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Nun auch Hurtigruten …

Mit einer Mogelpackung nach Norwegen und in die Arktis

Glücklicherweise lassen sich physikalische Gesetze nicht manipulieren, sonst sähe die Welt inzwischen ganz anders aus. Doch die Sprache, die lässt sich offenbar beliebig verbiegen, je nach Bedarf, um das gewünschte öffentliche Interesse zu erzielen. Anfang des Jahres war es eine Presseinformation von Schottel, mit der das Unternehmen versuchte, mit dem bewusst falschen Gebrauch des Wortes „hybrid“, eine technische Lösung zu verkaufen, die eben keine hybride ist und aufgrund der gewählten Konstruktion auch nicht sein kann.

Nun ist es die norwegische Reederei Hurtigruten, die kürzlich ihr neues Flaggschiff MS ROALD AMUNDSEN in Hamburg vorstellte und schon jetzt für Reisen mit dem Schwesterschiff von Hamburg aus in die Antarktis / Arktis wirbt. Offiziell heißt es: „Reisen Sie 2020 komfortabel ab/bis Hamburg mit dem neuen Hybrid-Expeditionsschiff FRIDTJOF NANSEN entlang der norwegischen Küste.“

Was heißt in diesem Zusammenhang nun Mogelpackung? Die ROALD AMUNDSEN hat eine absolut konventionelle diesel-elektrische Antriebsanlage, bestehend aus vier Bordaggregaten für die Stromerzeugung und zwei mit Elektromotoren versehene Ruderpropeller (Azipods) für den Schiffsantrieb. Darüber hinaus hat man das Schiff mit Akkumulatoren ausgerüstet, die mit reduzierter Geschwindigkeit eine emissionsfreie Fahrt in empfindlichen Gebieten von etwa 30 Minuten ermöglichen.

Mit „hybrid“ hat das absolut nichts zu tun, denn die elektrische Leistung, die aus den Akkus gezogen werden kann, stammt von den Bordaggregaten oder von einer Landstromanlage. Das Schiff hat keine zwei andersartigen und unabhängigen Energiequellen, die auf den Antrieb wirken und somit den Begriff hybrid rechtfertigen würden. Und alle Medien fallen darauf herein und tragen etwas als eine umweltfreundliche technische Lösung weiter, das keine Grundlage hat.

Damit kein Zweifel aufkommt, die Installation von Akkumulatoren, um in bestimmten Regionen emissionsfrei fahren zu können, ist nicht nur eine umweltfreundliche Technik, sondern durchaus zu begrüßen, obwohl eine halbe Stunde Fahrt nicht gerade für eine großartige Lösung spricht. Das sieht eher nach einem zweitklassigen Kompromiss aus. Und warum muss das alles nun mit sprachlichen Manipulationen verkauft werden?

Die Reederei hätte noch etwas mehr für den Umweltschutz tun können. Gerade in Norwegen wird die Verwendung von Erdgas als Schiffskraftstoff sehr gefördert. Warum wählte man ausgerechnet für die neuen Schiffe Dieselmotoren des norwegischen Unternehmens, das auch hochwertige Ottomotoren für den Schiffsantrieb herstellt? Die mit dem Betrieb von Gas-Ottomotoren verbundenen Einsparungen an Kohlendioxid, Stickoxiden, Schwefelverbindungen und Feinstaub müssen hier nicht detailliert dargestellt werden. Obwohl das alles hinreichend bekannt ist, verzichtet ausgerechnet eine norwegische Reederei bei zwei Neubauten auf die damit verbundenen Vorteile.

Diese Entscheidung wird umso unverständlicher, wenn man in den Unterlagen zur Vorstellung der Roald Amundsen lesen kann, dass Hurtigruten „mindestens sechs“ seiner alten Schiffe in der nächsten Zeit auf neue Antriebsanlagen umbauen lassen will, die mit Erdgas oder Biogas als Kraftstoff fahren sollen.

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Hans-Jürgen Reuß
Der Autor betreibt ein Pressebüro mit den Schwerpunkten Schifffahrt, Schiffbau, Schiffbauzulieferindustrie und Schifffahrtsgeschichte.

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