Portrait Peter Pospiech

Uns stinkt’s! Stänkert der NABU

Kreuzfahrt-Ranking 2017: Kreuzfahrtschiffe sind Dreckschleudern

Mir stinkt’s auch – aber aus anderen Gründen: Schon die Ankündigung auf der Presse-Einladung des NABU zeigt die ganze polemisierende Strategie des ziemlich zweifelhaften Vereins „NABU“: „Die riesigen Schiffe werden mit dreckigem Schweröl betrieben, so dass schwarze Abgaswolken Hafenstädte und Weltmeere verpesten“.

An anderer Stelle heißt es: “Kreuzfahrtschiffe fahren mit Schweröl, einem sehr umwelt- und gesundheitsschädlichen Abfallprodukt der Ölindustrie. Einen Stickoxidkatalysator und einen Rußpartikelfilter wie bei Diesel-Pkw oder -Lkw seit Jahren Standard, sucht man bei Kreuzfahrtschiffen meist vergebens”, bemängeln die Umweltschützer.

Ganz offensichtlich strotzen die mit markigen Worten hervorgebrachten, wenig seriösen Äußerungen des Leiters Verkehrspolitik beim NABU-Bundesverbands, Dietmar Oeliger, von reichlich maritimer Unwissenheit – denn sonst wüsste er, dass Schiffe mit Eintreten in die Umweltzonen der SECA’s (Sulphur Emission Control Areas) auf schwefelreduzierten Kraftstoff umschalten müssen: Bereits seit Anfang 2015 gelte zum Beispiel in der Nord- und Ostsee (SECA-Gebiete) ein Schwefelgrenzwert im Kraftstoff von 0,1Gew.%. Das bedeutet dass dort kein Schiff, egal ob Kreuzfahrt- oder Handelsschiff, mit Schweröl fahren darf (oder Abgasnachbehandlungssysteme sind vorhanden) und dass deswegen schwefelreduzierter Kraftstoff, MGO, genutzt wird. Darüber hinaus wird bereits, entsprechend der Richtlinie 1999/32/EG und 2005/33/EG während der Hafenliegezeiten, z.B. in Hamburg, seit dem 11.05.2010 diese „Schwefel“ Richtlinie befolgt. Die Kontrollorgane, die Hafenstaatkontrollen der jeweiligen Länder, überprüfen kontinuierlich.

Und, nicht zu vergessen: wirklich ernst zu nehmende, qualitativ hochwertige „Messungen des Einflusses von Schiffsemissionen auf die marine Troposphäre über Nord- und Ostsee“, durchgeführt vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen, gefördert durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, haben an den Messstationen: Insel Neuwerk, Elbufer bei Wedel, Messungen von Bord aus (z.B. FS „CELTIC EXPLORER“) sowie an der Großen Belt-Brücke in Dänemark im Dezember 2014 und im Januar 2015 (Einführung der Reduzierung des Schwefelgehaltes von 1,0 auf 0,1 Gew.%) eine drastische Reduzierung der Umweltbelastung beweiskräftig gemessen! (Weiterführende Informationen sind zu finden auf www.mesmart.de).

Stolz berichtet der NABU das „verdeckte“ Messungen an Bord mehrerer Kreuzfahrtschiffe durchgeführt wurden. Kann man den laienhaften Messungen Glauben schenken wenn die vorgestellte Ranking-Liste 2017 Fehler aufweist? Da werden nur Passagierzahlen (die auch noch inkorrekt sind) aufgeführt – aber die Besatzungsmitglieder zählen ganz offensichtlich beim NABU nicht!

Es ist schon sehr erstaunlich wie der NABU seine Aussagen / Meinungen ändert:

Noch im Oktober 2011, nach der Havarie des Containerschiffes RENA vor der Küste Neuseelands kommentierte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller eine Untersuchung des NOAA (National Oceanic and Atmospheric Adminstration) mit den Worten: „Mit dem Umstieg von Schweröl auf Schiffsdiesel (MGO) als Kraftstoff lassen sich die giftigen Schiffsabgase drastisch reduzieren. Das müssen nun endlich auch die Traumschiff-Reedereien von AIDA, TUI und Co. zur Kenntnis nehmen. Demnach reduziert eine Umstellung von Schweröl auf schwefelarmen Schiffsdiesel und eine geringere Fahrtgeschwindigkeit deutlich die Emissionen eines Schiffs, beweist die NOAA-Studie. Die Messungen der Abgase eines Hochseeschiffs ergaben, dass etliche gesundheitsschädliche und klimawirksame Schadstoffe nach der Umstellung deutlich sanken: Bei Schwefeldioxid und Feinstaub wurden Verbesserungen von rund 90 Prozent gemessen. Der Ausstoß von klimaschädlichen Rußpartikeln reduzierte sich um mehr als 40 Prozent“.

„Die Messungen des NOAA zeigen nun ganz deutlich, dass Schiffsreeder mit einfachen Maßnahmen sofort einen großen Beitrag im Kampf gegen die Klimaerwärmung und für die Gesundheit der Menschen leisten können”, erklärt dazu NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger.

Wem kann man also mehr Glauben schenken? Dem BSH bzw. glaubwürdigen Instituten oder dem Panikmacher NABU?

In ihrer Pressemitteilung schreibt der NABU: „…dabei muss die Schifffahrt bis zum Jahr 2050 komplett CO2-frei unterwegs sein“. Richtig heißt es aber: CO2-neutral und nicht CO2-frei – ein Riesenunterschied!

Aber, wie schon erwähnt, Polemik ist besser als Wissen!

Wenn sich die selbsternannten Umweltschützer (es ist sicherlich ratsamer dass die Umweltschützer bei ihren Wurzeln, nämlich dem Tierschutz, bleiben) ein bisschen mehr mit der Schiffstechnik auseinandergesetzt hätten, wären sie ganz schnell auf einige Dinge gestoßen wie z.B.: dass man nicht so einfach eine Abgasnachbehandlungsanlage (Scrubber oder / und Katalysator sowie Partikelfilter) nachträglich einbauen kann. Diese ANB’s nehmen sehr viel Platz ein. Ein Katalysator muss nahe dem Antriebsmotor eingebaut werden, ein Scrubber dagegen kann im Schornstein eingebaut werden. Aber Achtung: Scrubber bzw die vom NABU geforderten Partikelfilter, verfügen über ein sehr hohes Gewicht und können im Falle eines Einbaus im Schornstein zu einer Schwerpunktsverlagerung führen! Mal unabhängig davon dass bis zum heutigen Tage weltweit kein Partikelfilter für diese Leistungsgrößen verfügbar ist! Oder möchte der NABU dass die Kreuzfahrtschiffe eine Barge mit Partikelfiltern hinter sich herzieht?!

Natürlich ist alles eine Frage des verwendeten Kraftstoffes. Natürlich ist Schweröl keine langfristige Alternative. Natürlich gibt es emissionsarme Kraftstoffe wie z.B. Methanol oder den zurzeit häufiger eingesetzten gasförmigen Kraftstoff Erdgas / Methan. Eine Erdgasversorgung auf einem Schiff, hier speziell ein Kreuzfahrtschiff, nachträglich einzubauen verbietet sich von selbst: Der notwendige Umbau an den Motoren, wenn überhaupt, ist sehr problematisch und der erforderliche LNG-Tank findet keinen Platz an Bord.

Die deutsche Motorenindustrie unterstützt die Pariser Klimabeschlüsse und das Ziel, bis zum Jahr 2050 die Energienutzung CO2-neutral zu gestalten. „Wir benötigen dafür Rahmenbedingungen, die Alternativen zu konventionellen Antrieben zulassen“ sagen Vertreter der Motorenbauer. Die Industrie hat bereits gezeigt, dass solche Alternativen technisch realisierbar sind: Mit Power-to-Gas- oder Power-to-Liquid-Prozessen lassen sich mittels Strom aus erneuerbarer Energie gasförmige und flüssige synthetische Kraftstoffe herstellen. Diese sind CO2-neutral und verbrennen zudem deutlich sauberer als fossile Energieträger. Der erste Schritt in diese Richtung ist die Nutzung von Methan. Erdgas ist als fossiler Energieträger nicht nur deutlich sauberer als Schweröl, sondern trägt auch zur CO2-Reduktion der Schifffahrt bei. Der verstärkte Einsatz von Methan öffnet außerdem die Türen für die langfristigen Alternativen: Synthetisches Methan aus erneuerbarer Energie (Power-to-Gas) kann die Schifffahrt in Zukunft CO2-neutral antreiben.

Und weiter: “Wir fordern die Politik auf, sich auf internationaler Ebene für eine weitere Absenkung und Harmonisierung von Emissionsgrenzwerten einzusetzen. Die maritime Wirtschaft ist darauf angewiesen, dass der verbesserte Stand der Technik durch international verbindliche Regelungen implementiert wird. Lokal oder regional begrenzte Maßnahmen führen lediglich zu Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der europäischen Industrie und Reeder gleichermaßen – und zu Lasten der Umwelt“.

Der bekannte Schifffahrtsjournalist Herbert Fricke schreibt dazu:

„So hören und lesen alle Deutschen fast alle das Gleiche. Beispiel: der sogenannte „Diesel-Skandal”. Alle reden und schreiben den gleichen extrem einseitigen Unsinn. Es geht nicht mehr darum, dass verantwortungslose Abgas-Ingenieure – offenbar mit Wissen ihrer Vorstände – gepfuscht und betrogen haben. Es geht auch nicht darum, dass in Brüssel EU-Richtwerte festgelegt worden sind, die zum vorgeschriebenen Zeitpunkt technisch noch gar nicht umsetzbar waren. Nein, es geht gleich pauschal gegen „den Diesel”. Eine wahre Medienhysterie greift um sich. Alle schreiben den gleichen anfechtbaren Unsinn. Mein A 4 Diesel verbraucht nachweislich 5,5 Liter pro 100 Kilometer. Mir kann niemand erzählen, dass ein Benziner, der doppelt so viel verbraucht und also auch doppelt so viele Abgase produziert, umweltfreundlicher sei. Übrigens: so manche der Grüninnen, die besonders laut gegen „den Diesel” polemisieren, fahren selbst einen SUV, also ein dreimal fetteres Auto als noch ihre Mütter. Und einen Dienstwagen. Und einen Zweitwagen. Aber besonders wichtig: fast zwei Drittel aller Dieselmotoren arbeiten in Lastwagen. Soll die Versorgung unserer Wirtschaft abgewürgt werden? Die gleichen Politiker, die jetzt gegen „den Diesel” wettern, haben noch vor wenigen Monaten die sogenannten „Giga-Trucks” zugelassen. Haben damit also viel Güterverkehr von der Schiene abgezogen und auf die Straße gebracht. Tolle Polit-Logik!
Kein vernünftiger Mensch kann gegen möglichst saubere Luft sein. Motorenhersteller und Auto-Industrie, Schifffahrt und Luftfahrt arbeiten intensiv an diesem Ziel. Auch und besonders in den Häfen gibt man sich besondere Mühe: Dort wird der Ruß der Kreuzfahrtschiffe schon zu 90 Prozent weggefiltert. Aber Achtung – jeder sollte aufpassen, dass unsere Industrie von dem ziemlich zweifelhaften Abmahnverein „Deutsche Umwelthilfe” und seiner Schwesterpartei „NABU“ nicht in Situationen gedrängt wird, die böse Folgen haben könnten. Ich möchte dieselben wahlkampfgrünen Politikerinnen mal hören, wenn in der deutschen Auto-Industrie die ersten Entlassungs-Wellen kommen. Was sagt Frau Göring-Schrecklich dann? Wenn aus Wolfsburg und Stuttgart und Ingolstadt die ersten Alarmglocken schrillen? „Das haben wir so ja nicht gewollt” – diesen Satz kennen wir alle aus Politikermund. Sie reden und quatschen und fordern, gerade jetzt in diesen Wochen vor der Wahl, was ihnen vermeintlich Stimmen bringen könnte. Schon wenige Wochen nach der Wahl tritt dann eine merkwürdige Vergesslichkeit ein. Medizinisch: Demokratie-Demenz“.

Der NABU tut gut daran etwas mehr Sachlichkeit und Wissen um die Thematik „Schiffstechnik“ an den Tag zu legen, denn bereits heute schon ist das Image der Umweltschützer merklich beschädigt.