Produktion der Firma Geislinger in Bad Sankt Leonhard. © Geislinger

Österreichische Technik für Offshore Windkraft-Ausbau in Europa

Große Zukunft für Windkraft- und Sonnenenergie auch in Österreich

Österreich als Hochtechnologieland kann auch im Bereich der Offshore-Technik am Weltmarkt, darunter beim Ausbau der Windkraft im Meer, ganz vorne mitspielen. Vier Unternehmen in Österreich produzieren und liefern technische Bestandteile für Windräder am Meer:

So sind in mehr als der Hälfte der 2017 errichteten Offshore-Windräder Kräne des Salzburger Unternehmens PALFINGER installiert. In einem Viertel der Windräder am Meer steckt eine der vom Unternehmen GEISLINGER in Bad St. Leonhard (Bundesland Kärnten) produzierten Kupplungen. Das SIEMENS-TRANSFORMATORENWERK in Weiz (Steiermark, nordöstlich von Graz) ist der weltweit größte Produktionsstandort von Transformatoren auch für schlüsselfertige Offshore-Windparks und bei einem Marktanteil von rund 80 Prozent Marktführer in dieser Branche. Und im Werk Zurndorf (Burgenland, an der Verkehrsachse Wien-Budapest gelegen) des deutschen Windkraftanlagenherstellers ENERCON, dem größten seiner Art außerhalb Deutschlands und ein bedeutender Arbeitgeber für die Region, werden Betonfertigteile für Windradtürme produziert.

PALFINGER-Kran auf Offshore-Windrad. © PALFINGER

PALFINGER-Kran auf Offshore-Windrad. © PALFINGER

Auch wenn 2017 der Ausbau der Windkraft im Meer in Europa in begrüßenswerter Weise und 50 Prozent gesteigert werden konnte (weil einige Windparks auch sog. Einspeisungstarife bekommen konnten), gibt es nach den Worten des Geschäftsführers der IG Windkraft, Stefan Moidl, große Unsicherheiten für die Zukunft, weshalb er von der österreichischen Regierung starken Rückenwind für erneuerbare Energien in Europa erhofft. Für das laufende Jahr 2018 und für 2019 sind Projekte noch gesichert. Doch sind nach Angaben von Giles Dickson, Geschäftsführer des europäischen Windenergie-Dachverbandes, trotz des Ausbaurekordes 2017 die Investitionen im Offshore-Segment von 18,2 Mrd. Euro um 60 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro eingebrochen, teilweise als Folge stark gefallener Kosten , aber auch durch den Umstieg auf Ausschreibungen bei Förderungen. Als Folge letzterer versuchen viele Betreiber, ihre Projekte noch schnell in bestehenden Fördersystemen zu verwirklichen. Deshalb verlangte Moidl, Europa müsse rasch zu stabilen Rahmenbedingungen zurückkehren. Zurzeit werden die wesentlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau von erneuerbaren Energien in der EU neu festgelegt, weswegen auch Länder wie Österreich Nachteile beim Ausbau der Windenergie durch eine verunsicherte Windbranche zu erwarten hätten. So wie sich das Europäische Parlament für eine Erhöhung des erneuerbaren Energiezieles bis 2030 von 27 auf zumindest 35 Prozent ausgesprochen habe, müsse sich auch Österreich für eine Erhöhung des Zieles einsetzen.

Windenergie ist eine der saubersten, sichersten und umweltfreundlichsten Form der Stromgewinnung und wird künftig neben der Sonnenenergie die wichtigste Technik zur Stromerzeugung sein. Keine andere Technik produziert bei der Stromgewinnung so wenige Abgase und ist darüber hinaus auch wieder rückstandfrei abbaubar. Im Gegensatz zu Kohle- und Atomkraftwerken produzieren Windkraftanlagen Strom, ohne dabei Ressourcen zu verbrauchen oder zu verschmutzen – entscheidende Schritte in Richtung Klimaschutz.

2017 wurden in der EU 15.690 Megawatt (MW) neue Windkraftleistung installiert. Die gesamte installierte Leistung von 169.300 MW konnte 2017 12 Prozent des Stromverbrauches in der EU decken. 2016 war die weltweite Windkraftleistung mit 54.600 MW trotz der Wirtschaftsflaute gewachsen und bei einem Gesamtbestand von weltweit rund 487.000MW angelangt.

Auch in Österreich trägt die Windenergie zur positiven Entwicklung der Volkswirtschaft bei. Ende 2017 erzeugten 1260 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2844 MW sauberen und umweltfreundlichen Strom für über 1,75 Mill. Haushalte – mehr als 46 Prozent aller österreichischen Haushalte. Rund 5500 Menschen in Österreich haben einen Arbeitsplatz, der mit der Produktion von Windenergie zu tun hat. Denn viele lokale Unternehmen profitieren von der Errichtung von Windrädern: bei der Kabelverlegung, beim Fundamentbau, bei Elektroinstallationen, beim Aufbau der Windräder und in der Folge deren Wartung.

Die Wiener Regierung hegt den Wunsch, dass 2030 die gesamte elektrische Energie im Land ausschließlich aus Wasserkraft, Wind und Sonne stammen soll, was demnächst in der heimischen Energiestrategie niedergelegt werden soll. Der Energieexperte und Präsident von Österreichs Energie, Leonhard Schitter, wies kürzlich darauf hin, dass für das entsprechende Kraftwerksbauprogramm rund 50 Mrd. Euro erforderlich sein werden. Dabei gingen die Stromversorger gar nicht von 100 Prozent erneuerbarer Energie im Jahr 2030 aus, ihren Schätzungen zufolge dürfte sich in dem betreffenden Jahr der Ökostromanteil bei etwa 85 Prozent liegen.

Für die Stromerzeugung, so Schitter, würden auch Gaskraftwerke benötigt, um Schwankungen der Stromerzeugung von Sonne und Wind auszugleichen. Auch 85 Prozent  bedeuteten eine riesige Anstrengung der Branche, denn es müsste eineinhalb mal so viel Strom wie alle elf österreichischen Donaukraftwerke zusammen produziert werden und in den nur 12 Jahren bis 2030 neu an Erzeugungskapazitäten dazugebaut werden – was etwa einem Drittel des derzeitigen österreichischen Bedarfes an elektrischer Energie entspreche.

Neue Wasserkraftwerke, vor allem im gebirgigen Westen Österreichs, sollen ein Drittel dieses Zusatzbedarfes decken. Ein weiteres Drittel soll auf rasch zu errichtende Windparks entfallen, das restliche Drittel soll aus Fotovoltaik-Anlagen kommen. Bei der Ökostromförderung setzte sich Schitter für die Umstellung vom System fixer Einspeisungstarife auf Ausschreibungen ein – der günstigste und effizienteste Anbieter müsse zum Zug kommen. Auf Strom allein soll die Energiewende nicht beschränkt bleiben, die E-Wirtschaft fordert die Einbeziehung des Verkehrs und der Raumwärme, was ebenfalls Mega-Investitionen erfordere.

Im Folgenden  ein Überblick über die Windenergieerzeugung in vier Bundesländern Österreichs:

Das BURGENLAND gilt als Vorzeigeregion für den Ausbau der Windkraft. Noch vor wenigen Jahren musste der gesamte benötigte Strom importiert werden. 2006 wurde im Landtag beschlossen, voll auf Windenergie zu setzen. Bereits 2013 konnte mehr Windstrom erzeugt werden, als das ganze Bundesland insgesamt an Strom verbraucht. So ist das Burgenland vom Stromimporteur zum –exporteur geworden, wovon große Verbraucherzentren wie Wien profitieren. Ende 2017 produzierten 426 Windkraftwerke im Burgenland 1026 MW Strom, die jährliche Windstromerzeugung (wenn alle Windkraftwerke am Netz sind) lag bei über 2,2 Mrd. Kilowattstunden  (KWh).

In OBERÖSTERREICH gingen 1996 zwei der größten Anlagen in Betrieb, denen erst 2014 weitere fünf Anlagen folgten. 2016 gab es dort 11 Windparks und einzeln stehende Windräder, zusammen 28 Anlagen mit einer Gesamt-Nennleistung von etwa 40 MW und einer jährlichen Stromerzeugung von etwa 72 Gigawattstunden.

Die STEIERMARK verfügte (Stand 2015) über 10 Windparks und einzeln stehende größere Windräder, zusammen etwa 60 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von etwa 120 MW. Das Land liegt sowohl bei der Anzahl installierter Anlagen, wie auch der Windkraftleistung deutlich hinter NIEDERÖSTERREICH, das 2013 400 Anlagen mit einer Gesamt-Nennleistung von 700 MW zählte und damit in Österreich an der Spitze steht, und dem Burgenland auf Platz 3 in Österreich. Insgesamt wird nur etwa ein Prozent des Bedarfes der Steiermark in Form von Windenergie produziert, während die hier traditionell gut vertretenen Kleinwasserkraftwerke das 20-fache produzieren. Nach Schätzungen könnte aber die Windenergieleistung des Bundeslandes verdoppelt bis verdreifacht werden.