Buchcover 'Das Buch des Meeres'

Das Buch des Meeres

Tage- und Skizzenbücher großer Seefahrer

Das Meer ist eine endlose Quelle der Faszination, zugleich berauschend, geheimnisvoll und beängstigend, ein Ort des Schreckens und Staunens. Zu jeder Zeit sind Menschen in See gestochen, um neue Länder zu entdecken, Handel zu treiben und Abenteuer zu erleben. Offiziere und einfache Matrosen, Köche und Walfänger, Chirurgen und Künstler, Entdecker und Globetrotter hielten ihre Eindrücke an Bord mit Stift und Pinsel fest. Die in diesem Buch enthaltenen stimmungsvollen und charmanten Skizzen und Zeichnungen fangen den Reiz des Meeres hervorragend ein. Mit dieser Sammlung von privaten Aufzeichnungen, Logbüchern, Briefen und Tagebüchern folgt man den Reisen unerschrockener Segler, von den kargen Polarwüsten bis zu den paradiesischen Inseln der Südsee. Man taucht ein in spannende, nicht immer erfolgreiche Expeditionen, nimmt Anteil an den oft harten Schicksalen und lernt mit den Protagonisten fremde Kulturen kennen.

Die Zeit, in der eigens Expeditionszeichner auf Reisen mitgenommen und Erlebnisse in Tagebüchern dokumentiert wurden, ist längst vorbei, und so sind diese Skizzenbücher ein einzigartiges Dokument von fast 500 Jahren Seefahrtgeschichte.

Das Buch ist ein Muss für jeden Interessierten der Seefahrtgeschichte. Folgen Sie den Beiträgen von z.B. Vasco da Gama, Francis Drake,Jeanne Baret, Francis Beaufort, William Turner

Leseprobe:

….Vor einigen Tagen kreuzten wir den Südlichen Polarkreis und kamen danach gut voran. Doch letzte Nacht wurden die Wellen größer, und kräftiger Wind wehte aus südlicher Richtung. Jetzt kämpfen wir uns durch die Dünung, das Schiff ächzt und stöhnt. Ich denke an all die Seefahrer, die vor uns auf ihren hölzernen Schiffen über diese Meere segelten. Unter derartigen Bedingungen mussten sie entweder vor dem Wind segeln oder die Segel reffen, um den Sturm mit nackten Masten zu überstehen. Sie hatten keine elektronischen Karten, die ihnen den Weg wiesen. Keine Hoffnung auf Rettung, sollten sie in Not geraten.

Doch seitdem hat sich für Seefahrer vieles verändert. Die Küstenlinien der Erde sind kartografiert. ihre Gefahren größtenteils bekannt. Noch vor einem Jahrhundert waren die Kommandobrücken der Schiffe offen, und es gab keine selbststeuernden Systeme wie heute, die einen sicheren Kurs halten. Seefahrer konnten nicht immer Schutz suchen, wenn es mal unbequem wurde – sie mussten an Deck bleiben, draußen, am Steuer, an den Rahen. Es gab auch keine Win­den, die ihnen halfen, die Schoten und Taue unter Kontrolle zu halten. Das Leben an Bord brachte einen zähen, unnachgiebigen Menschenschlag hervor, der sich mit den Launen der Natur auskannte. Das Gebet des Kapitäns John Davis, der zurzeit von Königin Elizabeth I. segelte, spricht Bände. Er kannte die Arktis und hoffte, die Welt zu umsegeln, aber das Schicksal war gegen ihn. 1592 war seine Besatzung auf fünf einsatzfähige Männer geschrumpft. „O Herr, sollten wir sterben müssen”, schrieb Davis in sein Tagebuch, „dann lieber beim Vorwärtsfahren als beim Umkehren.”

Letztendlich werden die meisten Schiffe zerstört, ausrangiert oder sie sin­ken. Nur wenige überdauern. So ist der Lauf der Geschichte. Ich denke an die Schiffe, die zuvor in diesen südlichen Gewässern segelten. EREBUS und TERROR waren 1841 die ersten im Rossmeer; später verschwanden sie während einer Arktis-Expedition. Die ersten Menschen, die auf dem antarktischen Kontinent überwinterten, kamen 1899 an Bord der SOUTHERN CROSS, die jedoch 1914 in der Nähe von Neufundland wohl während eines Sturms unterging. Die AURORA von Douglas Mawson verließ 1917 Australien und gilt seither als verschollen. Ver­mutlich wurde sie durch eine Mine des deutschen Hilfskreuzers WOLF zerstört. Von der AURORA fand man bis heute lediglich einen mit Seepocken übersäten Rettungsring nahe der australischen Küste….