Unterschätzte Gefahren auf der Donau

Die Kollision zweier Schiffe in den Abendstunden des 29. Mai 2019 auf der Donau im Stadtgebiet von Budapest nahe der Margaretenbrücke – das Ausflugsschiff HABLEANY („NIXE“) war in den Abendstunden mit dem Flusskreuzfahrtschiff VIKING SIGYN zusammengestoßen und sofort gesunken – wirft einmal mehr das Licht auf die oft unterschätzte Gefährlichkeit der Donau in einer Zeit, da Fahrgastzahlen von Linien- und Ausflugsschiffen in ständigem Steigen begriffen sind.

An Bord der HABLEANY befanden sich 33 Urlauber aus Südkorea und zwei ungarische Besatzungsmitglieder. Sieben Touristen konnten aus der Donau, die nach Regenfällen einen erhöhten Wasserstand, trübes Wasser und starke Strömung aufwies, geborgen werden. Mindestens 24 Personen starben, vier wurden zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Meldung (Ende Juni) noch vermisst. Der ukrainische Kapitän der nur geringfügig beschädigten VIKING SIGYN, an deren Bord keine Menschen zu Schaden kamen, wurde festgenommen. Ihm wirft die ungarische Staatsanwaltschaft Gefährdung des Flussverkehrs  mit massenhafter Todesfolge vor. Das Wrack der HABLEANY konnte inzwischen geborgen werden.

Schifffahrtsexperten sprachen von einer Katastrophe, die nicht völlig unerwartet kam. Donau-Schiffstouren im Stadtgebiet von Budapest sind sehr beliebt, vor allem weil in den Abendstunden die Beleuchtung einiger Hauptsehenswürdigkeiten wie Parlament, Burg von Buda und die berühmte Kettenbrücke (Szechenyi hid) besondere Anziehungskraft ausüben. Das hat in letzter Zeit zu einem erheblichen Verkehrsaufkommen auf der Donau geführt. Kleinere Ausflugsschiffe laufen dabei Gefahr, bei Wendemanöver in die Spur größerer Kreuzfahrtschiffe zu geraten, die sich schwerer manövrieren lassen.

Auf dem österreichischen Donauabschnitt wurde die Zahl der bisherigen Schiffsunfälle als „überschaubar“ bezeichnet, es gab in den letzten Jahren laut Schifffahrtsbehörde nur ganz wenige Todesfälle und Verletzte bei derartigen Unfällen. Der schwerste trug sich im Oktober 1966 zu, als das slowakische Schubschiff DUMBIER bei Hochwasser gegen eine Stauwehr gedrückt und dort von Wassermassen regelrecht zermalmt wurde. Acht der neun Besatzungsmitglieder fanden damals den Tod.

Obwohl jährlich rund 10.000 Schiffe den österreichischen Donauabschnitt passieren, gab es 2018 nur 12 Unfälle. Einige Zwischenfälle der letzten Jahre bleiben aber in Erinnerung, so der Zusammenstoß zweier Ausflugsschiffe in der Wachau anlässlich der Sonnenwende im Juni 2006, weil sich das Steuerruder eines Raddampfers verklemmt hatte. Daraufhin wurden die Sicherheitsbestimmungen für künftige Sonnwendfahrten beträchtlich verschärft. Im Juli 2017 war die Sauna auf einem Donau-Kreuzfahrtschiff ebenfalls in der Wachau in Brand geraten, die Feuerwehr musste 190 Passagiere bergen. Acht Passagiere hatten Rauchgasvergiftungen erlitten. Die plötzliche Ohnmacht des Kapitäns war die Ursache, dass im Dezember 2005 ein Schubschiff den Brückenpfeiler der Kremser Eisenbahnbrücke  rammte, so dass die Brücke zwecks Reparatur für Monate gesperrt werden musste. Im August desselben Jahres waren bei der Wiener Reichsbrücke fünf Schiffe kollidiert, Personen waren aber nicht zu Schaden gekommen.

Der 38 km lange Wachau-Donauabschnitt zählt nach Schifffahrts- Aufsichtsagenten tatsächlich zu den gefährlichsten Bereichen des gesamten Stroms. Zwischen Melk und Kremsbergen die hohe Flussgeschwindigkeit des Wassers, die hohe Schiffsfrequenz und oft unerfahrene ausländische Schiffsführer die größten Risiken. Die trotzdem niedrige Unfallhäufung wird auf die strengen Kontrollen von Befähigung der Besatzung, technischem Zustand der Schiffe und laufende Verkehrsleitungsmaßnahmen seitens der obersten Schifffahrtsaufsicht zurückgeführt