Die Bebunkerung der „Wes Amelie“ mit LNG erfolgt in der Regel gleichzeitig von zwei Lkw aus.

Positive Bilanz für umgebaute „Wes Amelie”

Ship-to-Ship soll Truck-to-Ship beim LNG-Bunkern ablösen – Reederei Wessels möchte weitere Schiffe umrüsten 

Am 2. Mai 2018 war wie folgt im THB zu lesen: „Seit gut einem halben Jahr ist das auf LNG-Betrieb umgebaute 1000-TEU-Containerschiff „Wes Amelie“ im Einsatz. Die Reederei Wessels aus Haren an der Ems hat jetzt im Gespräch mit dem THB ein erstes, positives Fazit gezogen. Der Frachter pendelt in einer Unifeeder-Charter regelmäßig zwischen verschiedenen Nord- und Ostseehäfen und verbrennt dabei seit Ende Oktober vergangenen Jahres ausschließlich Flüssigerdgas (LNG). „Die praktikable wasserseitige Bebunkerung, also Ship-to-Ship, die wir ursprünglich schon zur Inbetriebnahme der „Wes Amelie“ angedacht hatten, stand und steht auch heute leider noch nicht zur Verfügung“, bedauert Christian P. Hoepfner. „Hier improvisieren wir derzeit noch mit einer Truck-to-Ship-Lösung am GATE-Terminal im Rotterdamer Prins Willem Alexanderhaven, die jedoch einwandfrei funktioniert“, so der Prokurist der Reederei Wessels.

Emissionen im Vergleich

Emissionen im Vergleich. © Wessels Reederei

Zunächst fuhr die „Wes Amelie“ noch im September und Oktober 2017 abwechselnd mit LNG und Marinediesel (MGO), wobei LNG nach Angaben der Reederei vorzugsweise in den sehr küstennahen Bereichen, dem Nord-Ostsee-Kanal sowie in den Häfen eingesetzt wurde.

Soweit die Technik – doch wie steht es um die Vorteile für die Umwelt? „Die Emissionsreduzierungen aus dem Wechsel von konventionellem Treibstoff zu LNG können sich wirklich sehen lassen“, freut sich Hoepfner. In Zusammenarbeit mit dem Motorenhersteller MAN Diesel & Turbo hat die Reederei den Schadstoffausstoß zwischen dem realen LNG- und dem alternativen MGO-Betrieb auf der „Wes Amelie“ verglichen. Die Emissionsermittlungen berücksichtigten einen Verbrauch von 1350 Tonnen LNG und eine gleichmäßige Maschinenlastannahme von 85 Prozent bei einer Dienstgeschwindigkeit von 17 Knoten.

Die Berechnungen der einzelnen Werte basierten zudem auf Prüfstandergebnissen eines baugleichen Hauptmotors. Im angenäherten Ergebnis kommen Wessels und MANauf Einsparungen von rund 87 Prozent bei Stickoxiden, 31 Prozent bei Kohlenstoffdioxid, 95 Prozent bei Schwefeldioxiden und 84 Prozent bei den Rußpartikeln. Zur Ermittlung der realen Reduzierung der Treibhausgase durch den LNG-Betrieb müsse die CO2-Reduzierung mit der CH4-Emission aus dem so genannten Methanschlupf im LNG-Betrieb verrechnet werden, so Rainer Runde, technischer Projektleiter der Reederei: „Daraus ergibt sich unter dem Strich jedoch immer noch eine positive CO2-Bilanz von 263,5 Tonnen. Dies entspricht einer Reduzierung der CO2-Emission unter Berücksichtigung des Methanschlupfes im LNGBetrieb von 5,16 Prozent. Die Berechnungen zeigen, dass der momentan technisch noch nicht zu vermeidende Methanschlupf, bei dem unverbranntes Methan in die Atmosphäre freigesetzt wird, durch die Reduzierung der Kohlenstoffdioxidemission überkompensiert wird. Die Treibhausgasbilanz ist somit absolut positiv.“

Mittlerweile fährt die „Wes Amelie“ permanent von Pier zu Pier, also einschließlich der Revierfahrten in den Häfen und der regelmäßigen Nord-Ostsee-Kanalpassagen, im LNG-Betrieb. Auch aus technischer Sicht mit positiver Bilanz, wie Runde betont: „Hier und da mussten wir anfänglich noch die Sensorik nachjustieren und einige Ablaufprozesse optimieren. Grundsätzlich arbeitet das System von Beginn an sicher und zuverlässig.“

Den LNG-Tank (grün) baute die Werft im Vorschiff ein.

Den LNG-Tank (grün) baute die Werft im Vorschiff ein. Hier ergaben sich die geringsten Stellplatzverluste.© Wessels Reederei