Hans-Helmut Schramm

Bodenständigkeit als Erfolgsrezept

Übernommen hat der heute 44-jährige Diplom-Ingenieur Seeverkehr – er besitzt das Kapitänspatent für Große Fahrt A6 – das Familienunternehmen im August 2003. „Mein Vater rief mich damals zu sich ins Büro“, erinnert sich Schramm, „Dann legte er mir seinen Schlüsselbund auf den Tisch und sagte nur den Satz: „Viel Spaß.“
„Ich habe anfangs natürlich Fehler gemacht, besser gesagt, ich durfte Fehler machen“, sagt der Mann, der für die Leeraner Reedereien Hartmann, Briese und Buss als nautischer Offizier gefahren ist. „Aber diese Fehler“, sagt er, „haben mir geholfen, meine Arbeit immer besser zu machen.“
Heute arbeiten rund 400 Mitarbeiter in den drei Kernsparten Häfen (Brunsbüttel, Glückstadt, Rendsburg und Schweden), Reederei / Schleppfahrt und Schiffbau / Technik / Consulting, die er alle persönlich kennt und sich um sie sorgt: „Ich will den Kontakt zu meinen Mitarbeitern nicht verlieren“
Hans-Helmut Schramm ist Familienmensch: Wann immer es seine Zeit erlaubt, und manchmal nimmt er sie sich, verbringt er sie mit seiner Frau und seinen beiden Kindern.

6 Fragen an Hans-Helmut Schramm:

1. Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer. Welche Fähigkeiten benötigt man dafür?

Schramm zögert einige Sekunden bevor er überzeugend spricht: „Ich glaube die wichtigste Eigenschaft ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zu akzeptieren dass meine Mitarbeiter manchmal etwas besser können als ich. Als Chef eines Unternehmens wie wir es sind muss ich die Fähigkeit haben anderen Menschen auch etwas zuzutrauen etwas selbst zu entscheiden. Ich habe anfänglich alles, aber auch wirklich alles selbstgemacht bis zu dem Zeitpunkt wo mich ein Krankenhausaufenthalt zum Nachdenken, beziehungsweise zum Überdenken meines Arbeitsstils zwang. Meine ganz persönliche Stärke ist es dass ich mein Unternehmen aus der zweiten Reihe steuern kann. Ich bin ein Teamplayer der das Vertrauen und den Respekt in und vor anderen Menschen hat. Als Unternehmer muss man den Willen haben mehr zu tun als andere. Mit anderen Worten: man muss fleißig sein!

2. Was motiviert Sie?

Ich bin jeden Tag aufs Neue gespannt was mich heute wieder im Unternehmen erwartet – jeden Tag kommen neue Herausforderungen. Sicherlich ist das eine Folge unserer sehr breit aufgestellten Firma. Ich habe den unschätzbaren Luxus eine Firmengruppe zu führen bei der mir nie langweilig wird. Wenn ich mir vorstelle ich müsste täglich Blumenvasen produzieren – mir wäre das zu langweilig. Diese Vielseitigkeit der täglichen Herausforderungen motiviert mich.

3. Die Schramm-Group ist ein bekanntes, über 90 jähriges bestehendes, Unternehmen. Was hat das Unternehmen zu dem gemacht was es heute ist? Wie sieht die heutige Firmenstruktur aus?

Nun, ich glaube dass in unserem Unternehmen eine sehr hohe Mitarbeiterzufriedenheit besteht: Jeder unserer Mitarbeiter, egal ob weiblich oder männlich, sieht sich als ein Schramm-Group Familienmitglied. Was ist das Besondere an uns: Wir bieten in unserer logistischen Breite One Stop Solution (alles aus einer Hand) für Industrie und Logistik – in einer Breite die sicherlich von keinem anderen Unternehmen angeboten werden kann. Ich nenne mal ein Beispiel: Jemand möchte ein Kolli von A nach B befördern, dieser Jemand kann sich einen Spediteur suchen der den Transport durchführt, dann  sucht er sich ein Hafenunternehmen welches den Umschlag macht, er kann sich einen Sachverständigen suchen der das Lasching rechnet, dann kann er sich jemand suchen der die Versicherung arrangiert und er kann sich dann jemand suchen der das Lasching auch macht. Damit hat er 6 / 7 Schnittstellen, er hat aber auch hat 6 / 7 Gefahrenpunkte bei denen er vielleicht ein Problem hat – er kann sich auch einen Makler suchen der alles für ihn erledigt, der will aber für seine Dienste bezahlt werden. Oder der potenzielle Kunde ruft bei Fa. Schramm an und fragt nach einem Gesamtangebot. Das ist unser „Alles aus einer Hand Sorglos Paket“. Gleiches gilt für Industriekunden. Wir schaffen es für unsere Kunden die Schnittstellen zu minimieren und somit logistische Abläufe als One Stop Solution wirtschaftlich zu optimieren.

Neben dem sehr guten Mitarbeiterstab und der logistischen Breite ist das unser sogenanntes USP (Alleinstellungsmerkmal) was uns ausmacht. Dazu kommt noch dass wir als Familie nichts aus der Firma nehmen. Ich bekomme ein Gehalt wie jeder andere auch und lasse alle Gewinne in der Firma stehen. Somit steht das Kapital frei zur Verfügung für Reinvestitionen, dadurch sind wir extrem gesund. Diese Kombination aus zufriedenen Mitarbeitern, einer guten Eigenkapitalquote und einer logistischen Bandbreite lässt uns Marktschwankungen überstehen und macht uns zu einem bevorzugten Partner für Kunden.

4. Womit hatten Sie den größten Erfolg?

Zu unserem größten Erfolg zählt mit Sicherheit der erste große Auftrag für Industrielogistik von der Arubis. Die Arubis hat uns die Chance gegeben zu zeigen was wir als Unternehmen können. Man muss sich das mal vorstellen: Die Aurubis AG ist ein weltweit führender Anbieter von Nichteisenmetallen. Das Unternehmen verarbeitet komplexe Metallkonzentrate, Altmetalle und metallhaltige Recyclingstoffe zu Metallen mit höchster Qualität. Unter anderem produziert Aurubis jährlich mehr als 1 Mio. t Kupferkathoden und daraus diverse Kupferprodukte wie Gießwalzdraht, Stranggussformate, Walzprodukte, Bänder sowie Spezialdrähte und Profile aus Kupfer und Kupferlegierungen. Dieser weltweit operierende Konzern beauftragte ein, damals noch, kleines mittelständisches Unternehmen wie die Schramm-Group. Irgendjemand muss den Anfang machen – in unserem Fall war es die Arubis. Und darauf sind wir dankbar und stolz.

5. Welche Strategien verfolgen Sie, bzw worauf haben / werden Sie sich konzentrieren?

Konzentrieren werden wir uns in erster Linie auf unsere 3 Kernbereiche Häfen, Küstenschifffahrt /Schlepperei und Engineering. Das sind auch die Bereiche wo wir wachsen werden, denn das sind unsere Kernkompetenzen. Diese Strategie zeigt sich auch in unserem Engagement in Schweden, wo wir kürzlich den Mehrheitsanteil einer Hafengesellschaft mit 6 Häfen gekauft haben.

6. Was möchten Sie in Ihrem Arbeitsleben noch erreichen?

Hans-Helmut Schramm

„Ich will den Kontakt zu meinen Mitarbeitern nicht verlieren“

Ich möchte die Schramm-Group weiter ausbauen – und zwar in unseren Kernkompetenzen. Für mich persönlich habe ich das Ziel die Firma in die nächste Generation zu überführen. Darüber mache ich mir heute schon Gedanken. Meine Kinder sind heute 13 und 15. Sie haben die Wahl ob sie in das Unternehmen einsteigen wollen oder nicht. Das wird sicherlich eine der größten Aufgaben für mich sein, dass die Firma einen sauberen Übergang hat. Mein Augenmerk richtet sich hierbei natürlich auf die Firma. Letztendlich ist es für mich wichtig, dass es der Firma und den Mitarbeitern gut geht.

7. Eine abschließende Frage: wie und wobei entspannt sich Hans Helmut Schramm?

Nicht lachen: Auf’m Trecker. Privat lebe ich mit meiner Familie auf einem Bauernhof und bevor ich zu meiner Familie ins Haus gehe, halte ich kurz an unserem Pferdestall an, setze mich auf den Radlader oder Trecker und reinige einige Minuten Stall und Hof. Wenn das in stressigen Wochen nicht ausreicht fahre ich in meine Werkstatt und schraube an meinem Oldtimer herum. Dann bin ich rundherum zufrieden und kann beruhigt nach Hause zu meiner Familie fahren in der ich glücklich bin – ich bin ein totaler Familienmensch.

Herr Schramm wir danken für das Gespräch