BSH-Abgasmessstation in Bremerhaven (©Pospiech)

BSH erschnüffelt Umweltsünder

Zur Immissions-Verringerung in der maritimen Atmosphäre müssen Schiffe seit dem 1. Januar 2015 beim Befahren von Nord- und Ostsee schwefelarme Kraftstoffe, Grenzwert im Schiffskraftstoff: 0,10 Prozent S, oder Abgasnachbehandlungssysteme, z.B. Scrubber, einsetzen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat im vergangenen Jahr beschlossen, dass der Grenzwert außerhalb von SECA‘s ab 1. Januar 2020 weltweit von jetzt 3,5% auf dann 0,50 Prozent gesenkt wird.

Zur Unterstützung der Verfolgung von Verstößen gegen diese Regelung baut das BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie) im deutschen Küstengebiet ein Luftmessnetz auf um gezielt Abgaskonzentrationen vorbeifahrender Schiffe messen zu können.

„Wer Grenzwerte setzt, muss deren Einhaltung kontrollieren“, betonte Monika Breuch-Moritz, die Präsidentin des BSH und maritime Botschafterin der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO für Deutschland, anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme der ersten BSH-eigenen Messstation auf dem Gelände von bremenports in Bremerhaven. Die Anlage wird gemeinsam mit der Hafenmanagementgesellschaft bremenports betrieben.

In Kiel befindet sich eine weitere Station im Probebetrieb. In Rostock-Warnemünde wird ein Standort für eine weitere Station zurzeit gesucht. Das Messnetz soll ergänzt werden um eine mobile Station, die auf einem PKW-Anhänger installiert ist, und eine Station auf dem neuen BSH-Schiff ATAIR, das 2020 in Dienst gestellt werden soll. Die Einhaltung der Grenzwerte überprüfen Wasserschutzpolizei oder Hafenstaatkontrolle an Bord von eingelaufenen Schiffen. Da diese Inspektionen sehr aufwändig sind und aufgrund der Vielzahl von deutsche Seehäfen anlaufenden Schiffen, kann leider nur ein Teil der Schiffe kontrolliert werden. Die Messstationen des BSH liefern die für die Kontrollen erforderlichen Verdachtsmomente.

Anmerkung der Redaktion: Werden auslaufende Schiffe nicht überwacht? Was bzw wer hindert diese Schiffe daran sogleich nach passieren der Messstationen auf Schweröl umzustellen wenn sie keinen weiteren SECA-Hafen anlaufen?

Das BSH startete im Jahr 2012 ein Forschungsprojekt zusammen mit dem Institut für Umweltphysik der Universität Bremen. Gemeinsam entwickelte man eine operationell einsetzbare Methode, mit der die Abgasfahnen vorbeifahrender Schiffe erfasst und analysiert werden können. Teil des Projektes war auch ein System, das mutmaßliche Überschreitungen des Schwefelgrenzwertes automatisch an zuständige Behörden meldet. 2014 nahm die Pilotstation in Wedel an der Elbe die Messungen auf. Die Station in Wedel und eine weitere Pilotstation in Göteborg/Schweden waren weltweit die ersten automatisiert arbeitenden Stationen für Schiffsabgasmessungen. Den Betrieb der Pilotstation Wedel hat das BSH von der Universität Bremen übernommen.

„Bereits mit Inkrafttreten der schärferen SECA-Grenzwerte für Schwefel in Schiffskraftstoffen am 1. Januar 2015 haben rund 98 Prozent der von der Station erfassten Schiffe den Grenzwert eingehalten. Heute liegt der Anteil bei 99 Prozent“, berichtete Breuch-Moritz,  „So konnte nach dem 1.1.2015 an Küstenmessstationen in Deutschland und Dänemark ein Rückgang der atmosphärischen SO2-Konzentration um 50 bis 70% beobachtet werden, was direkt auf die Verschärfung des maximal zulässigen Kraftstoffschwefelgrenzwertes von 1,0% auf 0,10% S m/m zurückzuführen ist“.

Inzwischen hat das BSH mehr als 15.000 Abgasfahnen analysiert.

Beim Aufbau des Stationsnetzes arbeitet das BSH mit Behörden und Forschungseinrichtungen aus anderen europäischen Ländern, in denen vergleichbare Messungen durchgeführt werden, zusammen um international vergleichbare Mess- und Meldestandards zu erarbeiten.

Ziel ist es, die Messergebnisse aller Mitgliedsländer automatisch in nahe Echtzeit in eine Datenbank bei der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs, EMSA, zu erfassen und bereitzustellen.