Hörnum – Hollands Muschelhochburg mit Hafenproblemen

Muschelfischer sind besorgt über den Verfall der Hafenanlagen

Hörnums Muschelfischer stammen aus den Niederlanden. Im zweiten Weltkrieg haben unsere westlichen Nachbarn uns beigebracht wie man Muscheln züchtet. Die Niederländer blieben und teilen sich heute mit drei Firmen sieben Lizenzen.

Muschelfischerei
Durch besonders nachhaltige Muschelfischerei tragen Original Sylter Muscheln als erste Bodenkultur-Muscheln überhaupt in Deutschland neben dem MSC-Siegel auch das Bio-Zertifikat. © P.Pospiech

Der Sprecher der Erzeugergemeinschaft der schleswig-holsteinischen Muschelfischer, Peter Ewaldsen, anlässlich der diesjährigen Eröffnung der Muschelsaison 2018/2019 an Bord der MS KOI in Hörnum: “Schleswig-Holsteins Muschelfischer starten mit verhaltenem Optimismus in die neue Saison. In diesem Jahr dürfte der durchschnittliche Erzeugererlös des vergangenen Jahres zwar noch überschritten werden. Allerdings wird die Anlandemenge geringer sein. Bei guter Muschelqualität und entsprechenden Preisen könne auch eine geringe Produktionsmenge wirtschaftlich auskömmlich sein“, meinte er “Hierauf setzen die hiesigen Muschelfischer ihre Erwartungen.”

Die Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien, erfuhren während eines Demonstrationsfischens, wie die Arbeit an Muschelkulturen und Anlagen zur Gewinnung von Saatmuscheln aussieht.

Entwicklungsmöglichkeiten der Muschelfischer, die 2017 rund 15 500 Tonnen an Land zogen und dabei einen Gewinn von 22 Mio EUR erzielten, seien durch den Naturschutz aber stark eingeschränkt. “So sind zum Beispiel seit 2017 rund 87 Prozent des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer für die Miesmuschelfischerei gesperrt”, erklärte Ewaldsen. “Von den verbleibenden 13 Prozent kann faktisch nur etwa ein Prozent genutzt werden.”

Entsprechend dem am 4. April 2017 geschlossenem „Muschelfriedensvertrag“ besteht die Muschelkulturfläche einschließlich der Flächen der Saatmuschelgewinnungsanlagen heute nur noch 1.700 ha (vorher 2.300 ha). An diesen Anlagen setzen sich Muschellarven fest und reifen etwa ein Jahr. Danach werden sie auf die Kulturen aufgebracht. 2018 könnte eine auskömmliche Saison für die Muschelfischer werden, lautet Peter Ewaldsens Prognose. “Momentan drängt auch Holland mit seinen Muscheln auf den Markt. Die Menge und die Qualität bestimmen den Preis natürlich mit. Zwischen 1,50 und 2 Euro das Kilo dürften aber drin sein. Es kann allerdings auch sein, dass der Preis höher oder niedriger liegt”.

In diesem Jahr war ein weiteres wesentliches Thema während der Veranstaltung der bedenkliche Zustand der Hörnumer Hafenanlagen in den Mittelpunkt gerückt. Der zerbröselt mehr und mehr und ist aus Sicherheitsgründen bereits an etlichen Stellen komplett gesperrt. So sind Nord- und Südmole so marode, dass die keiner mehr betreten darf, bestätigt das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Tönning.

Peter-Harry Carstensen (li) und Adriaan Leuschel
Peter-Harry Carstensen (li) und Adriaan Leuschel: „Nährstoffreiches Wasser, viel Sonne – die Bedingungen vor Sylt sind ideal und sorgen für besonders große Muscheln mit einem rekordverdächtigen Fleischanteil von bis zu 30 Prozent“. © P.Pospiech

Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Dr. Peter-Harry Carstensen, erklärt dazu: „Der Hörnum Hafen hat sich in den letzten 20 Jahren aus logistischen Gründen zum einzigen Umschlagplatz für schleswig-holsteinische Muscheln entwickelt. Am Bestand und der Fortentwicklung dieses Hafens hat die Muschelfischerei großes Interesse. Ohne diesen Hafen wäre die hiesige Muschelfischerei aus logistischen Gründen kaum noch überlebensfähig.

Nachdem sich die Bundesrepublik Deutschland, als Eigentümerin des Hafens, entschlossen hat, sich von dem mit einem Reparaturstau von etwa 10 Mio. € belasteten Hafen zu trennen, hat sich eine Nutzergruppe um die Gemeinde Hörnum herum gebildet, um Bau-und Finanzierungsvorschläge für einen Erhalt und Ausbau des Hörnumer Hafens zu entwickeln“.

Und Peter Ewaldsen unterstreicht Carstensens Erklärung zur Wichtigkeit des Hafens für die Muschelfischer die im wesentlichen aus sieben Betrieben bestehen: „Sie verfügen über acht, etwa 50 Meter lange Schiffe, die vor Hörnum überwiegend Miesmuscheln fangen. Die Fänge werden an Bord gewaschen und in Big-Packs vom Hafenkran an Land gehievt und in Kühllaster verstaut. Tausend LKW seien in 2017 von der Sylt nach Zeeland in den Niederlanden gefahren worden, zur internationalen Börse für die Vermarktung. Bis zu 80 Arbeitsplätze biete die Fischerei direkt, aber es gelte auch das vor- und nachgelagerte Gewerbe zu bedenken“.

 

Dipl. -Ing. Peter Pospiech
Redaktionsleitung bei VEUS-Shipping.com mit Schwerpunkt Schiffsbetriebstechnik, Transport, Logistik, Schiffahrt, Hafen und dem weitreichenden Thema Umweltschutz sowie gesetzliche Auflagen für Antriebsmaschinen.

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