Containerschiffe in Fahrt.

Internationale Einigung zur Verringerung von Schiffsemissionen ist ein Meilenstein für saubere Schifffahrt

IMO verabschiedete ein globales und verbindliches System zur Erhebung von Daten über den Kraftstoffverbrauch von Schiffen.

Auch der Verband Deutscher Reeder (VDR) begrüßt die jüngsten Entscheidungen des Umweltausschusses MEPC (Marine Environment Protection Committee) der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) für mehr Klima- und Umweltschutz in der Seeschifffahrt. Bei seiner halbjährlichen Sitzung in London haben die 171 Mitgliedstaaten im IMO-Umweltausschuss einen Fahrplan zur Messung und Senkung von CO2-Emissionen sowie strengere Grenzwerte für Schwefel- und Stickoxid-Abgase beschlossen.

Ralf Nagel, VDR, sagte dazu: „Die IMO hat erneut entscheidende Meilensteine gesetzt, die CO2-Emissionen und Abgase der Schifffahrt weltweit stark abzusenken. Der Seeverkehr ist für die Industrie und unseren Alltag unverzichtbar. Jetzt wird der moderne Seetransport noch klimafreundlicherer und sauberer als jemals zuvor. Dass alle Staaten im IMO-Umweltausschuss trotz der kontroversen Diskussion an einem Strang ziehen, unterstreicht erneut die Handlungsfähigkeit der IMO als globaler Gesetzgeber für die Schifffahrt. Die EU sollte diese positive Entwicklung weiterhin eng begleiten und von regionalen Sonderlösungen absehen. Der Einbezug der Seeschifffahrt in den europäischen Emissionshandel würde den Klimaschutz nicht voranbringen, sondern nur zu einer Doppelbelastung europäischer Reedereien und unnötigen Wettbewerbsverzerrungen führen.“

CO2-Daten erfassen und weitere Maßnahmen für Klimaschutz beschließen

Die IMO-Mitgliedstaaten haben im Umweltausschuss ein globales System zur Sammlung von CO2-Daten aller Seeschiffe sowie einen Fahrplan für weitere Schritte zur Senkung von CO2-Emissionen beschlossen. Bereits ab 2019 müssen alle Reedereien den Brennstoffverbrauch, die zurückgelegte Seestrecke und die Zahl der Betriebsstunden ihrer Schiffe über den jeweiligen Flaggenstaat des Schiffes zur Auswertung an die IMO in London übermitteln. Parallel will der IMO-Umweltausschuss über geeignete Ziele und Maßnahmen diskutieren, wie der ohnehin schon geringe CO2-Fußabdruck der Schifffahrt weiter verkleinert werden kann. Eine verbindliche Entscheidung für mögliche weitere CO2-Minderungsmaßnahmen soll dann 2023 auf Grundlage einer soliden Datenbasis fallen.
„Der Klimaschutz-Fahrplan der IMO ist ein klares Signal, schnelle und große Schritte zum globalen Klimaschutz in der Schifffahrt zu gehen. Die jüngste EU-Verordnung zur Sammlung und Weitergabe von CO2-Daten (Monitoring, Reporting, Verification – MRV) muss nun rasch in das weltweite System integriert werden, um doppeltes Reporting und unnötige Bürokratie vermeiden. Globale Standards sind das einzig sinnvolle Instrument zur Lösung von Problemen, die an nationalen Grenzen nicht haltmachen,“ so der VDR

Weltweiter Schwefelgrenzwert um 86 % gesenkt

Erdgasbetriebenes Fährschiff.

Mit Erdgas immer auf der richtigen Seite. © P.Pospiech

Der IMO-Umweltausschuss hat außerdem beschlossen, weltweit einen strengeren Grenzwert für Schwefelabgase schon ab 2020 einzuführen. Damit wird der zulässige Schwefelanteil im Brennstoff um 86 % abgesenkt – von heute 3,5 % auf dann 0,5 %. Ralf Nagel: „Damit ist faktisch das Aus für den heute üblichen Schwerölbetrieb der Seeschiffe beschlossen. Der neue Schwefel-Grenzwert wird die Verwendung von Erdgas als Kraftstoff in den Verbrennungsmotoren sowie weitere alternative Kraftstoffe in der Schifffahrt vorantreiben. Profitieren werden besonders die Anwohner von Häfen und Küstengewässern. Nun gilt es, eine weltweit einheitliche Umsetzung der neuen Regeln ab 2020 zu finden, so dass ein fairer Wettbewerb in unserer globalen Branche bestehen bleibt.“

Nord- und Ostsee werden Sondergebiete für Stickoxid-Emissionen

Ab 2021 sollen Nord- und Ostsee zum Sondergebiet für Stickoxid-Emissionen ausgewiesen werden. Für alle neu gebauten Schiffe gilt ab diesem Zeitpunkt ein besonders niedriger Grenzwert für den Stickoxidanteil im Abgas (Tier III), der sowohl mit Schweröl als auch mit Diesel-Kraftstoffen ohne einen Katalysator nicht zu erreichen ist.
Ein vergleichbares Sondergebiet gibt es seit 2016 auch in den US-amerikanischen Gewässern. Die Ostsee wurde bereits 2006 als Sondergebiet für Schwefel-Emissionen ausgezeichnet, die Nordsee im Jahr 2007 (2012 folgten die 200-Seemeilenzone von Nordamerika und 2014 die Küstengewässer in der Karibik).

Klimaschutz in der Seeschifffahrt

Schon heute gelten für Seeschiffe weltweit verbindliche Klimaschutzvorschriften. Danach müssen Neubauten schrittweise immer schärfere Effizienzstandards erfüllen und werden ab 2025 30 % weniger Brennstoff pro Tonnenkilometer verbrauchen als noch in den 2000er-Jahren. Hinzu kommen Vorgaben für einen energiesparenden Schiffsbetrieb.
Das Seeschiff ist das effizienteste Verkehrsmittel. Mit einem Durchschnittsalter von neun Jahren (Weltflotte: 14 Jahre) betreiben deutsche Reedereien eine der modernsten Handelsflotten der Welt.