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Ein Kommentar zur SMM 2018

Die Welt-Leitmesse SMM: Ein Portal für Entscheidungshilfen zum Schwefelgrenzwert von 2020?

„Green Shipping: Sauber in die Zukunft“, so betitelte die Hamburg Messe und Congress GmbH eine Pressemitteilung im Vorfeld zur SMM 2018. Zweifellos ist das ein wünschenswertes Ziel, doch mit Schlagworten ist absolut nichts auszurichten. Damit wird nichts bewegt, schon gar nicht im politischen Raum. Das zeigen nur zu deutlich die Welt-Klimakonferenzen. Seit Paris ist nichts Nennenswertes mehr geschehen, und auch jüngst die Vorbereitungen in Bangkok für die nächste Konferenz endeten ohne das erhoffte Ergebnis.

Wenn die IMO vor diesem Hintergrund der weltweiten Schifffahrt das Ziel steckt, in den nächsten drei Jahrzehnten die CO2-Emission zu halbieren, dann sollte sie auch gleich sagen, wie sie sich die technische Umsetzung vorstellt. Die Schifffahrt ab 2100 völlig CO2-neutral zu betreiben, erscheint aus heutiger Sicht eher erreichbar zu sein, als die Reduzierung bis 2050 auf 50 Prozent. Die Verantwortlichen in Politik, Verbänden, Schifffahrt, Schiffbau und Zulieferindustrie sollten endlich erkennen, dass Drehen an Stellschrauben völlig am Ziel vorbeigeht und Investitionen wie Subventionen in Übergangslösungen volkswirtschaftlich wie betriebswirtschaftlich ohne nachhaltige Wirkung bleiben.

Zukunftweisende Entwicklungen in Richtung auf eine CO2-neutrale Schifffahrt waren auf der SMM 2018 jedenfalls nicht zu erkennen. So bleibt die Aufforderung an alle Verantwortlichen: Stellen Sie endlich die Weichen richtig!

Auch für die große Herausforderung, vor der die weltweite Schifffahrt beim Umweltschutz auf dem Wasser Anfang 2020 stehen wird, brachte die SMM keine neuen Erkenntnisse, zumal es für die teuren Maßnahmen, wie die Nachrüstung von Scrubbern oder die Umrüstung auf den Gasbetrieb, ohnehin fast zu spät ist. Was soll eine einzelne Ausstellung – fünf Minuten vor zwölf – zu einem derart vielschichtigen Thema auch bringen, wenn die Vorbereitungszeit von zehn Jahren von nur ganz wenigen Reedern genutzt wurde?

Was lässt sich daraus ableiten? Wenn zehn Jahre verstreichen konnten, ohne dass zahlreiche Reedereien in irgendeiner Form Weichenstellungen vorgenommen hätten für den Betrieb ihrer Schiffe mit Kraftstoffen < 0,5 Prozent Schwefel, was kann die Welt dann allein vom Ziel der IMO für 2050 erwarten? Selbst falls ab sofort alle neuen Seeschiffe nur noch Antriebe für den reinen Gasbetrieb erhalten würden, wäre das Ziel – bei ihrer bekannt langen Lebensdauer – nicht zu erreichen!

Ziele zu proklamieren ist die eine Seite, aber auf technische Lösungen zu spekulieren, die noch nicht einmal im Ansatz zu erkennen sind, das war doch bislang nur der Politik vorbehalten, oder? Wenn die Branche hinsichtlich der ab Januar 2020 geltenden Regularien immer noch abwartet, die heutigen Regularien nur schwer zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden sind, dann bleibt nur die Frage zu stellen, wie man sich bei der IMO die weitere Entwicklung vorstellt.

Auftritte der IMO bei der Eröffnung der SMM 2018 reichen dafür nicht aus.

 

Hans-Jürgen Reuß
Der Autor betreibt ein Pressebüro mit den Schwerpunkten Schifffahrt, Schiffbau, Schiffbauzulieferindustrie und Schifffahrtsgeschichte.

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