Strasse von Hormuz

Straße von Hormuz wirtschaftlich und politisch „brisanteste“ Wasserstraße der Welt

Immense Wichtigkeit für die Erdölversorgung Europas, Asiens und Nordamerikas

Von den drei Hauptwasserstraßen der Nahost-Region  – Suezkanal zwischen Mittelmeer und Rotem Meer; Straße von Bab el Mandeb („Tor der Tränen“) zwischen Rotem Meer und dem Golf von Aden und damit zum Indischen Ozean; Straße von Hormuz zwischen dem Persischen Golf und dem mit dem Indischen Ozean verbundenen Golf von Oman – zählt letztere infolge ihrer strategisch-politischen und wirtschaftlichen Bedeutung, sowie wegen ihrer Lage in einer spannungsgeladenen Region zu den „brisantesten“ Wasserstraßen der Welt.

Diese Wasserstraße (pers. Tangeye Hormoz, arab. Madiq Hurmuz) ist eine etwa 90 Seemeilen (167 km) lange Meeresstraße zwischen gegenüberliegenden Festlandküsten – einer Einbuchtung der iranischen Küste und der von Arabien vorspringenden Halbinsel Musandam (einer omanischen Exklave). Ihre engste Stelle zwischen der iranischen Insel Larak im Norden und den zum Emirat Oman gehörenden Inseln Qoim und Salama beträgt nur 21 Seemeilen (39 km). Im Bereich der Straße von Hormuz werden die zur Kontrolle der Wasserstraße bedeutenden Inseln Abu Musa und die Tumb-Inseln vom Iran und von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) beansprucht. Seit 1971 sind sie vom Iran besetzt.

Seit der Antike ist diese Wasserstraße eine der wichtigsten Schifffahrtswege, durch die heute der Schiffs- und Tankerverkehr von und zu den Ölhäfen der Golf-Anrainer (Iran, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain, VAE und Saudi-Arabien) verläuft. Durch dieses Nadelöhr ergeht der Export von Erdöl, aber auch von verflüssigtem Erdgas nach Asien (China, Japan, Indien), Westeuropa und die USA – seit etwa 2004 rund 25 Prozent des weltweit verbrauchten Erdöls, seit etwa 2013 im Ausmaß von 40 Prozent! Täglich durchfahren diese Meerenge Tanker mit 16,5 bis 17 Mill. Barrel (1 Barrel = 159 l) Öl im Wert von etwa einer Milliarde USD – Tendenz steigend! Seit 2018 ist diese Menge auf täglich etwa 22,5 Mill. Barrel gestiegen. Dies entspricht derzeit weltweit etwa 24 Prozent der täglichen Ölproduktion und 30 Prozent der Öltransporte zur See.

Um die Straße von Hormuz zu passieren, müssen Schiffe die Hoheitsgewässer von Oman und dem Iran durchfahren, wobei die Durchfahrt nach dem Seerechtsabkommen der UNO erfolgen sollte. Dadurch steht Schiffen das Recht der Transitdurchfahrt zu. Kriegs- und Handelsschiffe werden gleichermaßen behandelt und dürfen die Wasserstraße unangemeldet zügig durchfahren. Das erwähnte Seerechtsabkommen ist vom Iran zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert worden, so dass es für die Straße von Hormuz noch keine Gültigkeit hat. Weitergehende Rechte würde der Iran bei einem Beitritt zum Abkommen nur denjenigen Staaten zugestehen, die diesem Seerechtsabkommen ebenfalls beigetreten sind, was bei den USA noch nicht der Fall ist. Sowohl der Iran als auch die USA haben jedoch die Genfer Seerechtskonventionen unterzeichnet, aber nur die USA haben diese auch ratifiziert. Nach diesen Konventionen haben alle Schiffe das Recht auf friedliche Durchfahrt durch die Straße von Hormuz, doch gelten für Kriegsschiffe strenge Auflagen. So dürfen U-Boote nur aufgetaucht und beflaggt die Wasserstraße durchfahren. Alle Kriegsschiffe müssen vor der Durchfahrt eine Genehmigung des Iran, der dieses Recht weiterhin für sich beansprucht, einholen.

Die USA lassen ihre Kriegsschiffe weiterhin unangemeldet die Straße von Hormuz passieren, wobei sie sich auf das Völkergewohnheitsrecht berufen, das im Rahmen des Seerechtsabkommens der UNO kodifiziert worden ist – diesem Abkommen sind die USA aber nie beigetreten.

Im Zusammenhang mit einem 2006/2007 drohenden US-Angriff auf den Iran wegen dessen Atomprogramm (der Iran soll unter allen Umständen daran gehindert werden, Atomwaffen produzieren zu können) befürchtete Washington eine Schließung der Straße von Hormuz mit Marschflugkörpern. Aus diesem Grund waren Anfang 2007 Flugzeugträger und Minenräum-Begleiter nahe der Meerenge in Stellung gebracht worden. Ende Dezember 2010 drohte im Zuge des Streits um das iranische Atomprogramm Irans Erster Vizepräsident Mohammed Reza Rahimi für den Fall einer Verhängung eines Ölembargos gegen sein Land mit einer Sperre der Wasserstraße.

Nachdem die USA 2018 aus dem 2015 in Wien geschlossenen Atomabkommen mit den Iran ausgetreten waren und Sanktionen gegen den Iran verhängt hatten, erklärten die iranischen Revolutionsgarden, sie seien zur Durchführung der Sperre der Wasserstraße falls nötig bereit. In den Morgenstunden des 13. Juni 2019 waren die Öltanker FRONT ALTAIR und KOKUKA C OURAGEOUS im Persischen Golf von Explosionen erschüttert worden. Die Mannschaft der KOKUKA sah, wie ein „fliegendes Objekt“ den Tanker getroffen hatte. Die Besatzung der FRONT ALTAIR wurde durch iranische Schiffe, jene der KOKUKA vom US-Zerstörer BAINBRIDGE in Sicherheit gebracht. Noch am gleichen Tag beschuldigte US-Außenminister Mike Pompeo den Iran, hinter den Attacken zu stehen, was Irans Staatspräsident Hassan Rouhani und Außenminister Mohammed Javad Zarif energisch dementierten.

Im Juli 2019 wurde der unter britischer Flagge fahrende Tanker STENA IMPERO von Iranern gekapert und dieser Schritt mit der britischerseits erfolgten Aufbringung eines iranischen Tankers vor Gibraltar, der GRACE begründet, der entgegen der von der EU verhängten Sanktionen nach Syrien unterwegs war. Beide Schiffe sind inzwischen wieder freigegeben worden, seither wurden keine ähnlichen Zwischenfälle mehr gemeldet.

Die vorläufig letzte Meldung aus der Region betraf ein Flottenmanöver im Golf von Oman, an dem Iran, Russland und China teilnahmen. Die beiden letzteren sind Verbündete des Iran im eskalierenden Konflikt mit dem Westen. China sprach von dem Manöver von einem „normalen militärischen Austausch“, der mit den jüngsten Spannungen nichts zu tun habe. Die staatlichen iranischen Medien sprachen davon, dass die Botschaft der Übung Frieden, Freundschaft und dauerhafte Sicherheit durch Zusammenarbeit gewesen sei.

Für die nahe und ferne Zukunft im Bereich der Straße von Hormuz stellen sich derzeit folgende Fragen:

  • Kann das Atomabkommen von 2015 mit dem Iran gerettet werden und wird der Iran wieder sein Öl verkaufen können? Was geschieht, wenn es iranischen „Falken“ gelingen sollte, den Iran zum Ausstieg aus dem Atomabkommen zu bewegen? Wird das dann zu neuen europäischen Sanktionen kommen?
  • Kann die Konfliktsituation im Bereich der Straße von Hormuz zeitlich beschränkt werden oder muss mit einer Verschärfung gerechnet werden?
  • Gibt es für den Iran eine Möglichkeit, seine diplomatischen Beziehungen mit SaudiArabien wiederherzustellen oder werden die beiden um Einfluss in der Region rivalisierenden Mächte die Lage weiter verschärfen?
  • Kann der Oman alle interessierten Parteien wieder an den Verhandlungstisch bringen, wie es ihm in den letzten sieben Jahren mehrfach gelungen ist?
  • Entscheidend wird sein, ob mit einer Fortsetzung der gegenwärtigen Politik und Schritte des Iran in der Region zu rechnen ist.