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft. Mehr als 2.000 Aussteller aus fast 70 Ländern werden auf einer Ausstellungsfläche von rund 90.000m2 ihre neuesten Entwicklungen der internationalen Schiffbauindustrie präsentieren. Unter den Ausstellern sind die wichtigen Werften der führenden Schiffbauländer, die Marktführer der maritimen Zulieferindustrie sowie kleine und mittlere Unternehmen mit neuen Technik- und Produktentwicklungen. Als Ideen- und Impulsgeber bringt sie Entscheider aus allen Teilen der Welt zusammen und ist eine feste Größe in der maritimen Wirtschaft und die ideale Plattform für Innovationen, Austausch, Inspiration, praxisorientierte Lösungen und Vertragsabschlüsse. Begleitet wird die SMM in Hamburg von einem hochkarätigen Rahmenprogramm mit rund 150 Workshops, Symposien und Konferenzen, die alle derzeit virulenten Themen der Schiffbaubranche abdecken.

Sie findet zwischen dem 4. und 7. September im weitläufigen Messekomplex unter dem Fernsehturm statt. Auch in diesem Jahr erwartet die Messeleitung wieder um die 50.000 hochkarätige Besucher zu dieser Leitmesse der maritimen Verbundwirtschaft. Eröffnet wird die viertägige Messe bereits am Vortag, den 3. September, mit der internationalen Konferenz Maritime Future Summit (MFS).

Die diesjährige SMM wird auf die beiden großen, aktuellen Branchenthemen „Digitalisierung“ und „Mitwirkung der Schifffahrt am globalen Klimaschutz“ im großen Stil eingehen. Das erklärte Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH, am Freitag (25.05.) auf der traditionellen Voraus-Pressekonferenz zu diesem maritimen Großereignis.

Von links: B. AufderHeide, Dr.Martin Stopford, Kjersti Kleven, Anthony J.Firmin, Wayne Jones, Knut Ørbeck-Nilssen.

Von links: B. AufderHeide, Dr.Martin Stopford, Kjersti Kleven, Anthony J.Firmin, Wayne Jones, Knut Ørbeck-Nilssen. © Pospiech

Das Branchenumfeld beschrieb Dr. Martin Stopford, Präsident des maritimen Beratungsunternehmens Clarkson Research, weiter als herausfordernd, auch wenn sich im Vergleich zur gleichnamigen Veranstaltung 2016 „einige Schifffahrtssegmente erholt haben“, so Stopford weiter. Schwierig gestalte sich die Lage inzwischen für die großen, auf Großserienfertigung ausgerichteten Werften in Fernost, im Besonderen die Schiffbauer aus Südkorea. Jenem Land, das in den zurückliegenden Jahren immer noch größere Containerfrachter in hohen Stückzahlen fertigte und an die weltweit verankerte Reederschaft auslieferte. Stopford: „Südkorea verliert Marktanteile.“ Global betrachtet dürfte im laufenden Geschäftsjahr „weniger als die Hälfte an Tonnage ausgeliefert werden, die noch im Boomjahr 2011 die Werften verließ“. Eine echte Sonderrolle nehme der Bau von Kreuzfahrtschiffen ein, der weiterhin klar von den europäischen Werften dominiert werde. Das weltweite Auftragsvolumen belief sich 2017 gegenüber 2015 auf mehr als 19,5 Milliarden US-Dollar, was damit einer Verdoppelung entsprach, ergänzte Stopford. Vor allem „die europäischen Werften haben derzeit allen Grund zum Feiern“, so Stopford weiter. Treiber des Cruiseliner-Booms ist die ungebrochene Nachfrage nach Seereisen weltweit. Mit der Nachfrage aus China heraus vollziehe sich für die Passagierschifffahrt in den kommenden Jahren ein Sondereffekt.

Dass die Schifffahrt in Zukunft einen erheblichen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten hat, hoben gleich mehrere Experten auf der Hamburger Veranstaltung hervor. Ein zentraler Stichtag ist dabei der 1. Januar 2020: Dann gilt weltweit die verbindliche Schwefelobergrenze von 0,5 Prozent und damit der Einstieg in den Ausstieg des Schwerölzeitalters in der Schifffahrt. In der Reedereiverkehrswirtschaft wächst inzwischen jedoch die Sorge, ob die neuen Treibstoffqualitäten auch bis dahin weltumspannend in den benötigten Mengen zur Verfügung stehen. Die International Chamber of Shipping (ICS) befürchtet sogar einen Zustand von „Chaos und Konfusion“.

Anthony Firmin, COO bei Hapag-Lloyd, fordert, dass es durch die neuen, von der Reederei ausdrücklich begrüßten Umweltnormen auf keinen Fall zu einer Wettbewerbsverzerrung kommen dürfe; d.h.: Nicht derjenige dürfe durch den Markt belohnt werden, der sich nicht um die Einhaltung der verpflichtenden Qualitätsnormen schere, falls es in Zukunft doch zu Lieferengpässen kommen sollte.

Auf die Reedereien komme jedenfalls allein durch dieses Thema eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung zu. Firmin nannte hier einen Betrag von rund 80 Milliarden US-Dollar an Zusatzkosten, zum einen durch den zu erwartenden Mehrpreis für den höherwertigen Treibstoff, zum anderen auch als Folge von möglichen technischen Anpassungen an den Schiffen oder veränderten logistischen Strukturen.

So sehr die verschiedenen Fachleute aus Werften, Reedereien, Motorenindustrie, Klassifikationsbranche oder auch Research die Digitalisierung begrüßen und mit ihr große Chancen verbinden, zeichnen sich jedoch auch bestimmte Risiken klar ab: Eines heißt zum Beispiel Cyber-Attacken. Anthony Firmin dazu: „Unser Unternehmen erlebt weltweit pro Woche mehrere tausend Cyber-Angriffe und wehrt diese ab. Der Aufwand, den wir hier betreiben müssen, um weiterhin schadensfrei zu bleiben, ist inzwischen erheblich.”