Einbausituation eines Hybrid-Abgaswäschersystems.

Abgaswäscher: Nur eine Übergangslösung?

Eine Betrachtung

Seit Januar 2015 ist in Schwefelemissionskontrollgebieten (SECAs) nur noch ein maximaler Schwefelgehalt von 0,1 % im Schiffstreibstoff zulässig. Ab 2020 gilt weltweit ein Schwefelgrenzwert von 0,5 %. Als Alternative zu schwefelarmen Treibstoffen können Abgasnachbehandlungsanlagen (Scrubber) verwendet werden. Es gibt verschiedene Scrubber-Systeme (Nass: offen/geschlossen, Trocken sowie eine Kombination von beiden: Hybrid-Systeme). Diese Scrubber erzielen die geforderte Emissionsreduktion entsprechend den Vorgaben der IMO, erzeugen jedoch Abwasser, das in die Meeresumwelt eingeleitet wird. Die verschiedenen Scrubber-Systeme unterscheiden sich in ihrer Umweltwirkung durch Menge und Inhaltsstoffe der Abwässer. Die Regelungen zur Abwasserqualität finden sich in der IMO Resolution MEPC.184(59) aus dem Jahr 2009.

Umweltbeeinträchtigung durch Scrubber

Durch den Einsatz von Scrubbern tritt eine Umweltbeeinträchtigung durch kurzzeitige und räumlich begrenzte pH-Wert-Absenkung, Temperaturerhöhung und Trübung sowie durch Schadstoffeinleitung von zum Teil dauerhaften Stoffen ein. Zur Beurteilung der Umweltwirkung von Scrubbern in den deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee wurden Untersuchungen auf verschiedenen Schiffen herangezogen (siehe hierzu MS PRIDE OF KENT, MS FJORDSHELL und MS FICARIA SEAWAYS). Die darin beschriebenen Konzentrationen von Schadstoffen im Scrubber-Abwasser verletzen keine Umweltqualitätsnormen entsprechend der WRRL (Wasserrahmenrichtlinie). Die deutschen Küstengewässer leiden bereits unter einem starken Nutzungsdruck von Schifffahrt, Baustoffgewinnung, Energieerzeugung, Tourismus und Einleitungen aus Industrie und Landwirtschaft. Die Vorbelastungen sind in einigen Abschnitten der deutschen Küste erheblich. Der derzeitige Umweltzustand der deutschen Küstengewässer ist mäßig bis schlecht. Die belasteten Abwässer bedeuten einen zusätzlichen Stressfaktor für die marinen Organismen in Nord- und Ostsee und den angrenzenden von Seeschiffen befahrenen Flussgebieten.

Schwefelarme Kraftstoffe

Grundsätzlich ist die Nutzung sauberer flüssiger (Diesel) oder gasförmiger (Erdgas) Kraftstoffe einer Abgasnachbehandlung zur Schwefelreduktion vorzuziehen. Auf Grundlage rechtlicher und steuerungspolitischer Erwägungen erscheinen nach derzeitigem Kenntnisstand Einleitungsbeschränkungen von Scrubber-Abwässern grundsätzlich am besten geeignet, um potenzielle Schäden aus dem Einsatz von Scrubbern abzuwenden. Prioritär empfiehlt sich ein multilaterales Vorgehen im Rahmen der IMO. Hierbei kann eine gebietsbezogene Regelung der Einleitung von Scrubber-Abwässern erreicht werden, (Belgien hat bereits die Nutzung der Open-Loop-Scrubber in ihrem Zuständigkeitsbereich verboten). Insbesondere in Betracht zu ziehen ist die Einrichtung von Schutzinstrumenten (APMs) im Rahmen von PSSAs (Particularly Sensitive Sea Areas). Als kurzfristige Strategie könnte auch ein einseitiges bzw. zusammen mit den weiteren Mitgliedstaaten der EU konzertiertes Einleitverbot für die Bereiche der inneren Gewässer und des Küstenmeers angestrebt werden, das jedoch in seinem Regelungsgehalt hinter einer multilateralen Regelung im Rahmen der IMO zurückbleiben würde.

Zusammenfassung

In einer vorliegenden Studie des UBA (Umweltbundesamt) konnte gezeigt werden, dass die Nutzung von Nass-Scrubbern Auswirkungen durch pH-Wert-Absenkung, Temperaturerhöhung, Schadstoffeinleitungen und u. U. durch die Nutzung aktiver Substanzen auf die Meeresumwelt hat. Insbesondere offene Scrubber haben durch ihren hohen Wasserverbrauch und den damit deutlich höheren Abwassermengen eine vielfach stärkere Umweltauswirkung als geschlossene bzw. trockene Scrubber-Systeme. Die Umweltwirkung von z.T. in geschlossenen Systemen verwendeten aktiven Substanzen ist völlig ungeklärt.
Die deutschen Küstengewässer leiden bereits unter einem starken Nutzungsdruck von Schifffahrt, Baustoffgewinnung, Energieerzeugung, Tourismus und Einleitungen aus Industrie und Landwirtschaft. Die Vorbelastungen sind in einigen Abschnitten der deutschen Küste erheblich. Der derzeitige Umweltzustand der deutschen Küstengewässer ist mäßig bis schlecht. Die belasteten Abwässer bedeuten einen zusätzlichen Stressfaktor für die marinen Organismen in Nord- und Ostsee und den angrenzenden von Seeschiffen befahrenen Flussgebieten. Aktuell kann nicht mit einer Verletzung der WRRL/MSRL-Umweltqualitätsnormen (Wasserrahmenrichtlinie / Meeresstrategierahmenrichtlinie) gerechnet werden. Die Einleitungen großer Abwassermengen mit zum Teil persistenten Inhaltsstoffen, niedrigerem pH-Wert und erhöhter Temperatur ist jedoch mit dem Vorsorgeprinzip der WRRL/WSRL nicht vereinbar.

Grundsätzlich ist die Nutzung sauberer flüssiger (Diesel) oder gasförmiger (Erdgas) Kraftstoffe einer Abgasnachbehandlung zur Reduktion von Schwefeloxidemissionen vorzuziehen.
Es besteht noch ein hoher Forschungs- und Messbedarf und es sind möglichst international Aktivitäten zu entwickeln, um eine Verschlechterung der Umweltsituation durch künftige Zunahmen von Scrubber-Einleitungen zu vermeiden.