Schiffs-Impessionen. ©Pospiech

Bundespolizei erhält neue Einsatzschiffe

Am 14. Dezember 2018 wurde das erste von drei neuen Einsatzschiffen der Bundespolizei auf der Fassmer-Werft in Berne auf den Namen POTSDAM getauft.

Genau 16 Monate nach der Kiellegung als symbolischem Baubeginn, wurde nun die Fertigstellung des Schiffes auf der Werft gefeiert. Taufpatin der BP 81 POTSDAM war die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium der Finanzen, Bettina Hagedorn, der es gleich mit dem ersten Wurf gelang die obligatorische Champagnerflasche am Vorschiff zerschellen zu lassen. Ein gutes Omen?

Redner bei der Tauffeier waren der Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Hans-Georg Engelke, der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, der Oberbürgermeister a.D. der Landeshauptstadt Potsdam, Jann Jakobs, sowie der geschäftsführende Gesellschafter der Fr. Fassmer GmbH & Co. KG, Harald Fassmer.

Mit den drei in Berne gebauten Schiffen POTSDAM, BAMBERG und BAD DÜBEN – die beiden Letzteren dienten bereits als Rohbaukulisse der Taufe – stößt die Bundespolizei in neue Dimensionen vor. Sie überragen die derzeitigen Einsatzfahrzeuge um 20 Meter und weisen damit wesentlich bessere seegängige Eigenschaften auf. Die größte Besonderheit der Neubauten ist ein Hubschrauberlandeplatz an Deck, auf dem selbst der größte Hubschrauber der Bundespolizei, der „Super Puma“, starten und landen kann. Außerdem verfügen die Schiffe über Staumöglichkeiten für Container mit Ausrüstung für spezielle Missionen.

In einem Punkt muss die Fassmer-Werft allerdings noch nachrüsten. Aufgrund der aktuellen politischen Weltlage hat sich der Bundestag entschieden, die Schiffe zu bewaffnen und jeweils eine Kanone an Bord anzubringen. Gilt es doch, wachsende terroristische Bedrohungen auf See abzuwehren.

Die Notwendigkeit der 57-Millimeter-Geschütze vom Typ 57mm Mk3 erklärte das Bundesinnenministerium mit Anschlägen oder die Gefahr von Anschlägen auf Kreuzfahrtschiffe/Fähren mit Geiselnahme von Terroristen oder die Entführung von Gefahrgut-Frachtern/Tankern zur Bedrohung kritischer Infrastrukturen wie z.B. Offshore-Anlagen, Küstenfauna, Häfen bzw. Hafenstädte, die mit der derzeitigen Bewaffnung nicht wirksam verhindert werden können. Mit dem starken Ausbau maritimer kritischer Infrastruktur muss ein frühzeitiger Schutz von der Bundespolizei See vor terroristischen Bedrohungslagen gewährleistet werden. Zur effektiven Androhung und Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen auf See ist daher eine Bordbewaffnung für die neuen Einsatzschiffe mit einem festgelegten Wirkbereich, die deutlich wahrnehmbare Warnschüsse abgeben können und geeignet sind, auch große Frachtschiffe durch Beschuss zum Aufstoppen zu zwingen.

BAMBERG und BAD DÜBEN werden die Namen der beiden weiteren Schiffe sein.

Mit den neuen werden drei Einsatzschiffe abgelöst, die 28 bis 30 Jahre alt sind und zum Teil aus Beständen der ehemaligen Volksmarine der DDR stammen. Schon im Juni 2017 wurden die Einsatzschiffe BP 22 NEUSTRELITZ und BP 23 BAD DÜBEN außer Dienst gestellt. Die BP 21 BREDSTEDT soll als drittes Schiff demnächst „in Rente gehen“.

Nach der Taufe wird sich eine etwa dreimonatige Inbetriebnahme und Erprobungsphase anschließen. Danach wird die Bundespolizei See das Schiff übernehmen und sich in einem umfassenden Schulungsprogramm mit dem anspruchsvollen Einsatzmittel vertraut machen. Auch die neuen Schiffe werden als Zeichen der Verbundenheit zum Standort der Bundespolizei See ihren Heimathafen in Neustadt / Holstein haben.

Ouantensprung für die BPOL See

Dr. Dieter Romann betonte in seiner Taufrede den technischen wie auch einsatztaktischen Ouantensprung für die Aufgabenerfüllung der Bundespolizei See. Mit den neuen Schiffen stehen der Bundespolizei zukünftig hochmoderne, effiziente und umweltfreundliche Einsatzmittel zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Küstenwachverbund auf Nord- und Ostsee sowie im Rahmen der EU zur Verfügung. Sie müssen ein gefährliches Seefahrzeug notfalls auch mit einem Warnschuss vor den Bug Einhalt gebieten oder es manövrierunfähig machen und an der Weiterfahrt hindern können.

Auch mit dem diesel-elektrischen Antriebssystem und der modernen Abgasnachbehandlung werden Maßstäbe gesetzt. Die Schiffe erfüllen die strengen Abgasgrenzwerte entsprechend TIER III sowie die ECA-Norm für Nord- und Ostsee. Darüber hinaus weisen die Einsatzschiffe alle konstruktiven Kriterien auf, die für eine Erteilung des Umweltsiegels „Blauer Engel” erforderlich sind.

Zudem bieten die neuen Einsatzschiffe mehr Platz, mehr Komfort, verbesserte Aufenthaltsmöglichkeiten an Bord und eine deutlich erhöhte Seeausdauer, schließlich ähneln sie mit 86,20 m Länge, 13,40 m Breite, der Bruttoraumzahl 1900, einer Höchstgeschwindigkeit von rund 21 Knoten (39 km/h) und maximal 48 Personen hinsichtlich Größe, Wasserverdrängung und einigen taktisch-technischen Parametern den Korvetten der Deutschen Marine.

Neubau BP81 POTSDAMSchiffs-Impessionen. ©PospiechWärtsilä-Hauptmaschienen vom Typ 12V 26FBlick auf die beiden Caterpillar Gensets. ©PospiechHeckwannen für die Aufnahme von zusätzlichen KontrollbootenParlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium der Finanzen, Bettina Hagedorn.

Die Schiffe sollen in erster Linie den Besatzungen die maritime Aufgabenerfüllung der Bundespolizei ermöglichen. Dazu gehören neben den grenzpolizeilichen Aufgaben unter anderem auch umwelt- und schifffahrtspolizeiliche-, zoll- und fischereirechtliche Aufgaben sowie selbstverständlich die Hilfeleistung auf See. Eine Schiffsbesatzung besteht aus 14 Polizeivollzugsbeamten (Frauen und Männern), die ihren Dienst in zwei Wachen versehen. Alle Beamten sind in der Regel in Einzelkammern untergebracht. Für besondere Einsätze wird Platz für zusätzliche bis zu 34 Personen vorgehalten. Dann wird auch schon mal zusammengerückt.

Die Zeiten in denen lediglich eintägige Streifenfahrten (bis zu zwölf Stunden auf See und damit auch nur ein begrenztes Einsatzgebiet) an der Tagesordnung waren, sind längst vorbei. Mit der Einführung der drei Schiffe vom Typ P 66 und auch der beiden umgebauten Schiffe BP 22 und BP 23 war der Übergang zu mehrtägigen Seestreifen möglich und abgeschlossen. Das war bis dahin nur mit dem Einsatzschiff BP 21 möglich.

Sechs Tage Dienst an Bord lösen sich mit rund sechs Tagen Freischicht an Land ab. Während der sechs Tage an Bord wird im so genannten 2-Wachen-System Dienst getan. 2-Wachen-System heißt: sechs Stunden Wache auf der Brücke und in der Maschine lösen sich mit sechs Stunden Freiwache ab.

Die nautische und funktechnische Ausstattung auf der Brücke entspricht den notwendigen internationalen Anforderungen. Sie kann bei Bedarf oder aus einsatztaktischen Gründen jederzeit ergänzt werden. So finden sich hier u.a. moderne Radaranlagen mit integrierten Automatic Identification Systemen (AIS), elektronische Seekarten, verschiedene Seefunkgeräte im Grenzwellen- und UKW-Bereich, Funkpeiler und natürlich ein Echolot. Sollte der Empfang auf See mal nicht so gut sein, ist auch die Nutzung der Satellitenkommunikation kein Problem mehr. Die Rundumsicht auf der Brücke ist heute eine Selbstverständlichkeit und stellt einen bedeutenden Zugewinn an Sicherheit dar.

Die neuen Bundespolizeischiffe, wie auch ihre älteren Schwestern, verfügen über hochseetaugliche Kontrollboote, die bis zu einer Wellenhöhe von vier Metern eingesetzt werden können. Möglich macht das eine seegangstabilisierende Seitenaussetzvorrichtung. Dadurch können die Beamten bei grenzpolizeilichen Kontrollen auf See bereits auf dem Schiff das Tochterboot besteigen. So entfällt die nicht unerhebliche Gefahrenquelle beim Bemannen der Boote über Lotsenleitern. Diese Boote können eine Geschwindigkeit von mehr als 30 Knoten (kn) erreichen und besitzen ebenfalls eine umfangreiche nautische und funktechnische Ausrüstung, wie zum Beispiel ein Seefunkgerät, ein Funkgerät für BOS sowie Kartenplotter und Echolot.

Des Weiteren verfügen die neuen Einsatzschiffe vom Typ P 86 unter anderem über zwei Feuerlöschmonitore, die über eine Wurfreichweite von 60 bzw 90 m verfügen (Lösch- und Kühlmaßnahmen brennender Schiffe). Ermöglicht wird das über eine Feuerlöschpumpe die eine Kapazität von 780 m3/h aufweist.

Die Hybrid-Propulsionsanlage

Das Herzstück eines jeden Schiffes ist jedoch der Antrieb. Der neue Schiffstyp sollte leistungsfähiger, umweltverträglicher und vor allem wirtschaftlicher gegenüber allen bis dahin verwendeten Schiffstypen werden. Zu diesem Zweck wurden die Schiffe mit der neusten Technik ausgestattet, aber es wurde auch auf bewährte Technik in modernisierter Form zurückgegriffen.

Mit den neuen Booten wird ein großer Aktionsradius abgedeckt. Dieser wird mit einem Hybridantrieb, bestehend aus Dieselmotoren für hohe Fahrstufen und Elektromotoren, die von den Caterpillar-Aggregaten gespeist werden, erzielt. Dadurch ist im überwiegend genutzten Geschwindigkeitsbereich bis 12 Knoten ein besonders wirtschaftlicher, diesel-elektrischer Betrieb möglich.
Als Hauptantriebsmotoren hat sich der Auftraggeber für Wärtsilä entschieden. Zwei Wärtsilä-Dieselmotoren vom Typ 12V 26F mit je 4.080 kW Leistung bei 1.000/min, übertragen ihr Drehmoment über je ein ZF-Getriebe (W430000NR2) auf je einen Piening-Verstellpropeller (Durchmesser: 2,75m).

Zu den gewählten Hauptmotoren: Das „F“ hinter der Typbezeichnung – steht für die Ausbaustufe des Motors (in diesem Zusammenhang primär die Tier III Ausführung, d.h. das entsprechende Tuning). Die Wärtsilä-Motoren erfüllen grundsätzlich Tier II. Tier III wird erst im Zusammenspiel mit dem SCR erfüllt. Das System erfüllt damit auch für diese Schiffe die Tier III-Grenzwerte. Die Dieselmotoren erhalten allerdings eine angepasste Einstellung, um den Temperaturanforderungen des SCR zu genügen.

Zwei Diesel-Bordaggregate, Caterpillar 3508 SCAC mit je 820 kW bei 1.500/min, erhöhen die Antriebsleistung über elektrische Fahrmotoren, die an den beiden Getrieben der Hpt.-Motoren angeflanscht sind und als Generator sowie als E-Motor arbeiten können. Im Kombinator-Betrieb erreichen die Schiffe eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 21 Knoten. Weiterhin ist der alleinige Antrieb mit jeweils einem oder beiden Bordaggregaten möglich. Entsprechend der technischen Weiterentwicklung nutzt man im konkreten Fall einen 600 kW Drehstrommotor, der stufenlos über einen Frequenzumformer geregelt werden kann. Dabei erreichen die Boote eine Geschwindigkeit von 12 kn. Die Manövriereigenschaften werden mit zwei Jastram Querstrahlern, Typ BU60F, mit je 350 kW gewährleistet.

Die Hauptmaschinen sowie die Gensets sind jeweils mit Abgasnachbehandlungsanlagen, SCR-Anlagen (Selektive Katalytische Regeneration mit Harnstoff Einspritzung)), ausgerüstet. Die Schiffe haben keinen DPF (Diesel-Partikelfilter). Ein Betrieb mit dem „schwefelfreien“ Kraftstoff MGO (Marine GasOil = 0,1%S) und mit SCR ist bereits eine Übererfüllung der bestehenden Regularien und ein großer Schritt zum Umweltschutz auf See. Ein DPF ist nach keinen Regularien gefordert, insofern benötigen die Motoren grundsätzlich keinen Partikelfilter.

Zusätzliche Kontrollboote

Für besondere Einsätze sind die drei neuen Boote mit je zwei Heckwannen für die Aufnahme von zwei schnellen Kontrollbooten ausgerüstet (vergleichbar mit den Tochterbooten der Seenotrettungskreuzer der DGzRS)