Die neue ATAIR kurz vor ihrer Taufe.

Ein neuer Stern am Schifffahrtshimmel

Das neue Forschungsschiff hat seinen Namen anläßlich der durchgeführten traditionellen Taufe Ende September erhalten: Benannt nach dem Stern Altair im Sternbild Adler, wurde der Neubau von der Taufpatin, Frau Dr. Elke Ferlemann, auf den Namen ATAIR, gleich mit dem ersten Wurf der obligatorischen Champagnerflasche geglückt, getauft. Wenn das kein gutes Omen ist….

Schiffstaufe ATAIR
Die Taufe ist gleich mit dem ersten Wurf der obligatorischen Champagnerflasche geglückt. © P.Pospiech

Die 1987 in Dienst gestellte ATAIR wird mit einem hochmodernen Schiff abgelöst, das den höchsten Umweltanforderungen entspricht. Die neue ATAIR ist weltweit das erste seegängige Behördenschiff für Spezialaufgaben mit einem teilweisen umweltfreundlichen Erdgas-Antrieb. Sie ist zudem besonders leise. Der Neubau wird in der Fassmer-Werft in Berne/Niedersachsen gebaut und 2020 in den Dienst gehen. Das neue Forschungsschiff misst 75 m Länge und rund 17 m Breite. 18 Mann Besatzung und 15 Wissenschaftler können bald mit einem hochmodernen Schiff auf Forschungseinsätze gehen. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von rund 13 kn, muss dabei aber stabil und ruhig fahren und zugleich wendig sein. Sie gehört damit zu den mittelgroßen Forschungsschiffen weltweit. Gleichzeitig ist sie damit das größte Schiff der BSH-Flotte (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie).

Aufgaben des Schiffes

Werftchef Harald Fassmer
Werftchef Harald Fassmer: Etwa 300.000 Konstruktionsstunden seine in den Neubau geflossen. © P.Pospiech

Das neue Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff (VWFS) wird zum einen die bisherigen Aufgaben der derzeit in Fahrt befindlichen ATAIR in der Wracksuche und der Seevermessung übernehmen und zusätzlich die, derzeit aufgrund zeitweiser, Charterung von anderen Forschungsschiffen zu erledigenden meereskundlichen Messfahrten des BSH durchführen. Das Schiff wird in Nord- und Ostsee sowie im Nordostatlantik unterwegs sein. Als Forschungsschiff ist es ein fahrendes wissenschaftliches Labor und übernimmt Aufgaben unter anderem in der Geologie, der Ozeanographie und in der Entwicklung und Prüfung von technischen Schiffsausrüstungen. Die ATAIR wird künftig auch im Einsatz sein, wenn neue Techniken zum Beispiel im Bereich von E-Navigation und smart shipping entwickelt und geprüft werden.

Der Antrieb

Maschinenraum ATAIR
Auch im Maschinenraum wird noch heftig gearbeitet bis das Schiff im 1.Quartal 2020 abgeliefert werden kann. © P.Pospiech

Das Schiff ist mit einem diesel-gaselektrischen Antrieb ausgerüstet. Für die Stromerzeugung stehen zwei Wärtsilä Sechszylinder-Dual-Fuel-Motoren (Typ: 6L20 DF) mit jeweils 960 kW Leistung zur Verfügung. Die beiden Motoren können mit umweltfreundlichem Erdgas, aber auch mit Dieselkraftstoff betrieben werden. Zusätzlich steht ein Sechszylinder-Dieselmotor von Wärtsilä (Typ: 6L20) mit 1200 kW Leistung zur Verfügung. Mit diesen Motoren werden die Abgasvorschriften gemäß TIER III sowie der EPA TIER IV erfüllt. Die Motoren sind elastisch gelagert, um die Unterwassergeräusche im Wasser zu minimieren (DNV Silent Class Notation – SILENT R). Der siebenblättrige Propeller (trägt ebenfalls zur Geräuschreduzierung bei) wird von einem Elektromotor mit 1600 kW Leistung angetrieben. Das Schiff erreicht eine Geschwindigkeit von rund 13 kn.

Der Neubau ist mit jeweils einem elektrisch angetriebenen Querstrahlruder (Vorschiff) mit 330 kW Leistung und Querstrahlruder (Achterschiff) mit 200 kW Leistung, sowie einem Schottel-Pumpjet ausgestattet.

Der 7-flügelige Spezialpropeller der auch zur Unterwassergeräuschreduzierung beiträgt

Der Flüssiggastank fasst 130 m³. Das Schiff kann bei ausschließlicher Nutzung von Erdgas als Kraftstoff bis zu zehn Tage auf See bleiben. Darüber hinaus wurde ein Dieselkraftstofftank mit einem Inhalt von 200 to Gasöl mit einem Schwefelgehalt < 0,1 % vorgesehen. Damit verlängern sich die Einsatzzeiten der ATAIR.

Das Schiff erfüllt die Anforderungen für das Umweltzeichen „Blauer Engel“ für umweltfreundliches Schiffsdesign (RAL-UZ 141); darüber hinaus ist zur Erfüllung der anspruchsvollen Abgasvorschriften gem. IMO Tier III sowie US EPA Tier IV eine Abgasnachbehandlung mit SCR-Katalysatoren und Rußpartikelfilter für den Dieselbetrieb vorgesehen; bei der Verwendung von Erdgas ist für den Gasbetrieb keine Abgasnachbehandlung erforderlich.

Weitere Ausrüstung

Zur Ausrüstung gehören unter anderem Labore, eine Luftschadstoff- Messstation sowie ein Arbeitskran und ein Schiebebalken für geologische Arbeiten am Meeresboden. Ein 200 Quadratmeter großes freies Arbeitsdeck bietet Raum für Labor- und Transportcontainer. Eine umfangreiche Tauchausrüstung und eine Taucherdruckkammer sind ebenfalls an Bord.

Der Bund investiert rund 114 Millionen Euro in den Bau des Schiffes und der DNV GL vergab das Klassezeichen: Germanischer Lloyd :[+] 100 A5 E1 SPS NAV-INS + MC E1 AUT DP1 GF , sowie „Silent-R“ gemäß DNV