Brandungswelle

Die Wasserstoffdiskussion nimmt kein Ende

Die Wogen der Diskussion schlagen unverändert hoch, wenn es um Wasserstoff als alternativen Kraftstoff geht. Obwohl inzwischen hinreichend seriöse Studien vorliegen, die zu dem klaren Ergebnis kommen, dass Wasserstoff als alternativer Energieträger weder für die Schifffahrt, noch für die Luftfahrt in Frage kommt. Nicht wegen vieler noch unbeantworteter Fragen, sondern ganz einfach, weil die Energiedichte von Wasserstoff, einschließlich der dafür erforderlichen Tankanlage, im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen so gering ist, dass damit keine akzeptablen Reichweiten zu erzielen sind.

 Wenn nun der Tägliche Hafenbericht (THB) in seiner Ausgabe vom 20. November 2019 titelt: „Wasserstoff ist das neue LNG“, dann darf man wohl fragen, welche Quellen die Kollegen vom THB verwendeten, um diese quasi apodiktische Aussage abzusichern? Das gilt umso mehr, wenn der Verfasser des Beitrags als „Fachjournalist und Marktforscher“ hingestellt wird, und dann gleich mehrfach von einem Wasserstoffantrieb, LNG-Antrieb oder gar von Schwerölantrieb berichtet. Wem gelingt es schon, mit Wasserstoff, verflüssigtem Erdgas oder Schweröl irgendetwas anzutreiben?

Hintergrund des Beitrags ist das sogenannte „LNG-Barometer“ der DVV Media Gruppe, das jüngst zum diesjährigen „LNG Round Table“ des Verlages erschienen ist. Dabei handelt es sich um die Auswertung einer Umfrage zum Einsatz von LNG in der Schifffahrt und Alternativen dazu. Die erste Umfrage dieser Art wurde im November 2018 erhoben. Damals beteiligten sich 300 Personen. Die Fragen zur aktuellen Ausgabe wurden im November 2019 gestellt, an der sich allerdings nur noch 82 Personen beteiligten. Damit darf die Relevanz der Umfrage für den Bereich der deutschen Schifffahrt, des Schiffbaus und der Zulieferindustrie bezweifelt werden. Dennoch nachfolgend ein Blick auf die wichtigsten Gesichtspunkte.

Von den Befragten gaben 33,0 Prozent an, bei Reedereien zu arbeiten (Vorjahr 31,2 %). Nachdem Mitarbeiter von Werften oder Zulieferunternehmen nicht separat ausgewiesen sind, dürften diese unter den „anderen Unternehmen“ zu finden sein, für die 32,9 Prozent (Vorjahr 20,8 %) genannt werden. Für die Zurückhaltung deutscher Reedereien hinsichtlich der Verwendung von Erdgas als Kraftstoff sehen 23,9 Prozent (Vorjahr 47,5 %) die fehlende Infrastruktur als Grund an und 29,7 Prozent (Vorjahr 27,2 %) die damit verbundenen hohen finanziellen Aufwendungen. Abgesehen von der Bewertung der Befragten zur Verwendung von Erdgas beurteilen sie die Wichtigkeit alternativer Schiffsabtriebe mit 38,4 Prozent (kein Vorjahreswert) relativ hoch.

Zum Wasserstoff als Schiffskraftstoff

Wie sollte es anders sein, der Titel des Beitrags im THB ist natürlich nur von den Antworten auf eine Frage abgeleitet. Diese lautete: „Welche Alternativen zum klassischen Dieselmotor sind aus Ihrer Sicht am erfolgversprechendsten?“ Sie wurde von 52,2 Prozent mit „Wasserstoff-Antrieb“ beantwortet. Im Vorjahr lautete die entsprechende Frage: „Welche Alternative ist am ehesten relevant?“ und wurde nur von 26,3 Prozent mit Wasserstoff beantwortet. Betrachtet man nun die Antworten auf die Frage, wie gut sich die Befragten über diese Alternativen informiert fühlen, dann kommt man in mehrfacher Hinsicht zu einem erschreckenden Ergebnis:  Nur knapp die Hälfte fühlt sich hinreichend informiert und immerhin 43,5 Prozent sagen nein! Wer hat da versagt? Und: Wenn mehr als 40 Prozent nicht ausreichend informiert sind, wie ist dann die Aussage zum Wasserstoff zu bewerten? Und darauf baut man beim THB die Aussage auf „Wasserstoff ist das neue LNG“ – entsprechend der Aussage von 43 Personen?