Aufschrumpfen von Welle und Zahnrad in der Produktion bei Schottel.

SCHOTTEL investiert in neue Ruderpropeller Fabrik und erweitert Produktionskapazität

Die Firma SCHOTTEL mit Hauptsitz in Spay am Rhein erweitert ihre Produktion. Das 1921 von Josef Becker als Handwerksbetrieb gegründete Unternehmen ist heute ein weltweit tätiger Hersteller von Antrieben und Steuerungen für Schiffe und Offshore-Anwendungen. Das Unternehmen konnte auch im Jahr 2014 seinen erfolgreichen Kurs fortsetzen. 343 Mio. EUR Umsatz mit weltweit über 1200 Mitarbeitern erzielte die Gruppe mit Hauptsitz in Deutschland. Der Umsatz aus dem Kerngeschäft der Propulsionssysteme konnte wiederum auf 309 Mio. EUR gesteigert werden. Das ist ein Zuwachs von rund 9 Prozent gegenüber 2013 und untermauert die führende Position, die das Unternehmen seit Jahrzehnten am Markt der Schiffsantriebe belegt. In einem Umfeld, das sich durch zunehmenden Wettbewerb und Konzentrationen auszeichnet, hat sich erneut die Strategie des deutschen Propulsionsspezialisten bewährt: SCHOTTEL orientiert sich mit seinen Maßnahmen besonders an Kundenwünschen, antizipiert und implementiert diese entschieden und erfolgreich.

Das neue Werk

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Jensen, CEO der Schottel-Gruppe.

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Jensen, CEO der Schottel-Gruppe. © P.Pospiech

Wir bezeichnen das neue Werk als die effizienteste Ruderpropellerfabrik der Welt, weil hier Effizienz in allen denkbaren Bereichen realisiert wurde”, erläutert Prof. Dr.-Ing. Gerhard Jensen, CEO der Schottel-Gruppe. „Das beginnt mit der Anbindung an das Verkehrsnetz, setzt sich fort mit einer durchdachten Logistik mit voll überdachter Warenannahme und Auslieferung sowie einem intelligenten Materialfluss auf der Basis eines optimalen Gesamtlayouts der Fabrik. Sie bietet uns die Basis, auch in Zukunft unsere führende Position weltweit festigen und ausbauen zu können. Wir haben uns bei der Standortwahl für unsere Region in Rheinland-Pfalz entschieden. Hier sind unsere Wurzeln, und hier sind unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ so Jensen weiter. „Die Ansiedlung von Schottel zeigt, dass sich die Investition gelohnt hat und sich Unternehmen für das Industriegebiet in Dörth als Standort entscheiden“, sagte Wirtschaftsministerin Eveline Lemke und weiter: “Jugendliche sehen hier oft keine beruflichen Chancen und ziehen weg. Unternehmen wie Schottel schaffen langfristige Perspektiven.

Auf einem insgesamt neun Hektar großen Areal sind dort vier Produktionshallen, bis zu 270 Meter lang und 18 Meter hoch, sowie ein dreistöckiges Verwaltungs- und Technikgebäude mit insgesamt 23.000 Quadratmetern Produktions- und Bürofläche, nach rund zweijähriger Bauzeit entstanden. Wie der deutsche Hersteller von Antrieben und Steuerungen für Schiffe und Offshore-Anwendungen mitteilte, wurden dafür 45 Millionen Euro investiert. Die Erschließung des Industriegebietes „Budenbach“, welches Standort des neuen Schottel-Werks ist, wurde durch das Wirtschaftsministerium mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro gefördert.
290 Arbeitsplätze in der Fertigung und in der Verwaltung soll der neue Standort beherbergen. Etwa 20 junge Menschen werden schwerpunktmäßig bei der Firma in Dörth in den Berufen Industriemechaniker(innen), Zerspanungsmechaniker(innen), Mechatroniker(innen) und technische Produktdesigner(innen) ausgebildet. Außerdem besteht die Möglichkeit des dualen Studiums in den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik. Die Propellerfabrik sei nach den neuesten Erkenntnissen entworfen und so variabel gestaltet, dass sie langfristig an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden kann. Mit dem neuen Standort will Schottel seine Produktionskapazität um rund 30 Prozent steigern.
Darüber hinaus hat SCHOTTEL auch in einen neuen Maschinen- und Anlagenpark investiert. Mit seiner mechanischen Fertigung ist das Unternehmen in der Lage, alle wesentlichen Bauteile von Ruderpropellern effizient selbst zu fertigen. So ermöglicht das größte Mehrachs-Dreh- und Fräszentrum eine Traglast von bis zu 120 Tonnen für die Bearbeitung von Kegeltragrohren bis zu fünf Metern Durchmesser und Getriebegehäusen mit einer Bearbeitungshöhe von fünf Metern. Ebenfalls neu sind die Bekranungen von derzeit zehn bis 50 Tonnen. Sie lassen sich bei Bedarf sogar bis zu 100 Tonnen nachrüsten. „Das sichert Know-how, Verfügbarkeit und gleichbleibend hohe Qualität”, so Jensen.
Neben dem Werk in Dörth verfügt SCHOTTEL über weitere Fertigungsstätten in Wismar (Deutschland) und Suzhou (China). Sie alle sind modern und werden zudem regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht. So wurde beispielsweise im Juli 2015 in Wismar die modernisierte mechanische Fertigung in Betrieb genommen. Im Werk Suzhou stehen neu ausgebaute Fertigungs- und Servicekapazitäten u.a. mit einer Elektro- und Hydraulikwerkstatt oder etwa einer neuen CNC Langbettdrehbank mit Drehlängen für Wellen bis zu 10 Metern zur Verfügung.

HW Elektrotechnik wird bald eröffnet

Unterdessen steht auch der neue Standort des SCHOTTEL Tochterunternehmens HW Elektrotechnik mit rund 4200 Quadratmetern Hallen- und Bürofläche vor der Fertigstellung. Hier wird in unmittelbarer Nähe zum Werk in Dörth unter anderem die Elektrotechnik der SCHOTTEL Schiffsantriebe und Steuerungen gefertigt. Produktqualität, Energieeffizienz, ein gesundes Arbeitsumfeld und eine zukunftsorientierte Bauweise waren auch hier wichtige Leitlinien.

Zentrale in Spay erweitert Servicekapazitäten

In Spay am Rhein wird weiterhin die Zentrale der SCHOTTEL Gruppe verbleiben. Der Servicebereich des Unternehmens erhält hier neue Kapazitäten: Auf dem ehemaligen Fertigungsgelände findet das bisher ausgegliederte Servicelager Platz. Es entsteht ein vergrößerter Reparaturbereich mit eigenen mechanischen Fertigungsmöglichkeiten. Lackiererei sowie eine Versuchs- und Entwicklungshalle stehen ebenfalls zur Verfügung. Dank kurzer Wege und effizienter Logistik kann das Unternehmen so in Zukunft noch schneller auf Kundenwünsche reagieren. Auch die beliebte und gut besuchte SCHOTTEL Academy befindet sich weiterhin in Spay.

Neuer SCHOTTEL-EcoPeller wird in neuer Fabrik assembliert

Mit der Entwicklung des neuentwickelten SCHOTTEL EcoPeller (SRE) rüstet sich das Unternehmen für die kontinuierlich steigenden Anforderungen durch Umwelt- und Sicherheitsrichtlinien sowie Emissionsbeschränkungen. Sich ausweitende Umweltzonen, möglichst niedrige Betriebskosten, Schadstoffemissionen aber auch der Komfort der Crew spielen eine wichtige Rolle in der Schifffahrt. Gleichzeitig beeinflussen technische Aspekte wie ein hoher Gesamtwirkungsgrad, Kursstabilität und exaktes Positionieren im DP-Betrieb die Zukunft der Branche maßgeblich.
Nach Unternehmensangaben ist der SRE für den Einsatz auf offenen Meeren sowie in Küstennähe geeignet. Er vereine die bewährte Qualität und Technik, kombiniert mit den neuesten, hydrodynamischen Erkenntnissen aus CFD-Simulationen und Modellversuchen. Als Ergebnis soll der EcoPeller Bestwerte bezüglich Gesamtwirkungsgrad und Kursstabilität liefern, heißt es. Somit garantiere er dem zukünftigen Eigner einen niedrigen Kraftstoffverbrauch und damit niedrige Betriebskosten und Emissionen.
Der SRE basiert auf dem SCD-Bauartprinzip eines vertikal in den Ruderpropeller integrierten Elektromotors. Nach Unternehmensangaben entfällt somit das obere der beiden Umlenkgetriebe zzgl. notwendiger Wellenleitungen. An Bord biete der EcoPeller daher besten Komfort aufgrund der äußersten Vibrationsarmut und dem niedrigen Geräuschpegel, erklärt SCHOTTEL.
Neben einer werkseitigen, einbaufertigen Bestückung mit einem hocheffizienten Elektromotor durch den Propulsionshersteller könne der EcoPeller optional auch mit weiteren Elektromotoren gemäß Kundenwunsch ausgestattet werden.  Ab Mitte 2016 soll der Antrieb als Verstell- oder Festpropeller in verschiedenen Größen für Antriebsleistungen zwischen 1.000 kW und 5.000 kW erhältlich sein.