„Renewed 2017“: Alle Sicherheitseinrichtungen wurden im 49. Betriebsjahr noch einmal gründlich überholt.

50 Jahre STARWARD

Stolze 50 Jahre wird die ehemalige STARWARD im Jahr 2018 alt. In den 1960er und -70er Jahren war sie für die Norwegian Caribbean Lines (NCL) ein Pionier der damals noch im Entstehen begriffenen amerikanischen Kreuzfahrt-Industrie gewesen. Hat aber seitdem wie durch ein Wunder alle neu hinzukommenden Schiffsgenerationen und Kreuzfahrttrends überdauert.

Die Karriere der AEGEAN QUEEN begann 1968 unter dem Namen STARWARD für die Norwegian Caribbean Lines.

Die Karriere der AEGEAN QUEEN begann 1968 unter dem Namen STARWARD für die Norwegian Caribbean Lines (NCL). © NCL

Die Seebeckwerft in Bremerhaven erhielt 1967 den Auftrag zum Bau des Schiffes, das ein Jahr später als STARWARD abgeliefert werden sollte. Am 27.04.1968 vom Stapel gelaufen und am 21.06. desselben Jahres aufgeschwommen, war das Schiff bei seiner Indienststellung erst das zweite überhaupt in der NCL-Flotte, die bis dahin einzig aus der kleineren SUNWARD bestanden hatte. In den Folgejahren wuchs die Karibik-Flotte der Reederei aber schnell auf vier Schiffe an, als mit SKYWARD (1970) und SOUTHWARD (1972) zwei ähnlich große Einheiten hinzu stießen. Auch die Indienststellung der NORWAY 1980 änderte kaum etwas am Einsatz der STARWARD, die allerdings 1985 einem Großumbau unterzogen wurde. Zehn weitere Jahre blieb die STARWARD dann erstaunlicherweise noch unter NCL-Flagge, als die Konkurrenz längst Mega-Kreuzfahrtschiffe in Fahrt gebracht hatte, welche die Kapazität der kleinen STARWARD um ein Vielfaches überstiegen. Erst als NCL mit der DREAMWARD (1992) und WINDWARD (1993) nachzog, bedeutete dies das Ende des schon jetzt zum Klassiker gewordenen Schiffes bei der mittlerweile als Norwegian Cruise Line firmierenden Reederei.

MAN_6

Verkauft wurde die STARWARD 1995 an die aufstrebende europäische Reederei Festival Cruises, wo das Schiff unter dem neuen Namen BOLERO die zweite Einheit nach der 1994 unter Festival-Flagge in Fahrt gebrachten THE AZUR wurde. Als 1999 der Festival-Neubau MISTRAL in Dienst gestellt wurde, wurde die BOLERO fortan regelmäßig verchartert. 2004 musste Festival Cruises jedoch Insolvenz anmelden, und die BOLERO wurde zwangsversteigert. Ein Käufer fand sich in der libanesischen Reederei Abou Merhi Lines, die das mittlerweile 36 Jahre alte Schiff zwar in ORIENT QUEEN umbenannte und ein weiteres Mal umbaute, es aber nur eine Saison lang (2005) unter eigener Regie einsetzte. Bereits 2006 wurde die ORIENT QUEEN an Louis Cruise Lines weiterverkauft, wo man jedoch den Schiffsnamen und das Fahrtgebiet (Ägäis) beibehielt.

2007 liegt die ehemalige STARWARD als ORIENT QUEEN auf Reede vor Mykonos.

2007 liegt die ehemalige STARWARD als ORIENT QUEEN auf Reede vor Mykonos. © Kai Ortel

Unter Louis-Regie gehörte die ORIENT QUEEN zehn Jahre lang zu den beliebtesten Schiffen und war aufgrund ihrer überschaubaren Größe wie geschaffen für Kreuzfahrten zu den Griechischen Inseln, deren kleine Inselhäfen den Mega-Kreuzfahrtschiffen unserer Tage bis heute oftmals verwehrt bleiben. Allerdings unterzog sich auch die Louis Cruise Line 2014/15 unter dem Druck, größere und modernere Schiffe in Dienst zu stellen, einer Transformation und firmierte ab 2015 unter der Bezeichnung Celestyal Cruises“. Für die 2013 in LOUIS AURA umbenannte ORIENT QUEEN war in der „neuen“ Flotte kein Platz mehr. Zwar war die LOUIS AURA auch zuvor schon regelmäßig verchartert worden, als sie im Besitz der Louis Group war; nach einem Einsatz für Rivages du Monde 2015 fand sich im Jahr 2016 jedoch keine Anschlussverwendung mehr für das Schiff. Dies änderte sich erst wieder durch einen Anruf aus Istanbul, der aus der LOUIS AURA 2017 die AEGEAN QUEEN machte. Der türkische Veranstalter Etstur, der im Vorjahr noch auf die DELPHIN zurückgegriffen hatte, benötigte ein Schiff für sein Sommerprogramm aus Ägäis-Kurzkreuzfahrten ab/bis Çeşme.

Doch wer knapp 50 Jahre nach der Indienststellung der ehemaligen STARWARD einen Seelenverkäufer erwartet hatte, wurde überrascht. Bei einer dreitägigen Kreuzfahrt im Juli haben wir die AEGEAN QUEEN als einen charmanten Schiffsklassiker erlebt, der nicht nur bestens in Schuss, sondern auch überaus beliebt bei seinem überwiegend türkischen Publikum war.

Nichtsdestotrotz ist Etstur Besatzungsangaben zufolge für die Saison 2018 auf der Suche nach einem größeren und moderneren Schiff. Im Sommer seien daher fernöstliche Interessenten an Bord gewesen, die aus der AEGEAN QUEEN ein Kasinoschiff in Südkorea machen wollen. Brancheninformationen zufolge hat jedoch inzwischen auch der polnische Reiseveranstalter Nowa Itaka ein Auge auf das Schiff geworfen. Für sein Programm aus Winterkreuzfahrten auf den Kanarischen Inseln hat das Unternehmen aktuell noch die ebenfalls griechische OCEAN MAJESTY gechartert, für den Sommer 2018 (wenn die OCEAN MAJESTY wieder für Hansa Touristik fährt) sucht man aber nach einem Nachfolgeschiff, das dann in Nord- und Ostsee unterwegs wäre. Interessanterweise ist ein Schiff mit den Abmessungen und der Tonnage der AEGEAN QUEEN für Juli 2018 auch tatsächlich bereits in einem norwegischen Hafen (Aurland Havn) gemeldet, und zwar unter dem Namen OCEAN VIEW. Der wiederum deutet darauf hin, dass die ehemalige STARWARD spätestens dann Teil der Charterflotte von SunStone Ships aus Miami sein wird, deren Schiffsnamen überwiegend mit „Ocean“ beginnen (OCEAN ENDEAVOUR, OCEAN ADVENTURER, OCEAN ATLANTIC, OCEAN DIAMOND).

Die elegante AEGEAN QUEEN 2017 in Etstur-Farben in Piräus.

Die elegante AEGEAN QUEEN 2017 in Etstur-Farben in Piräus. © Kai Ortel

Noch allerdings gehört die AEGEAN QUEEN der griechischen Firma Optimum Ship Management, einer Division der zypriotischen Louis Group mit Sitz in Limassol. Seit März 2011 fährt das Schiff unter Malta-Flagge, doch während am Heck La Valletta als Heimathafen steht, weht am Bug interessanterweise die Flagge der Odessa Shipping Company. Die übernimmt nach eigener Auskunft „Technical Management, ISM Management & Crewing Recommendations“ für diverse kleinere und größere Kreuzfahrt-Reedereien, so auch für Etstur. Und ist gleichzeitig auch Eignerin der SunStone-Schiffe OCEAN ENDEAVOUR und OCEAN ATLANTIC, womit sich dieser Kreis auf schöne Weise schließt.

Seit dem 03.10. liegt die AEGEAN QUEEN in Kinosoura (Kynosaura) auf, unweit der Zentrale ihres (Noch-)Eigentümers und wartet mit einer Rumpfbesatzung auf ein Zeichen, wohin die nächste bzw. die letzte Reise gehen soll. Auf die Schrottwerft im türkischen Aliaga? Nach Südkorea für einen Umbau zum Kasinoschiff? Oder, spätestens im Frühjahr 2018, gen Norden, um dort mit zahlenden Gästen und unter dem neuen Namen OCEAN VIEW in See zu stechen? Es wäre nicht der letzte Namens- und Eignerwechsel in der 50jährigen Historie dieses Kreuzfahrtschiffes der ersten Stunde.

Technische Daten MS AEGEAN QUEEN:

Größe : 15.781 BRZ
Länge : 160,13 Meter
Breite : 22,81 Meter
Tiefgang : 6,22 Meter
Decks : 11 (davon 7 Passagierdecks)
Baujahr : 1968
Ex-Namen : STARWARD -95, BOLERO -04, ORIENT QUEEN -13, LOUIS AURA -17
Bauwerft : Seebeckwerft (AG Weser), Bremerhaven
Antrieb : zwei 16-Zylinder MAN-Diesel, 12.960 kW
Geschwindigkeit : maximal 21 Knoten
Flagge : Malta
Heimathafen : La Valletta
Besatzung : 350
Passagiere : 928
Kabinen : 378
Bordsprache : Türkisch, Englisch

www.etstur.com