Brueckenkran mit Containern im Hafen Wien.

2017: Ein gutes Jahr für den Wiener Donauhafen

Erfreuliche Entwicklung auch beim Gütertransport auf dem Donau-Wasserweg

Weltweit ist ein Boom an Kreuzfahrten zu registrieren: Auf den Meeren sind immer mehr und größere „Hotelpaläste“ unterwegs, auf den Flüssen, so auch auf der Donau, immer mehr Personenschiffe, so dass 2017 im Wiener Hafen  schon mehr Kabinen- als Lastschiffe abgefertigt wurden. Rund 2.300 Kreuzfahrtschiffe mit über 345.000 Passagieren an Bord hatten in diesem Jahr im Wiener Bereich der Donau angelegt, wie zuständige Beamte der Stadtverwaltung kürzlich betonten.

Die Hauptanlegestellen für Personenschiffe in Wien befinden sich bei der Reichsbrücke, wo in den letzten Jahren umfangreiche Modernisierungen erfolgt waren, sowie weiter nordwestlich in Nussdorf im 19. Wiener Gemeindebezirk. Dort ist wiederholt über eine Verlegung der hier privat betriebenen Schiffstation nachgedacht worden. Zuständige Beamte betonten aber das Interesse der lokalen Wirtschaft an der Beibehaltung der Schiffstation, da in Nussdorf im Jahresdurchschnitt rund 130.000 Menschen von Bord gehen, die der Wirtschaft „Kunden und Frequenz“, also Geld bringen. Auch ist dort viel in die Infrastruktur investiert worden. Jetzt ist die Anlage eines Radweges am dortigen Donauufer geplant, im Nahbereich der Anlegestellen sollen zusätzliche Parkplätze geschaffen werden. Jetzt gibt es auch Überlegungen zuständiger Beamter über eine dritte Schiffsanlegestelle in Wien.

Die von Wien ausgehenden Donau-Kreuzfahrten gehen stromaufwärts vor allem als Ausflugsfahrten in das Donautal Wachau – seit der Jahrhundert- bzw. Jahrtausendwende UNESCO-Weltkulturerbe. Über Passau, Regensburg und den Rhein-Main-Donau-Kanal kann man auf dem Wasserweg rheinabwärts bis in die Niederlande, rheinaufwärts bis Basel und den Nebenfluss Mosel aufwärts bis Trier gelangen. Donauabwärts sind von Wien aus Budapest, Belgrad, die berühmte Donauenge des „Eisernen Tores“ und das Naturparadies Donaudelta Kreuzfahrtziele. Dazu sind seit Kurzem auch Fahrten auf dem Nebenfluss Save von Belgrad bis in das kroatische Sisak (und umgekehrt) gekommen – vor allem in den Monaten, wo die Save infolge der Schneeschmelze in den Alpen und in den Dinariden ausgiebig Wasser führt.

Inzwischen hat die 13. Saison der Twin City Liner Katamaran-Verbindung zwischen Wien und der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Pressburg) begonnen, auf der seit ihrem Start 2006 rund 1,4 Millionen Passagiere unterwegs waren. Zählte man 2016 hier 125.000 Passagiere bei einer Auslastung von über 80 Prozent, waren diese Zahlen 2017 auf rund 147.000 Passagiere und die Auslastung auf rund 86 Prozent gestiegen.

Auch sonst entwickelt sich der Wiener Donauhafen immer mehr zu einer „Wirtschaftsdrehscheibe“. Der Rekordumsatz von 2016 hat sich 2017 mit 58,1 Mill. Euro um 2,3 Prozent verbessert, das Ergebnis bei Steuern lag 2017 bei rund 14,8 Mill. Euro (plus 16,5 Prozent gegenüber 2016).

2017 haben Frachtschiffe auf dem 350 km langen österreichischen Donauabschnitt Güter mit einer Gesamtmenge von 9,6 Mill. Tonnen befördert,  um sechs Prozent mehr als 2016. Zwischen Passau und Hainburg gab es 2017 mehr als 8900 beladene Fahrten (plus 500 Fahrten oder 5,7 Prozent mehr als 2016) – und all dies trotz schwerer Behinderung der gesamten Donauschifffahrt im Jänner und Februar 2017 durch extreme Winterkälte und Vereisung des Stromes.

Im Jahr 2017 wurden im Wiener Hafen 18,5 Mill. Euro investiert (Verdoppelung gegenüber den 7,9 Mill. Euro 2016). Neben dem Ausbau des Hochwasserschutzes in den Teilhäfen Freudenau und Albern wurden an der Hafenkante Wien drei große Firmen und zwei Lager für weitere Firmen angesiedelt.

Andere Investitionen der letzten Jahre betrafen das Schwergutzentrum in Albern (4000 qm), einen neuen Hafenmobilkran (Gewicht 240 Tonnen), Erweiterung der Nutzfläche um 35.000 qm, neue Photovoltaikanlage auf dem Dach des Autolagerhauses (liefert 290.000 KWh pro Jahr), sowie Umbauten bzw. Sanierungen von Umschlagsflächen und Gebäuden.

Und so stellt der Hafen Wien mit seinen drei Güterhäfen Freudenau, Albern und Lobau einen multifunktionalen Dienstleistungsbetrieb und das größte Logistikzentrum im Osten Österreichs dar, dem modernste Technologien und erfahrene Mitarbeiter zur Verfügung stehen und der durch seine optimale Anbindung an die Verkehrsträger Schiff/Bahn/Straße und die Nähe zum Wiener Flughafen zu einer leistungsfähigen Schnittstelle internationaler Handels- und Transportwege geworden ist. Im Hafen Lobau gelangt flüssiges Massengut (Treibstoffe, Heizöl) zur Verladung, Stück- und Schüttgüter, sowie Projektsendungen werden im Hafen Freudenau umgeschlagen. Albern dient als Umschlagplatz für Agrarprodukte, Baustoffe und Stahl mit einer für die Bauwirtschaft bestmöglichen Infrastruktur.

Hier einige eindrucksvolle Infrastrukturzahlen des Wiener Hafens für 2017: Gesamtfläche 300 ha, Kailänge 5000 m, Krananlagen 84 Tonnen, Schwerlastumschlag bis zu 450 t, gedeckte Lagerflächen 70.000 qm, Rohstoffhallen für 36.000 t, Freilagenflächen 200.000 qm. Der Autoterminal umfasst 7000 PKW-Stellplätze im Freilager und 2000 Stellplätze im Autolagerhaus. Zahlen für Containern: Containerterminal 9000 TEU (Stellplätze), abgefertigte Container 403.000 TEU. Der Hafen verfügt vier ganzzugslange Gleise mit je 700 m.

Die Förderung von Betriebsansiedlungen ist ein weiteres Bestreben der Wien Holding, der der Hafen untersteht. Ein wichtiges Projekt mit diesem Ziel nennt sich HQ7 zur Schaffung von weiteren Lagerflächen. Zuletzt zählte man insgesamt 100 Unternehmen auf dem Hafengelände mit rund 5000 Arbeitsplätzen.

Die Innovationswerkstatt „thinkport Vienna“ wurde 2017 vom Hafen Wien und der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) gegründet. Sie verfolgt das Ziel, güterlogistische Innovationen in Wien zu entwickeln, zu testen und umzusetzen. Dafür wurde der Hafen Wien mit seinem großen Areal als Testgelände ideal empfunden. So hatte kürzlich im Rahmen des Wien-Besuches der EU-Kommissarin für Verkehr, Violeta Bulc, erstmals ein Testlauf eines autonom fahrenden Elektrofahrzeugs mit Advanced-Driver-Assistance-Function des VIRTUAL VEHICLE Research Centers auf diesem Testgelände stattgefunden (Kurvenfahren, Bremsen und Ausweichen ohne menschliche Lenker). Weiterhin wurden zwei innovative Fahrzeuge für die urbane Zustellung (konzipiert von der Rock’n Rolla Rental Concept GmbH) vorgestellt und getestet.

Je nach Batterietyp mit einer Reichweite von bis zu 120 km und einer Zuladungskapazität von 230 kg ausgestattet, würden sie sich als betriebliche Lieferfahrzeuge eignen.