Werbung
Mittwoch, Oktober 28, 2020
13 C
Kiel
11.9 C
Hamburg
13.3 C
Bremerhaven
12.2 C
Köln

VSM schlägt Alarm: Die Schiffbaukonjunktur verträgt kein üppiges Lohnplus

IG Metall Küste ist gefordert! 
Anlässlich des sehr hohen Tarifabschlusses des Vorjahres hatte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) bereits auf gravierende Strukturunterschiede innerhalb der Metall- und Elektroindustrie hingewiesen und differenzierende Lösungen eingefordert, damit die Lohnentwicklung der Marktrealität auch im Schiffbau Rechnung trägt.
Für die aktuelle Tarifrunde ist eine Berücksichtigung der Situation im globalen Schiffbaumarkt besonders dringend geboten – die aktuelle Nachfrage sowie der kurz- bis mittelfristige Ausblick sind hochgradig besorgniserregend.

Laut Aussagen des VSM stehen die Werften im Passagierschiffsbereich oft im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und die positive Auftragsentwicklung in den zurückliegenden 12 Monaten könnte unberechtigte Begehrlichkeiten wecken. Denn: Aufträge sind nur die erste Voraussetzung für den Erfolg. Der stellt sich jedoch nur dann ein, wenn das Großprojekt „Schiff“ für den vereinbarten Vertragspreis auch tatsächlich realisiert werden kann. Verluste bei komplexen Schiffbauprojekten sind keine Seltenheit, auch nicht bei Kreuzfahrtschiffen und Großyachten. Neben dem spektakulären Beispiel des japanischen Technologiekonzerns Mitsubishi Heavy Industries, bei dem bis dato 1,5 Mrd. € Verlust bei der Abwicklung eines 910 Mio. €-Auftrags aufgelaufen sind (siehe AIDAprima), belegt auch der Verlust von 289 Mio. € im abgelaufenen Jahr bei Fincantieri (Italien), dem Marktführer im Kreuzfahrtschiffbau, den Unterschied zwischen Auftrag und Gewinn.
Zurückhaltung ist aber vor allem vor dem Hintergrund der dramatischen globalen Schiffbaukonjunktur geboten. Auch wenn deutsche Werften kaum noch große Frachtschiffe bauen – für viele der rund 2.700 maritimen Zulieferfirmen in Deutschland sind diese Märkte Dreh- und Angelpunkt. Dort aber hat die aktuelle Nachfrageschwäche historische Ausmaße angenommen. Wurden 2013 noch 3.375 Seeschiffe weltweit geordert, gingen diese 2014 auf 2.744 und letztes Jahr auf 2.108 zurück. In den ersten zwei Monaten 2016 belief sich die Zahl auf gerade einmal 33, der niedrigste Wert, den der Brancheninformationsdienst Clarkson je berichtet hat. Die Anzahl der georderten Schiffseinheiten ist ausschlaggebend für die Anzahl der georderten Hauptmotoren, Ruderanlagen, Brückensysteme usw. Die ausgehungerten Werften in Asien versuchen zudem bereits seit längerem wieder einmal Aufträge über niedrige, oft nicht kostendeckende Preise hereinzunehmen. Diesen Preisdruck geben sie an die Wertschöpfungskette weiter, dorthin, wo die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer der Schiffbauindustrie beschäftigt ist. Die Tarifabschlüsse vergangener Jahre, sowie die aktuellen Lohnplus-Forderungen der Gewerkschaften decken sich nicht mit den realen Marktentwicklungen im Schiffbau.
VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken sagte dazu: „Die Arbeitgeberverbände haben der IG Metall die schwache Weltkonjunktur, die großen Auftragsschwankungen und die nie dagewesene Heterogenität zwischen den M+E-Branchen in aller Deutlichkeit erläutert. Wir können das nur unterstützen. Schiffbau und Meerestechnik sind ganz bestimmt alles andere als geeignet, um den Forderungen der IG Metall Nachdruck zu verleihen. Wir verstehen die Rituale von Tarifverhandlungen und wissen um die hohe mediale Wirkung, weil es im Schiffbau immer tolle Bilder gibt. Dennoch appellieren wir an das Verantwortungsbewusstsein der IG Metall Küste und bitten, bei den jüngst angekündigten Planungen von Warnstreiks den Schiffbau auszusparen.“

Beitrag: Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) / PP

Related Articles

Der hungrige Däne

Die weltweit führende Schleppreederei Svitzer, mit Sitz in Kopenhagen, wird ab Januar 2021 einen neuen Schleppbetrieb im Seehafen Emden - dem drittgrößten deutschen Nordseehafen...

BSH und Bundespolizei führten Nationale Maritime Sicherheitsübung durch

In der Lübecker Bucht ist in der Zeit vom 19. bis 21. Oktober die Anti-Terror-Übung RACOON 2020 (RACOON ist die englische Bezeichnung für „Waschbär“)...

Kompakt, wendig, stark: PETER WESSELS

Drehmomentstärkster Assistenzschlepper im Emder Hafen Mitte August hat die niederländische Damen-Schiffbaugruppe den Schlepper PETER WESSELS an die Emder Schlepp-Betrieb GmbH (ESB)...

Neue Beiträge

Der hungrige Däne

Die weltweit führende Schleppreederei Svitzer, mit Sitz in Kopenhagen, wird ab Januar 2021 einen neuen Schleppbetrieb im Seehafen Emden - dem drittgrößten deutschen Nordseehafen...

BSH und Bundespolizei führten Nationale Maritime Sicherheitsübung durch

In der Lübecker Bucht ist in der Zeit vom 19. bis 21. Oktober die Anti-Terror-Übung RACOON 2020 (RACOON ist die englische Bezeichnung für „Waschbär“)...

Kompakt, wendig, stark: PETER WESSELS

Drehmomentstärkster Assistenzschlepper im Emder Hafen Mitte August hat die niederländische Damen-Schiffbaugruppe den Schlepper PETER WESSELS an die Emder Schlepp-Betrieb GmbH (ESB)...

Das Eis schmilzt

Klimawandel. Anstieg des Meeresspiegels. Energieproblematik. Co2-Anstieg ...  Sechs gefüllte Olympiaschwimmbecken: So viel Wasser fließt im Sommer von Grönland ins Meer. Pro Sekunde. Das Eis schmilzt....

MAN und WinGD reduzieren Methanschlupf

„Wir haben gesehen, wie das Eis der Arktis stirbt. Im Sommer war es von der Wärme selbst direkt am Nordpol völlig aufgeschmolzen und erodiert....