Kommentar zum Populismus in der maritimen Industrie

Der Populismus war im 20. Jahrhundert eine literarische Gattung, die dem einfachen Volk mit einfachen sprachlichen Mitteln, das Leben des einfachen Volkes schildern wollte.

So sinngemäß der Fremdwörterduden. Diese Denk- und Handlungsweise lässt sich inzwischen auf einige Unternehmen der maritimen Branche übertragen. Sie adaptieren Fachbegriffe zur Beschreibung neuer technischer Produkte und Anlagen, die helfen sollen, diese Innovationen „ins rechte Licht” zu rücken – soll heißen, sie einem attraktiven Bereich zuzuordnen, der gerade am Markt besonderer Aufmerksamkeit sicher ist.

Das jüngste Beispiel lieferte SCHOTTEL. Da entwickelt das Unternehmen ein neues Modul für seine Ruderpropeller, mit dem diese in hybriden Antriebsanlagen zum Einsatz kommen können, stellt mit seiner Presseinformation dazu aber nur einen Sonderfall vor, der eben kein hybrides Antriebssystem ist.

Die Fakten: zwei Dieselmotoren, zwei Wellenanlagen, zwei Ruderpropeller, jeweils mit integriertem Leistungsverzweigungsgetriebe, und eine geteilte Welle mit einer Kupplung zur mechanischen Verbindung zweier Ruderpropeller. Wie lässt sich daraus eine hybride Antriebsanlage herstellen? Gar nicht! Was fehlt sind zwar nicht die unabhängigen Maschinen des Antriebs, sondern andersartige Antriebsmaschinen, zum Beispiel ein mechanischer und ein elektrischer Antrieb. Die Verwendung des Wortes „hybrid” im Zusammenhang mit Schiffsantriebsanlagen setzt zumindest zwei unabhängige und andersartige Antriebe voraus. Andernfalls wären alle klassischen Zweiwellenanlagen als hybride Antriebsanlagen zu bezeichnen.

Wenn man bei SCHOTTEL glaubt, den fachlichen Begriff „hybrid” aus Gründen des Marketings neu definieren zu können, so sinngemäß die Aussage der Presseabteilung und des Produktmanagements, dann begibt sich das Unternehmen auf das Feld einer gewissen Beliebigkeit.

Will man das in Spay?