Corona-Pandemie setzt Volkswirtschaften, Logistik und Schifffahrt hart zu

Globale Logistik vor besonderen Herausforderungen

Die seit Jahresende 2019 immer intensiver gewordene Coronavirus-Pandemie hat die Welt, Volkswirtschaften, Logistik und auch die Personen- und Frachtschifffahrt, sowie auch Hafenaktivitäten derart zugesetzt, dass Experten glauben, dass man nach einem Sieg über das Virus nicht wieder zu Bedingungen wie vor der Epidemie zurückkehren können wird.

Bleibt die weltweite Reiselust längere Zeit gedämpft, ist mit einer gewaltigen Schrumpfung des Tourismus zu rechnen, was vor allem Kreuzfahrtschiffe und Luftverkehr treffen wird, deren Zukunft schon länger wegen der nach wie vor existierenden, aber nun in puncto Aufmerksamkeit ein wenig in den Hintergrund getretenen Klimakrise unsicher ist. Der Freihandel stand schon vor der Corona-Krise unter Druck. Sollten viele Staaten die Absicht hegen, die Importabhängigkeit zu verringern, könnte dies für die Globalisierung einen harten Rückschlag bedeuten. Manche Länder und Volkswirtschaften könnten davon profitieren, am wenigsten allerdings die Länder der sog. Dritten Welt. Fraglich ist auch die Zukunft einer aktiveren Rolle des Staates nach Ende der aktuellen Krise – die hohen Schulden im Gefolge der Krise (Flüssigmachung von Milliarden von Steuergeldern für Hilfsaktionen für die Wirtschaft, Investitionen usw.)  werden den staatlichen Spielraum sicher ändern, wenn Rezession und schrumpfende Steuereinnahmen drohen. Viele rechnen mit einer Änderung des gesamten Weltwirtschaftssystems, ohne zu wissen wie und in welche Richtung es sich entwickeln wird.

Zwiespältig ist derzeit das Bild beim Kreuzfahrttourismus.  Dieser hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen, immer größere Schiffe – echte „schwimmende Hotelpaläste“ wurden bzw. werden gebaut. Einerseits hängen gegenwärtig Luxusliner wegen der Corona-Krise auf dem Meer fest, während andere hohe Verluste wegen des Ausbleibens von Gästen schreiben.  Andererseits gibt es Meldungen über eine gute Buchungslage für Kreuzfahrten für 2021. Weitere Kreuzfahrtschiffe sind im Zuge der „Stärkung der Werftenstandorte“ im Bau, doch gibt es auch fertig gebaute bestellte Schiffe, die von den Auftraggebern nicht abgeholt wurden bzw. werden. In anderen Fällen fehlt es an Geld für Wartungsarbeiten. So müsste für den Fall der Fälle der Staat, d.h. der Steuerzahler einspringen.

Generell fahren derzeit Reedereien Riesenverluste ein. Sie haben bisher schon mehr als doppelt so viele Kapazitäten aus dem Markt genommen wie zur Zeit der Finanzkrise 2008/2009. Dazu kommt das „Slow-Steaming“, sowie z. B.im Fall von Schifffahrten von Südasien nach Europa eine sieben bis zehn Tage längere Route um Afrika herum statt durch den teuren Suezkanal. Plätze auf der „Iran Silk Road“ (der neuen Seidenstraße zu Lande) werden knapp, Vorausbuchungen sind notwendig, weil Flughäfen, Häfen und Länder sich abriegeln, andere wieder aufsperren. Das Virus ist aber schneller als Schiffe. Lagergelder und Ansteuern von Ersatzhäfen können extrem teuer werden. Auch wenn allen Staaten klar ist, dass es ohne Frachtverkehr zu Land und zur See nicht geht, sollte die Durchführbarkeit von Transport und Zahlung im Voraus geprüft werden.

Wegen des Konjunktureinbruchs im Gefolge der Corona-Krise ist es zu einem Rückgang der globalen Ölnachfrage gekommen, wie die Organisation Ölexportierender Staaten (OPEC) es für einen solchen Fall erwartet hatte. Auch die Nachfrage nach Gas und Strom ist eingebrochen. Nur Konjunkturpakete von Regierungen könnten den Energie-Nachfragerückgang früher als erwartet abmildern. Am Höhepunkt der Corona-Krise stauten sich vor wichtigen Ölhäfen, z.B. Rotterdam, riesige Öltanker, die das „schwarze Gold“ nicht entladen konnten. Das Gleiche spielte sich in der Nordsee und im Ärmelkanal, in der Straße von Malakka und vor dem benachbarten Singapur, sowie im Golf von Mexiko ab. Doch besteht Hoffnung, dass das Anlaufen von Maschinen in Fabriken im Zuge von Lockerungen des „Lockdowns“ die Nachfrage nach Energie und Treibstoff wieder steigern lässt.

Viele Reedereien hatten ihre Schiffsbesatzungen nach dem weltweiten Lockdown an Bord von Kreuzfahrtschiffen, Öltankern und Frachtschiffen gelassen – in der Hoffnung, die Lage würde sich beruhigen. Nach Schätzungen von Experten saßen seit 13. März, dem Beginn des allgemeinen Lockdowns, etwa 100.000 Seeleute auf ihren Schiffen fest, die in Genf ansässige Internationale Arbeitsorganisation (ILO) registrierte im Juni weltweit bereits bis zu 200.000 von ihnen, um den Corona-Schutzvorschriften Rechnung zu tragen – Tendenz steigend.  Wegen der Reisebeschränkungen und geschlossener Flughäfen konnten sie nach Ende ihres vertraglichen Einsatzes nicht von Bord gehen. Sie waren bzw. sind an Bord auch psychischen Belastungen ausgesetzt – untergebracht oft in sehr kleinen, mitunter fensterlosen Kabinen und ohne physischen Kontakt zu andren Kameraden. Auf vielen Schiffen grassierte und grassiert das Virus nach wie vor, weshalb viele Häfen die Schiffe nicht anlaufen lassen. So haben die USA diese Sperre bis Ende Juli, Australien sogar bis Mitte September ausgedehnt.  Wie ein Besatzungsmitglied eines vor Miami feststeckenden Kreuzfahrtschiffes gegenüber der Zeitung „Miami Herald“ erklärte, fühlten er und seine Kameraden sich „wie Geiseln“. An Bord mancher Schiffe sei es zu Hungerstreiks gekommen, es gab sogar Gerüchte über Fälle von Selbstmord.  Den Reedereien wäre es Insidern zufolge durchaus möglich, Besatzungsmitglieder in ihre Heimatländer zu bringen, dafür notwendige Charterflüge und Privattransporte fänden sie aber zu teuer.

Und all dies – also die Pandemie und ihre Folgen – spielt sich vor einem düsteren politischen Hintergrund ab. Die USA haben ihre Führungsrolle aufgegeben und verfolgen eine isolationistische und nationalistische Politik. Gesundheitsvorsorge dient dort zuerst dem Profit. Die Autorität der UNO und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird von den USA untergraben. Europäische Länder werden von internen Problemen, die EU durch Uneinigkeit ihrer Mitglieder und das Brexit-Problem gelähmt.  Das wirkt sich für die Länder der Dritten Welt, also die Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas tödlicher aus als das Virus selbst und dürfte die EU vor eine weitere Zerreißprobe stellen – in Form einer neuen starken Migrationswelle in den angeblich „Goldenen Westen“.

Trotzdem sollte man nicht jeden Optimismus verlieren. Kenner Chinas verweisen in diesem Zusammenhang auf die chinesische Schrift. Dort setzt sich das Wort „Krise“ aus den beiden Schriftzeichen für „Gefahr“ und „Chance“ zusammen.