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Veröffentlichung zu neuem Seebäderschiff MS HELGOLAND

 

Irritierend!

 

Die Veröffentlichung über das neue Seebäderschiff MS HELGOLAND in einem deutschen, maritim orientierten Fachmagazin ist in vielen Punkten nur schwer nachzuvollziehen. Die Häufung von Fehlinformation machen es dem Leser nicht leicht zu glauben was ist sachlich richtig.
Doch worum geht es in dem Artikel? Der Redakteur, schreibt darin z.B.: „…der erste Schiffsneubau mit LNG-Antrieb“.
Zur Richtigstellung: Es wird hier, und auch in anderen Veröffentlichungen, immer wieder berichtet, dass die Schiffe „….mit LNG betrieben werden“. Was sachlich nicht korrekt ist: Redet man zum Beispiel von einem Kraftstoff so wird hier, entsprechend seiner Definition, ein Stoff bezeichnet der zur direkten Verbrennung in einer Verbrennungskraftmaschine genutzt wird. Und das ist nun mal Erdgas (in gasförmigem Zustand)! Die Motorenindustrie hat diesen Umstand von Beginn an erkannt und redet von „gasbetriebenen Motoren“.
Es wäre im Interesse der Begriffsverständlichkeit sicherlich gut eine klare Trennung zwischen dem Kraftstoff, der dem Verbrennungsmotor zugeführt wird (Gas) und der Lagerung des Gases, aus Kapazitätsgründen in verflüssigter Form und damit LNG, zu ziehen.
Weiterhin wird von der „…neuen LNG-Technik“ berichtet! Die LNG-Technik ist nicht neu – seit mehr als 60 Jahren fahren LNG-Tankschiffe auf den Weltmeeren! Weiter heißt es: „…basierend auf -162°C heruntergekühltem flüssigen Erdgas…“. Richtig wäre: „…auf -162°C heruntergekühltem verflüssigtem Erdgas“!
Auch die Beschreibung des LNG-Bunkertanks ist dem Autor missglückt: „…im Schiffskörper ist er separiert, was das Risiko einer Gasexplosion deutlich vermindern soll“. Der Leser steht fortan unter dem Eindruck, dass er auf einer explosionsfähigen „Bombe“ fährt! Und das ist vollkommen falsch! Erdgas in seiner verflüssigten, auf minus 162 Grad Celsius, heruntergekühlten Form, ist sicher zu transportieren und nicht so ohne weiteres explosionsfähig!
Ob diese Formulierung wohl im Sinne der Schiffsbetreiber ist?
Da wird über „…5% mehr Leistung und 7% geringerem Verbrauch der Antriebsmotoren“ geschrieben. Woher hat der Autor diese nachweislich falschen Werte? Er schreibt von einem „…Übersetzungsgetriebe“, tatsächlich ist es ein Untersetzungsgetriebe (hohe Motorendrehzahl reduziert auf Propellerdrehzahl), sowie angeblich gelieferten Wellengeneratoren von MAN Rollo. Geliefert wurden diese Generatoren aber von Wärtsilä / AvK (Typ DSU 74M1-4C).
Schifffahrtsjournalisten sind Fachjournalisten die sich einem ganz spezifischen Segment verschrieben haben. Ein sehr hohes Maß an Sachkenntnis ist gefordert um hier eine qualitativ anspruchsvolle Berichterstattung realisieren zu können, die vor allem auch auf die sachliche Information von Leserschaft und Öffentlichkeit gerichtet ist.
Leider stellen wir fest, dass nur wenige maritime Fachzeitschriften wirkliche Fachleute in ihren Redaktionen sitzen haben. Wenn Redakteure aus den Bereichen der Flugzeugindustrie bzw Tages- / Boulevardpresse oder nicht mit dieser spezifischen Branche vertraut, rekrutiert werden, braucht man sich über oberflächlich recherchierte bzw vorgefertigte Presseberichte aus der maritimen Wirtschaft nicht wundern. Die veröffentlichten Beiträge beinhalten sehr oft leider keine eigenen, sachlich fundierten, Informationen.

Dipl. -Ing. Peter Pospiech
Redaktionsleitung bei VEUS-Shipping.com mit Schwerpunkt Schiffsbetriebstechnik, Transport, Logistik, Schiffahrt, Hafen und dem weitreichenden Thema Umweltschutz sowie gesetzliche Auflagen für Antriebsmaschinen.

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