MAERSK HONAM brennt…

Transportversicherer finanziell unter Druck

Seefrachtversicherungen – gemessen an Prämieneinnahmen die größte kommerzielle Sparte der globalen Transportversicherungsbranche – sind weltweit seit mehreren Jahren auf Grund steigender Schadens- und Kostenquoten unrentabel geworden. Im Jahr 2018 (für 2019 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor) stiegen die Versicherungsprämien auf 28, 9 Mrd. USD, d. i. ein Zuwachs um ein Prozent. Angesichts von Ereignissen wie Havarien auf See und steigender Schadensquoten trägt der Prämienzuwachs nur wenig zur Belebung des Geschäftes bei. Diese ernüchternde Bilanz zog beim vergangenen Gipfeltreffen der globalen Transportversicherungsbranche in Toronto (Kanada) im vergangenen Herbst der Vorsitzende des Frachtausschusses der International Union of Marine Insurance (IUMI), Sean Dalton.

Ein ähnlich negatives Bild zeigte sich 2018 in der LKW-Branche als Folge zunehmender Ladungsdiebstähle. Dadurch ergaben sich erhöhte Schäden aufgrund Lieferverzögerungen, Reparaturkosten, sowie Umsatzverluste und Betriebsunterbrechungen.

Das Treffen in Toronto stand unter dem Motto „Confronting the chaos for a sustainable future“ („Dem Chaos im Interesse einer nachhaltigen Zukunft die Stirn bieten“). So stand bei der Warentransportversicherung auf See, der größten Sparte im Transportsegment, 2018 einem Prämienvolumen von 16,6 Mrd. USD eine Schadensquote von 70 Prozent gegenüber. Damit ist nach den Worten der Vizevorsitzenden des Facts & Figures Committee der IUMI, Astrid Seltmann die Verlustschwelle für die Versicherer erreicht worden.  Denn die restlichen 30 Prozent müssen von den Versicherern für Verwaltungskosten, Bereitstellung von Kapital und Provisionen aufgewendet werden. Neue Schadensfälle erhöhen zusätzlich den Druck, da die auf 80 Prozent zugehende Schadensquote den Versicherern immer massiver das Geschäft verleidet wird. Frau Seltmann rechnet mit anhaltenden globalen Unsicherheiten, einschließlich gegenwärtiger Spannungen im Handel, wovon alle Sektoren betroffen sein werden, außer Fracht und Offshore-Energie. Als „nicht hilfreich“ bezeichnete sie die Abwärtskorrektur des globalen Handelswachstums für die künftige Zeichnung von Seefracht.

Besorgniserregend wurde die zunehmende Häufigkeit von Bränden auf Containerschiffen, insbesondere im Frachtbereich empfunden (Beispiele: MAERSK HONAM oder GRANDE AMERICA). Dieser Trend sei seit einigen Jahren zu beobachten, neueste Teilstatistiken für 2019 lassen einen deutlichen weiteren Anstieg erkennen. Abgesehen von dadurch verursachten Schäden am Schiff und an der Fracht stellten die Brände auch eine Gefahr für die Besatzung dar.

IUMI arbeitet deshalb mit einer Reihe von Branchenverbänden zusammen, um die Prävention solcher Ereignisse und die Brandbekämpfung an Bord von Schiffen zu verbessern. Ferner belegen Reedereien nun Verlader mit Strafen für falsche Deklarierungen von Ladung, z.B. wenn gefährliche Güter als „unbedenkliches Stückgut“ angeführt wird.

Als positiv wurde bei dem Treffen in Toronto registriert, dass sich in letzter Zeit die Schadenshäufigkeit und die Kosten pro Schiff auf einem „stabilen Niveau“ halten.

Die globale Versicherungsbranche sieht auch Probleme an einer anderen Front – Diebstähle von Seefracht in wachsender Zahl entlang von Transportketten, weshalb im September 2019 die IUMI ein Positionspapier mit Empfehlungen zur besseren Verhütung von Frachtdiebstählen und zur Bekämpfung derartiger Diebstähle präsentiert hat. Großer Wert wird dabei auf die verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden gelegt, ferner auf die Einrichtung einer speziellen Taskforce, Schulungen mit Schwerpunkt auf Aufklärung und Vorbeugung gegen Frachtdiebstähle, weiters verbesserte Sorgfaltspflicht von Verladern, Logistik- und Transportunternehmen bei der Auswahl von Agenten und Mitarbeitern.

 „Frachtverbrechen“, so die IUMI, stellen eine große Belastung für die Gesellschaft dar, „da die wegen gestohlener Fracht, Betriebsunterbrechung und Reputationsverlust verursachten Kosten in die Preise der Produkte einfließen und rund um den Globus ihre Wirksamkeit entfalten“.